Wir Antiamerikaner
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Warum Österreich und Deutschland so vehement gegen das Freihandelsabkommen TTIP sind.

Die Feinde des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP können sich freuen: Alle Umfragen zeigen, dass ihre Propaganda Früchte trägt. Die Unterstützung für das Abkommen wird geringer, die Gegnerschaft wächst. Trotzdem findet noch immer eine Mehrheit der Europäer Gefallen an dem in Verhandlung befindlichen US-europäischen Handelspakt. Nach der jüngsten Erhebung von Eurostat ist die TTIP-Zustimmung der EU-Bevölkerung 2015 von 56 auf 53 Prozent gefallen. Die Ablehnung konzentriert sich aber vor allem auf zwei Länder: Österreich (70 Prozent) und Deutschland (59 Prozent).

Warum ist der Widerstand gegen TTIP hier um so viel stärker als anderswo? Gehören diese zwei Länder etwa zu den potenziellen Verlierern des Abkommens?


Österreicher und Deutsche würden im Vergleich zu anderen EU-Ländern besonders stark profitieren.

Mitnichten. Österreicher und Deutsche würden im Vergleich zu anderen EU-Ländern besonders stark profitieren, ergibt eine Studie des renommierten niederländischen Wirtschaftsinstituts Ecorys.

Demnach würde TTIP das Wachstum in Europa jährlich um 0,3 Prozent steigern, in Deutschland jedoch um 0,6 und in Österreich sogar um 0,9 Prozent. Wie man sieht, hätten die Länder der TTIP-Skeptiker keine besonderen Nachteile zu erwarten - im Gegenteil. Haben die Deutschen und Österreicher vielleicht so viel mehr Durchblick als etwa die Franzosen, Engländer, Belgier oder Spanier? Sehen sie die vermeintlichen Gefahren - für Demokratie, Soziales, Ernährung und Umwelt - einfach klarer als die anderen? Wohl nicht.


Es sieht ganz so aus, als ob der breite Widerstand gegen TTIP in diesen Ländern nicht nur, aber auch auf tief sitzende antiamerikanische Ressentiments zurückzuführen ist.

Was macht sie also zu so vehementen TTIP-Gegnern? Dahinter stecken offenbar tiefere Gründe. Eine jüngst veröffentlichte internationale Gallup-Studie zum Image der US-Politik in der Welt lieferte erhellende Ergebnisse. Gefragt wurde nach der Meinung zur aktuellen Regierungspolitik der Vereinigten Staaten. Während im Durchschnitt nur 35 Prozent der Europäer eine negative Einschätzung dazu haben, sind es in Österreich sage und schreibe 60 Prozent - ein absoluter Spitzenwert in der EU. In Gesamteuropa sind nur die Russen (89 Prozent) und Weißrussen (67 Prozent) noch amerikafeindlicher. Deutschland rangiert mit 47 Prozent Ablehnung gemeinsam mit Griechenland, Montenegro und Slowenien gleich dahinter.

Es sieht ganz so aus, als ob der breite Widerstand gegen TTIP in diesen Ländern nicht nur, aber auch auf tief sitzende antiamerikanische Ressentiments zurückzuführen ist. Diese mögen jenen antimodernen und antiliberalen Traditionen geschuldet sein, die in Deutschland und Österreich stark ausgeprägt sind. Aber auffällig ist auch: Sowohl die aktuelle Ablehnung der amerikanischen Politik als auch der Widerstand gegen den transatlantischen Freihandel ist just in jenen Ländern besonders stark, die im Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern besiegt -beziehungsweise befreit -wurden.

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  • Franz Kl (removebibi) Mo, 27. Jun. 2016 12:15

    Daß da eine 'Amerikafeindlichkeit' gemessen wird, wage ich vehement zu bezweifeln. Das sieht mir eher nach CIA-Untersuchung aus.
    .
    Außerdem muß schon erlaubt sein, auf d. gewaltigen Schäden hinzuweisen, die wir amerikanischer Politik "verdanken" und Schäden von Europa abzuwenden, die uns US-Politik beschert.

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  • Franz Kl (removebibi) Mo, 27. Jun. 2016 12:09

    Die Argumente der TTIP-Ablehner als 'Propaganda' oder 'Antiamerikanismus' fehlzubezeichnen finde ich unseriös.
    .
    zit: "Österreicher und Deutsche würden im Vergleich zu anderen EU-Ländern besonders stark profitieren." Diese Profil-Meinung (die wieder nicht belegt wird!) glauben wir einfach nicht schon deswegen, weil sie in d Zeitschrift steht. Wir haben nämlich auch v UK gelernt.

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  • Roman Felk (felk) So, 26. Jun. 2016 00:12

    die Industrie soll sich ihre Standards gerne mit den USA ausmachen, auch die Zulassung medizinischer Produkte, die drüben strenger ist, kann man vereinheitlichen.

    Aber 'Finger weg' von allem was Umwelt-, Sozial- und arbeitsmarktrechtliche,... Standards sowie den Sektor "Ernährung" betrifft.

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