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8. Die Gewerkschaft macht nur Standespolitik, keine Bildungspolitik

Vor sechs Jahren legten die Lehrer wegen Stundenkürzungen ihre Arbeit nieder. Vor zwei Jahren wurden „Lehrerversammlungen“ abgehalten, um die Gesamtschule zu verhindern. Diese Woche sind „Dienststellenversammlungen“ wegen der beabsichtigten Stundenerhöhung geplant. Kaum ein Berufsstand hatte in den vergangenen Jahren so oft Lust zu streiken. Walter Riegler, Vorsitzender der ARGE Lehrer und der Pflichtschullehrergewerkschaft (ÖVP), erklärt, ohne diese Versammlungen wäre es gar nicht möglich, die durch das ministerielle Hickhack verunsicherte Lehrerschaft zu informieren: „Wir sind sicher keine Reformverweigerer – wir haben uns etwa für das Team-Teaching eingesetzt.“

Die Lehrergewerkschaft hat politisches Gewicht, denn rund 70 Prozent der 120.000 Lehrer in Österreich sind Mitglied. Und die Gewerkschaft ist, anders als in anderen Ländern, weder Braintrust noch Expertenkomitee für eine Schulreform, sondern eine rein dienstrechtliche Standesvertretung. Riegler: „Meine Aufgabe ist es nicht, die Interessen von Eltern und Kindern zu vertreten. Die Lehrer zahlen Beiträge und erwarten zu Recht, dass wir ihre Interessen vertreten.“ Nachsatz: „Ich versuche aber, die Bedürfnisse der Schüler mitzudenken.“