#brodnig: Liebe deine Feinde!
Gesellschaft

#brodnig: Liebe deine Feinde!

Zwei Beispiele, wie Humor und Gelassenheit online Wirkung zeigen können.

Es gibt sie: Perfekte Antworten auf unfreundliche Wortmeldungen im Netz. Wird man online angefeindet, ist zurückzuschimpfen naheliegend. Wut ist leider ansteckend. Ich finde es aber umso beeindruckender, wenn Menschen auf harte Postings gelassen reagieren.

Das schafft zum Beispiel J. K. Rowling, Autorin der "Harry Potter"-Reihe. Als im Jahr 2015 die Flüchtlingsdebatte hochkochte, schrieb sie auf Twitter: "Wenn du dir nicht vorstellen kannst, so jemand in einem dieser Boote zu sein, fehlt dir etwas. Die sterben für ein lebenswertes Leben #refugeeswelcome." Woraufhin ihr ein Engländer ausrichtete: "Sagt die Millionärin in ihrer Villa mit ihrem goldenen iPhone." Rowling blieb cool und antwortete: "Ich würde ja eine längere Antwort schreiben, aber diese Diamanten-Knöpfe tun meinen Fingern wirklich weh." 40.000 Mal wurde ihr kecker Kommentar geretweetet.

Humor wirkt in harten Schlagabtäuschen entwaffnend. Größten Respekt habe ich aber auch vor Menschen, die auf Unfreundlichkeiten mit Empathie reagieren: Die amerikanische Komödiantin Sarah Silverman wurde neulich von einem Twitter-User als "Cunt" beschimpft.


Freundlichkeit kann ansteckend sein.

Statt wütend zu werden oder den Provokateur zu ignorieren, sah sie sich seinen Account an und erkannte, dass dieser Mann ein ziemlich trauriges Leben führt. Sie schrieb ihm: "Ich glaube an dich. Ich habe deine Timeline gelesen und sehe, was du machst und dass deine Wut nur leicht verhüllter Schmerz ist. ( )." Tatsächlich ließ sich der Nutzer davon beeindrucken - er erzählte, dass er als Kind sexuell missbraucht worden sei, dass er heute immense Rückenprobleme und keine medizinische Versicherung habe. Schließlich half ihm die Komikerin sogar, medizinische Betreuung zu finden.

Natürlich ist das kein Patentrezept, wir können nicht jeden mit Offenherzigkeit umstimmen. Auch sind Frauen nicht verpflichtet, zu jenen liebenswürdig zu sein, die sie übelst beschimpfen. Aber ich finde es trotzdem schön, zu sehen, dass auch Freundlichkeit ansteckend sein kann.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter ingrid.brodnig@profil.at
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  • herbert herrmann
    herbert herrmann Mi, 17. Jan. 2018 11:32

    Diese Vorgangsweise ließe sich vortrefflich auf unsere Politiker übertragen... Nicht sofort die polit. anders denkenden niedermachen, ins rechte Eck stellen ect. sich vieleicht zuerst mit deren Argumenten auseinandersetzen und konstruktive Lösungsansätze aufzeigen.

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