profil-Morgenpost: Der Klimawandel und die alten weißen Männer

profil-Morgenpost: Der Klimawandel und die alten weißen Männer

Guten Morgen!

Ich hatte vor einigen Monaten Gelegenheit, einen Mann zu interviewen, der einer breiten Öffentlichkeit als besonnener und belesener Ökonom bekannt ist, älteres Semester, netter Kerl . Im Kern ging es bei dem Gespräch um Finanzthemen, aber irgendwann kamen wir auf den Klimawandel zu sprechen. Er nannte diesen ein „Angstthema“, von dem man sich nicht verrückt machen lassen dürfe. Der Klimawandel sei zwar nicht aufzuhalten, wir könnten uns aber „adaptieren“: „Also wenn das Wasser ein bisschen steigt, wird man höhere Dämme bauen. Das machen die Niederlande seit Jahren. Der Strukturwandel ist da, aber er ist nicht der Untergang der Welt, es wird eben eine andere Welt.“ Auf meinen Einwand, dass die Welt nicht notwendigerweise eine bessere werde, entgegnete er: „Ich lebe im Salzkammergut, wenn der Traunsee wärmer wird, ist das kein Nachteil. Es gibt ja nicht nur Verlierer, es gibt auch Gewinner.“ Er wollte das als Scherz verstanden wissen – wobei ich mir da nicht ganz sicher bin.

Ich führe derlei Gespräche neuerdings öfter. Was viele meiner Gesprächspartner eint. Sie sind erfahrene Wirtschaftstreibende, best of class, männlich, reiferen Jahrgangs – und fürchten sich allesamt vor Greta Thunberg , vor den Grünen in der Bundesregierung, vor Ökosteuern und überhaupt vor allem, das den Shareholder value infrage stellen könnte. Verlustängste trifft es ziemlich gut.

Kein Zweifel, der Klimawandel bringt auch Gewinner hervor. Günter Eichhübl und Robert Tencl zum Beispiel. Im Jahr 2000 kauften sie eine niederösterreichische Elektromotorenfabrik, die Antriebe für Schienenfahrzeuge herstellt. Der damalige Eigentümer ABB hatte dafür keine Verwendung mehr, weil sich das Eisenbahngeschäft nicht gerade dynamisch entwickelte. Zwei Dekaden und eine Renaissance der Schiene später sind die Auftragsbücher der Traktionssysteme Austria GmbH voll. Das Interview mit Eichhübl und Tencl lesen Sie in der aktuellen Printausgabe.

Auch der 19. Dezember 2019 wird nicht als frostigster Tag in die Geschichtsbücher eingehen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik erwartet für heute in den Niederungen zunächst einige Nebel oder Hochnebelfelder, darüber hinaus zeigt sich auch länger die Sonne. Wiederholt dichte Wolken im Süden, etwas Regen in Osttirol und Kärnten, Schneefallgrenze meist oberhalb von 2000 Meter. Am Nachmittag wird’s föhnig bis stürmisch, im Süden ziemlich feucht. Frühtemperaturen 0 bis 7 Grad, Tageshöchstwerte vier bis immerhin 16 Grad im Westen.

Man könnte auch sagen: Zu warm für die Jahreszeit . Sogar für ältere weiße Wirtschaftstreibende.

Trotzdem einen angenehmen Tag!

Michael Nikbakhsh

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