Das Goldene-Visa-Programm
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Das Goldene-Visa-Programm

In Griechenland soll der Verkauf von Visa helfen, die maroden Staatskassen zu füllen. Die Zahl der Bewerber ist sprunghaft gestiegen.

Der Name des Projekts klingt nach Fernost-Klimbim: "das Goldene-Visa-Programm“. Die Idee: Jeder Nicht-Europäer, der eine Immobilie kauft, bekommt eine Aufenthaltserlaubnis - und damit ein Visum für den Schengenraum. Vor allem reiche Russen und Chinesen schlagen hier gerne zu, aber auch immer mehr Geschäftsleute aus dem Nahen Osten.

Entsprechend viele dieser Programme sind in den vergangenen Jahren in der EU aus dem Boden gesprossen: Ungarn, Spanien, Portugal, Cypern, Malta, Lettland und sogar Großbritannien. Bisher war das griechische Programm noch europäisches Schlusslicht: Zwischen Sommer 2013 und Herbst 2015 wurden gerade einmal 983 "Goldene Visa“ ausgestellt, also rund 450 im Jahr. Lettland meldete innerhalb von fünf Jahren 13.518 erkaufter Aufenthaltserlaubnisse.

Das scheint sich nun zu ändern. "Seit dem vergangenen Jahr haben wir einen Anstieg von rund 60 Prozent im Residenzprogramm gesehen“, sagt Eleni Boubou, Leiterin der Kommunikationsabteilung der staatlichen Agentur Enterprise Greece, die das Goldene-Visa-Programm auf Englisch, Chinesisch, Russisch und Arabisch bewirbt. Bis Ende Mai haben die griechischen Behörden 1216 Aufenthaltserlaubnisse für einen Immobilienkauf erstellt.


Für reiche Menschen gibt es keine Flüchtlingskrise

Käufer aus China führen die staatliche Statistik mit 463 Personen an, danach folgen Russland (357), Ägypten (64) und der Libanon (55). "Zuletzt hatte ich drei Familien aus dem Irak, die sich Wohnungen in den nördlichen Athener Vororten gekauft haben“, sagte eine Maklerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie berichtet, dass sich immer mehr Menschen aus Kriegsgebieten um "Goldene Visa“ aus Griechenland bewerben. Vor allem im Libanon befinden sich viele Flüchtlinge - nicht alle davon sind arm. Dass es vermehrt Interesse aus dem Mittleren Osten gibt, bestätigt auch das griechische Koordinierungsbüro für Flüchtlinge. "Für reiche Menschen gibt es keine Flüchtlingskrise“, sagt der Regierungsbeauftrage Giorgos Kyritsis.

Ob der Aufschwung dauerhaft bleibt, ist durchaus fraglich. In der Praxis erstickt das Goldene-Visa-Programm in der Bürokratie, kritisieren griechische Medien und Sozialforscher. Über 15 Dokumente muss ein Käufer vorweisen - ein Aufwand, der mehr als drei Monate in Anspruch nehmen kann.

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