Skurriles aus dem Gender Gap Report
Ausland

Skurriles aus dem Gender Gap Report

Österreich ist bei der Gleichstellung der Geschlechter wieder einmal abgerutscht, und zwar von Rang 37 auf Rang 52.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat den Global Gender Gap Report 2016 veröffentlicht. Er beinhaltet teils skurrile Resultate.

Warum liegt Österreich bei der Einkommensgleichheit hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten, Swasiland und dem Tschad?

Rang 100 unter 135 Staaten ist ein vernichtendes Ergebnis. Doch diese Wertung ist amtlich - und eigentlich nicht mal überraschend: Im vergangenen Jahr lag Österreich bei der Einkommensgleichheit sogar auf Platz 104.

Zum Vergleich: Die Vereinigten Arabischen Emirate belegen dieses Jahr Platz acht, Swasiland Platz 63, der Tschad Platz 89. Doch man könnte auch das Positive sehen: Frankreich, immerhin ein Land mit einer höchst aktiven Frauenministerin und Gleichstellungsgesetzen, die sich sehen lassen können, liegt auf dem 134. und damit vorletzten Rang, nur noch vor Angola .

Wie kommen diese absurden Ergebnisse zustande? Sie sind nicht etwa das Resultat von Erhebungen tatsächlicher Einkommen von Männern und Frauen mit ähnlichen Jobs, sondern sie basieren ausschließlich auf Befragungen. Und offenbar waren die Befragten im Tschad und anderswo der Meinung, die Einkommensgleichheit sei in ihrem Land zufriedenstellender, als dies die Befragten in Österreich einschätzten - was immer das aussagen soll.

Warum liegt Österreich bei der "Politischen Beteiligung“ hinter Kuba?

Auch in der Unterkategorie "Political Empowerment“ grundelt Österreich auf Rang 41. Kuba hingegen nimmt den stolzen 12. Rang ein. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Hälfte der Abgeordneten des kubanischen Parlaments Frauen sind, in Österreich hingegen gerade einmal 30 Prozent. Dass eine hohe Frauenquote in einem kommunistischen Einparteiensystem leichter durchzusetzen ist als in einer Mehrparteiendemokratie, leuchtet ein. Das kubanische Parlament ist jedoch weitgehend bedeutungslos, tritt nur zwei Mal im Jahr zusammen und trifft Entscheidungen traditionell ohne Gegenstimmen.

Warum liegt Österreich im Gesamtranking hinter Burundi?

Das ostafrikanische Land hat nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges eine fortschrittliche Verfassung, die Geschlechtergerechtigkeit festschreibt - vor allem, was die politische Vertretung betrifft. Außerdem sind die meisten Frauen in Burundi berufstätig, und es besteht - laut Umfragen - kein großer Unterschied in der Bezahlung. Dass Frauen de facto kein Erbrecht haben, Vergewaltigungen fast nie strafrechtlich verfolgt werden und häusliche Gewalt weit verbreitet ist, schlägt sich im Gender Gap Report nicht nieder.

Warum ist Österreich in diesem Jahr gleich um 15 Plätze abgerutscht?

Das Ergebnis erscheint dramatisch, doch tatsächlich hat sich in der Realität nichts geändert. Die Experten des Global Gender Gap Report hatten bislang beim Vergleich der geschätzten Einkommen von Frauen und Männern (eine eigene Wertung neben der Umfrage bezüglich Einkommensgleichheit) eine Deckelung von 40.000 Dollar festgesetzt. Diesmal wurden jedoch Einkommen bis 75.000 Dollar in die Wertung genommen.

Das erhöhte die statistische Differenz zwischen den Einkommen von Frauen und Männern in Österreich, und das Land plumpste in dieser Kategorie von Platz 27 auf Platz 95 (und insgesamt deshalb von 37 auf 52). Den USA erging es ähnlich: Sie stürzten - ausschließlich aus Gründen der Berechnungsmethode - in dieser Kategorie von Platz 1 auf Platz 50 ab.

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  • Mi, 02. Nov. 2016 05:51

    Warum schicken wir nicht endlich per Wahl die einstigen Großparteien endgültig zum Teufel?
    Warum sind doch leider ca. 60% der Österreicher so naiv?

    Warum, warum?

    Warum's gibt es zu viele in Österreich!
    Warum sollten wir dann einer guten Zukunft entgegen sehen dürfen!

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    • Reinhold Sulz (ProfAlois) Do, 03. Nov. 2016 22:12

      Weil die Großparteien, und hier vor allem die ÖVP, die Knochenarbeit in Sachen parlamentarischer Arbeit machen. Das ist kompromissbeladen, wenig aufregend und sicher nicht sexy. Aber es ist die Grundleistung demokratischer Politik. Auch wenn die Medien heute ihre Aufgabe darin sehen, Fehler zu erkennen in einem System, das maximalen Wohlstand geschaffen hat.

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    • Di, 08. Nov. 2016 21:05

      .... das maximalen Wohlstand geschaffen hat.

      Doch zu welchen Preis?
      Die Qualität der natürlichen Umwelt nimmt ständig ab wobei die Verschuldung nie gekannte Höhen erreicht so das selbst künftigen Generationen einer fairen Zukunft beraubt sind!
      Dafür macht eine einstige Großpartei die ÖVP Knochenarbeit in Sachen parlamentarische Arbeit dass für Wenige weiterhin maximaler Wohlstand geschaffen wird!

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