Big Spender: Jörg Haider, Saddam Hussein und das Geld

Big Spender: Jörg Haider, Saddam Hussein und das Geld

Jörg Haider, selbst ernannter „Anwalt des kleinen Mannes“ lebte auf großem Fuß. Die Rechnungen wurden zum größten Teil von den Steuerzahlern ­beglichen – und von Saddam Hussein.

Am lustigsten von allen Schnurren, die sich um Jörg Haider und Geld drehen, ist ohne Zweifel jene mit Walter „Wos-woa-mei-Leistung“ Meischberger. Meischberger, zeitweilig FPÖ-Generalsekretär, zog es Mitte der 1990er-Jahre in die Privatwirtschaft. Als eine seiner ersten Taten vermittelte er den Kicker Peter Stöger nach Innsbruck – für drei Millionen Schilling „bar aufs Handerl“. Meischberger wurde ertappt und wegen Anstiftung zur Steuerhinterziehung verurteilt. Blöd nur, dass er sein Nationalratsmandat sicherheitshalber nicht zurückgelegt hatte, 1999 Nationalratswahlen anstanden und Jörg Haider seinen nur noch wenig schmückenden Meischi vorher zum Rücktritt überreden musste. Dies gelang dem FPÖ-Chef, indem er Meischberger 2,5 Millionen Schilling zusteckte. Der gab sein Mandat auf, rühmte seinen „Verzicht“ („Wir Freiheitliche sind eben doch anständige Menschen“) – und zahlte für die 2,5 Millionen natürlich keine Steuern.

Nicht untypisch für die Geschäftspraktiken in Haiders Reich.

Spesen und Sponsoren
Der Landeshauptmann liebte es, auf großem Fuß zu leben. 1999 gab er 4,1 Millionen Schilling nur an Spesen aus, als er ein Jahr später den Parteivorsitz an Susanne Riess-Passer abtrat und nur noch „einfaches Parteimitglied“ war, minderte dies seinen Spesenansatz nicht. Ende 2001 wurde dieser in Euro umgerechnet: 363.364 Euro im Jahr, also etwa 1000 Euro pro Tag nur an Spesen. Haiders ausgefallene Hosen, Jacken und Anzüge wurden noch extra bezahlt – kleiderständerweise seien sie ihm geliefert worden, erzählen Augenzeugen. Die teuren Dienstautos (Audi A8, BMW X5 und zuletzt der legendäre VW Phaeton) überstiegen das Limit der Landesregierung, also musste die Partei noch etwas dazulegen.

Was im Prinzip aber auf dasselbe hinauslief: In Wahrheit wurde fast alles von den Steuerzahlern beglichen. Die FPÖ hatte immer nur wenige zahlende Mitglieder und lebte praktisch von der öffentlichen Parteienförderung. So ist es bis heute: Der Politologe Hubert Sickinger, Spezialist für das Thema Parteienfinanzierung, errechnete für das Jahr 2012, dass die Freiheitlichen nur eine Million Euro an Mitgliedsbeiträgen, aber 42 Millionen an öffentlicher Förderung in Bund und ­Ländern einnahmen.

Haider hatte aber noch weitere Geldquellen angezapft. Wie profil 2010 aufdeckte , hatte Iraks Diktator Saddam Hussein Haider bei dessen erstem Besuch im Irak 500.000 US-Dollar zustecken lassen. Seine zweite Visite im Februar 2002 wurde schon mit zwei Millionen Dollar vergolten. Ein Zeuge mit Zugang zu Saddam erzählte profil, der irakische Herrscher habe auch Haiders denkwürdigen Auftritt im Sender Al Jazeera großzügig abgegolten.
Hässlich hingegen die Geschichte mit dem Sponsorgeld für den Kärntner Formel-1-Piloten Patrick Friesacher: Haider hatte zwei reichen Russen für je eine Million Euro die Staatsbürgerschaft verschafft und sie zu Werbezwecken in Friesachers Karriere investiert. Diese war allerdings so kurz, dass im Jahr 2007 noch 197.000 Euro übrig waren. Auf die Frage seines Sekretärs, was mit dem Geld geschehen solle antwortete Haider nur knapp: „Einfach dalassen.“