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9. Eine neue Schule steht und fällt mit dem Unterricht

Niemand weiß, was wir in zwanzig Jahren wissen müssen. Schulen, in denen Kinder verlernen, neugierig zu sein, Fragen zu stellen und zusammenzuarbeiten, sind deshalb heute schon von gestern“, sagt Monika Kircher-Khol, Vorstandschefin der Infineon Technologies Austria AG.

In ihrem Unternehmen hat von den neu eingestellten Mitarbeitern inzwischen jeder zweite einen Universitätsabschluss, jeder fünfte ein Fachhochschulzeugnis. Die Infineon-Managerin gehört zu einer Expertenrunde der Österreichischen Industriellenvereinigung, die seit Jahren für eine grundlegende Bildungsreform wirbt, weil „sich die Zukunft unserer Betriebe in den Klassenzimmern entscheidet“. Kleinere Klassen, bessere Arbeitsplätze für Lehrer und Ganztagesbetrieb reichen dafür nicht. Eine neue Schule steht und fällt mit dem Unterricht: zusätzliche Förderung, Hilfe für Schwächere, mehr Sprachunterricht, Unterricht in der Muttersprache für Migrantenkinder. Lehrer müssen ihre Rolle neu anlegen: Ob sie ihren Stoff durchboxen, ist zweitrangig; was zählt, ist, dass die Kinder tatsächlich etwas lernen. Weil die neue Schule keine missmutigen Lehrer brauchen kann, muss auch für die Pädagogen einiges besser werden: weniger sinnlose Bürokratie, mehr Mitgestaltung, Computerarbeitsplätze, mehr Zeit in der Klasse. Lehrer sollen nicht Geografiekarten verwalten, sondern bei den Schülern sein, fordern Experten. Außerdem soll das Lehrer-Dasein durchlässiger werden. Bildungsministerin Schmied: „Eine Sprachlehrerin könnte zur Abwechslung als Dolmetscherin arbeiten, so eine ­Öffnung kann den Schulen und dem Unterricht nur guttun.“