Love me Tinder
Gesellschaft

Besser als ihr Ruf: Dating-Plattform Tinder

Love me Tinder: Warum Dating-Plattformen besser sind als ihr Ruf.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen heißen Flirt im Internet. Er oder sie sieht toll aus und schreibt Ihnen lauter nette Dinge. Nur leider finden Sie irgendwann heraus, dass die Person in Wahrheit gar nicht existiert - es handelt sich um ein Bot-Programm. So ging es Tausenden Nutzern des US-Seitensprungportals "Ashley Madison“.

Wir die Liebe berechenbar?

Als das Portal im vergangenen Jahr gehackt wurde, kam ans Licht, dass über 90 Prozent der Frauenprofile auf dem Portal gefälscht waren. Ähnliche Vorwürfe bestehen nun gegen das deutsche Dating-Portal Lovoo, wie die Computerzeitschrift "c’t“ recherchiert hat; gegen das Unternehmen laufen Betrugsermittlungen. Die Gegner der Internet-Partnersuche werden sich durch solche Enthüllungen bestätigt sehen: Dating-Plattformen, so meinen sie, degradieren Menschen zur Ware, sie machen die Liebe berechenbar. Der Marktführer Tinder etwa, der mittlerweile angeblich eine Million zahlende Nutzer hat, präsentiert mögliche Dates im Sekundentakt und suggeriert damit ein unendliches Angebot an potenziellen Partnern, auf die man jederzeit "zugreifen“ kann.

Unsympathisch wie bestechend

Das passt zum Konsumwahn unserer Zeit ebenso wie zur allgemeinen Beschleunigung der Gesellschaft. Man kann es aber auch weniger kulturkritisch sehen. Die Logik hinter Dating-Plattformen wie Tinder ist ja so unsympathisch wie bestechend: Je mehr Menschen man trifft, umso größer die statistische Chance, dass der/die "Richtige“ dabei ist. Was jedoch am Ende herauskommt, kann kein Algorithmus vorausberechnen. Jedes Date bleibt am Ende kontingent: Es kann immer anders kommen, als man denkt. Manchmal funkt es, sehr oft auch nicht. Manchmal hat man Spaß, oft ist man aber auch froh, wenn es wieder vorbei ist. Und in vielen Fällen erweist sich der vermeintliche Traumpartner als Niete. Oder eben als Bot-Programm. Wie denken Sie über Partnerplattformen? Bitte schreiben Sie mir unter thomas.vasek@profil.at

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