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6. Die Lehrer wissen nicht, was sie tun. Qualitätskontrollen sind erst im Anlaufen

Im Grunde gibt es keine objektive Instanz, die feststellt, ob ein Lehrer gut oder schlecht ist. Der Betroffene kennt nur die Klassen, in denen er selbst unterrichtet, mangelnder Lernerfolg wird gern auf das „Schülermaterial“ geschoben. Anders als in den USA und Großbritannien, wo sich die Lehrervertretung für eine Überprüfung ihrer Arbeit starkmachte, ist die Einführung von Bildungsstandards in Österreich ein heißes Eisen. Erst nach den alarmierenden PISA-Ergebnissen entschloss man sich zu Tests, die derzeit nur an Versuchsschulen ablaufen und 2011/2012 in Bildungsstandards münden sollen. Weit entfernt ist man hierzulande auch von flächendeckenden Bewertungen des Unterrichts durch Schüler, Eltern, Experten. Unter Teilnahme von Lehrern, die ihre Unterrichtsmethoden kritisch mitreflektieren. Schmied sagt, dies würde einen „wertschätzenden Umgang aller mit allen voraussetzen“. In der Praxis ist das Arbeitsklima vielerorts aber von der Suche nach Schuldigen, politisch bestellten Schulleitern und Freunderlwirtschaft geprägt.

In Österreich, dem Land der Schulversuche, wurde auch nie von unabhängiger Stelle evaluiert, wie sich Neuerungen bewähren, welche Schlussfolgerungen sich daraus für das Regelschulsystem ergeben, was übernommen und was verworfen wird, kritisiert Bildungsexperte Stern. So sei zu vermuten, dass die Stundenreduzierung, die die frühere Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer verordnet hatte, weniger zur Entlastung der Schüler, sondern mehr zur Belastung der Familie und verstärktem privatem Nachhilfeunterricht führte. Es gebe auch keinen empirischen Beweis, dass die derzeit so vehement propagierten kleineren Klassen bei herkömmlichem Frontalunterricht zu besserer Leistung anspornen.