Spero Haddad

Spero Haddad

Ausland

Der Heimkehrer

Vergangenes Jahr gelang Spero Haddad die Flucht nach Österreich. Wenig später tat er etwas Ungewöhnliches: Er ging nach Syrien zurück.

Viele Hochzeiten gibt es derzeit nicht in Damaskus, der syrischen Hauptstadt. "Die Leute denken nur an das Nötigste: an Nahrung, an Wohnraum, an vermisste Verwandte - aber nicht ans Heiraten“, erzählt Spero Haddad. Der Hochzeitsfotograf tut sich schwer, die Auftragslage ist denkbar schlecht.

Dabei hatte es der 25-Jährige bereits geschafft. Nachdem sein Haus in Syrien zerbombt worden war, gelang Haddad im August vergangenen Jahres die Flucht nach Österreich, er suchte um Asyl an. Nur vier Monate später, im Dezember 2015, stieg er am Flughafen Wien in eine Maschine und kehrte in seine Heimat zurück. Warum geht einer, der eben erst dem Bürgerkrieg entfliehen konnte, wieder nach Syrien?

Der vollbärtige Haddad, ein bulliger, aber freundlicher Bursche, seufzt, als er via Facebook-Videochat zur Erklärung ansetzt: "Ich konnte es in Österreich nicht mehr ertragen“, sagt er. Da waren die Blicke der Leute auf der Straße, die ihm das Gefühl gaben, er sei ein islamistischer Terrorist. Da waren radikale Muslime unter den Flüchtlingen, die ihn, einen bekennenden Atheisten, zum Beten aufforderten. Seine Tätowierungen, die sich vom Handansatz bis zur Schulter ziehen, müsse er entfernen lassen, sagten die strenggläubigen Männer im Flüchtlingsheim in Dornbirn, Vorarlberg. Und dann war da noch seine Mutter, die er in Syrien zurückgelassen hatte. Ihr wollte Haddad die beschwerliche Flucht ersparen und sie nach Österreich holen, ganz offiziell. Doch das Vorhaben scheiterte, ein Nachzug der Eltern ist bei Volljährigen wie Haddad nicht vorgesehen.

"Mein Vater ist tot, ich bin der einzige Mann in der Familie und muss mich um meine Mutter kümmern“, erzählt Haddad. In einem Vorort von Damaskus hat er ein spartanisches Apartment gemietet, in dem er mit seiner Mutter lebt. Dort ist es zumindest halbwegs sicher.

Trotzdem denkt der junge Mann nur von Tag zu Tag: "Der Krieg beeinflusst einfach alles hier in Syrien. Das Leben hat sich um 180 Grad gedreht.“ Sein Land will Haddad nicht mehr verlassen - "außer vielleicht als Tourist“.

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