Bruno Kreisky im Zitat: "Lernen S' ein bisschen Geschichte"

Bruno Kreisky (hier mit Heinz Fischer)

Bruno Kreisky (hier mit Heinz Fischer)

Bruno Kreisky, von 1970 bis 1983 Bundeskanzler Österreichs, ist vor 25 Jahren am 29. Juli 1990 gestorben. Von Kreisky sind unzählige Zitate überliefert: manche haben Eingang in den innenpolitischen Phrasenschatz gefunden und werden gar nicht mehr als echte Kreisky-Sager wahrgenommen, andere stehen exemplarisch für Kreiskys Politik und seinen Umgang mit Medien und politischen Gegnern. Eine Auswahl.


Wenn Sie mich jetzt zurückschicken, liefern Sie mich den Leuten aus, denen ich gerade entkommen bin.

Bruno Kreisky appellierte 1938 an die dänischen Behörden, ihn nicht ins an Nazi-Deutschland angeschlossene Österreich zurückzuschicken, sondern nach Schweden weiterreisen zu lassen. Ein Spruch, den Gegner der Asyl-Politik der aktuellen Regierung gerne auf T-Shirts drucken.


Und wenn mich einer frage, wie denn das mit Schulden ist, dann sag ich ihm das, was ich immer sage, und zwar, dass mir ein paar Milliarden Schulden weniger schlaflose Nächte bereiten als ein paar hunderttausend Arbeitslose mir bereiten würden.

Ein Klassiker: Kreisky erklärte, wie er das Dogma Vollbeschäftigung um jeden Preis finanziert.


So lang die Fabriken stinken, haben wir eine Arbeit.

Vollbeschäftigung, zweiter Teil: Kreiskys olfaktorische Resistenz ist als Adresse an Umweltschützer überliefert.


Sie glauben gar nicht, wie viel Lob ich ertragen kann.

Eigenlob hatte der "Sonnenkönig" offenbar nicht nötig.


Für mich glaube ich in Anspruch nehmen zu dürfen, ebenfalls ein echter Österreicher zu sein.

Kreiskys Replik auf den Wahlkampfslogan der ÖVP 1970, die ihren Spitzenkandidaten Josef Klaus als "echten Österreicher" anpries - ein Distinktionsmerkmal, in dem Kritiker einen antisemitischen Angriff auf den Juden Kreisky sahen. Klaus selbst bestritt dies.


Lernen S' ein bisschen Geschichte, Herr Redakteur!

Kreisky führte das Pressefoyer nach dem Ministerrat ein, bei dem die Journalisten dem Kanzler nahe kommen und Fragen stellen durften - und sich manchmal eine Kopfwäsche holten.


Schaun S', Herr Doktor Taus. Tun S' mich net schulmeistern. Das is so gouvernantenhaft!

A propos Kopfwäsche: Kreisky maßregelt in der TV-Wahlkampfkonfrontation 1975 seinen ÖVP-Kontrahenten Josef Taus.


Ich sage nicht Nein, dass ich nicht zurücktrete.

Bruno Kreisky sagte es durch die dreifache Verneinung: der Bundeskanzler stellt vor der Volksabstimmung über das AKH Zwentendorf dem Volk die Rute ins Fenster. Zwentendorf blieb zu, der Kanzler blieb.


Das ist die Rache der Geschichte, dass die jungen Revolutionäre nun auf ihre alten Tage befrackt und mit Orden behangen auf Bälle gehen müssen, um dort zu repräsentieren.

Plage Opernball: Kreisky schmiss sich pflichtbewusst in Schale.


Dankbarkeit ist keine politische Kategorie.

Egal, wie viele Bälle man besuchte.