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Der Iran ist traditionell keine Angreifernation.

Das letzte Mal, dass die Perser einen Angriffskrieg führten, ist 270 Jahre her. 1739 eroberten die Truppen von Schah Nadir I. für kurze Zeit Delhi. Und im Rückblick wird klar: Der Iran war meistens Opfer von ausländischen Aggressionen. Auch im vergangenen Jahrhundert. Im August 1953 lief die „Operation Ajax“ an. Der frei gewählte Ministerpräsident Mohammed Mossadegh, der das Land aus allzu großer postkolonialer Abhängigkeit führen wollte, wurde von der Armee einfach hinweggeputscht: Der Coup war offensiv von Washington unterstützt und vom Geheimdienst CIA orchestriert worden. In den darauf folgenden zweieinhalb Dekaden herrschte der prowestliche, von den Amerikanern auf den Thron zurückgehievte Schah Reza Pahlevi mit eiserner Hand über das Land.

Nachdem 1979 die überaus korrupte Entwicklungsdiktatur des Schahs in einer Volksrevolution (die alsbald von den fundamentalistischen Klerikern usurpiert wurde) hinweggefegt worden war, dauerte es keine zwei ­Jahre, bis Iraks Diktator Saddam Hussein mit tatkräftiger Unterstützung des Westens den Iran überfiel und in einen achtjährigen Krieg verwickelte. Über eine halbe Million Iraner fanden in diesem lang andauernden Gemetzel den Tod. Zwar gibt das keine Garantie – aber Angriffskrieg liegt schlichtweg nicht in der Tradition Persiens.