Georgiens Außenminister, Mikheil Janelidze.

Georgiens Außenminister, Mikheil Janelidze.

Ausland

Janelidze über Georgien: "Wir sind ein europäisches Land"

Georgiens Außenminister Mikheil Janelidze über die Annäherung an die EU, Visaliberalisierung und die Brückenfunktion seines Landes nach Asien.

profil: In vielen europäischen Ländern gibt es Bestrebungen, aus der EU auszutreten - Georgien will Mitglied werden: Warum eigentlich?
Mikheil Janelidze: Georgien hat seine Wahl getroffen, als es seine Unabhängigkeit vor 25 Jahren wiedererlangte. Seither haben wir für dieses Ziel viele Reformen unternommen. Georgien gehört zu Europa, und wir wollen so schnell wie möglich ein Vollmitglied der EU und auch der NATO werden. Wir sind ein europäisches Land am östlichen Rand Europas, das auch eine Brücke zu Asien darstellt. Wir stellen die Belieferung der EU mit Erdgas aus Aserbaidschan sicher. Mit der Wiederbelebung der Seidenstraße - durch einen neuen Hafen am Schwarzen Meer und eine Bahnverbindung - soll auch der Handel zwischen Europa und Asien intensiviert werden.

profil: Georgien hofft auf die Visaliberalisierung im Herbst. In einigen Ländern wie Deutschland gab es Warnungen vor einem Zustrom georgischer Krimineller.
Janelidize: Georgien hat dazu alle Auflagen der EU-Kommission erfüllt. Es gibt also keine Risiken von Druck durch Migration oder organisiertem Verbrechen. Georgien zählt heute zu den sichersten Staaten der Welt.


Mit Russland führen wir offizielle und informelle Gespräche, etwa über Handel, Verkehr und Kontakte zwischen Bürgern.

profil: Ein Problem stellt noch immer die Korruption dar.
Janelidze: Laut EU-Kommissar Johannes Hahn ist Georgien bei der Bekämpfung der Korruption erfolgreicher als sogar manche EU-Staaten. Heute gehören wir zu den am wenigsten korrupten Ländern der Welt und haben das sowjetische Erbe weitgehend überwunden.

profil: Wie bewerten Sie die Beziehungen zu Russland, mit dem Georgien 2008 einen militärischen Konflikt ausgetragen hat?
Janelidze: Georgiens territoriale Integrität ist weltweit anerkannt, mit Ausnahme der russischen Föderation und einiger Länder. Wir wollen die volle Souveränität über die besetzten Landesteile nur über friedliche Methoden erreichen. Mit Russland führen wir offizielle und informelle Gespräche, etwa über Handel, Verkehr und Kontakte zwischen Bürgern. Wir wollen Spannungen abbauen.

profil: Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili ist jetzt Gouverneur in Odessa und wird von der georgischen Justiz gesucht. Werden Sie einen Auslieferungsantrag an die Ukraine stellen?
Janelidze: Er hat sich für die ukrainische Staatsbürgerschaft entschieden. Sonst bleiben die Vorkehrungen unserer Justizbehörden aufrecht.

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