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Trotz Herrschaft der Mullahs – der Iran hat eine hochentwickelte Gesellschaft.

Zwei Tage hat die Sperre Ende Mai gedauert. Dann wurde der Druck

auf Mahmud Ahmadinejad

zu groß. Die Internet-Plattform Facebook wurde wieder dem Volke zugänglich gemacht. Wie kaum in einem anderen Land bewegt sich die iranische Jugend im Cyberspace. Sie ist Champion, wenn es um das Schreiben von Blogs geht. Der iranische Film ist auf der Höhe der Zeit, die Literatur- und Kunstszene blüht. Unter der Knute der Mullahs und inmitten einer immer trister werdenden ökonomischen Situation hat sich die iranische Gesellschaft grundlegend modernisiert. Sie ist höchst differenziert und vielfältig. Alle Umfragen zeigen: Die Menschen, vor allem die urbanen Mittelschichten, haben die Herrschaft der islamischen Kleriker satt, die Menschen beten in der persischen Theokratie weniger als in der säkular verfassten Türkei.

Hintergrund dieser erstaunlichen Entwicklung ist die Geschichte des Landes. Schließlich ist der Iran eine stolze traditionsreiche Nation, nicht ein von den Kolonialmächten zusammengestoppeltes Gebilde wie andere Staaten in dieser Region – etwa der Irak, Jordanien oder die Golfstaaten.

Die verschiedenen Großreiche der Geschichte konnten schon den alten Griechen, dem römischen Imperium und dem christlichen Europa zuweilen Paroli bieten – nicht nur militärisch, sondern auch kulturell. Das erklärt letztlich auch, warum nicht nur die Regierenden, sondern auch die Oppositionellen es als grobe Verletzung der nationalen Würde empfinden, wenn andere Mächte dem Land die Verfügung über eine moderne Technologie, wie die Atomkraft, verwehren wollen.