Margret Rumat Rumar Hassan

Olympia: Jubeln für Juba

Der jüngste Staat der Welt nimmt zum ersten Mal an den Olympischen Spielen teil. Eine 19-jährige Südsudanesin wurde schon vor der Eröffnung zum Star.

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"Manchmal wache ich in der Früh auf und es gibt Frühstück, manchmal wache ich auf und es gibt kein Frühstück“, sagt Margret Rumat Rumar Hassan in einem Video, das vom Olympischen Komitee für die Spiele in Rio auf YouTube gestellt wurde. Es sind Worte, die andere Spitzensportler so wohl noch nie in die Kamera sagen mussten. Die 19-jährige Südsudanesin wird im August die 200 und die 400 Meter laufen. Dafür trainiert sie in der Hauptstadt Juba, die Startlinien zieht sie mit einem Stock in den staubigen Boden.

Margret Rumat Rumar Hassan und der 16-jährige Guor Marial (er lebt und trainiert in den USA) sind die ersten Athleten, die für den Südsudan an Olympischen Spielen teilnehmen werden. Vor fünf Jahren spaltete sich der Süden des afrikanischen Landes nach Bürgerkriegen und Hungersnöten ab, rund um den Jahrestag vor mehr als drei Wochen eskalierte die Lage: 300 Menschen starben, weil Handlanger des Präsidenten und der Opposition aneinandergerieten. Rund 10.000 Menschen flohen aus ihren Häusern in die Berge oder in UN-Schutzzonen. Etwa 12.000 Blauhelme sind noch im Südsudan stationiert.

Euphorie erwartet

Nun sollen die Spiele das zerrissene Land vor dem Fernseher einen. Es ist eine Geschichte, die auch den milliardenschweren Sponsoren des Sportspektakels gefällt: Der südkoreanische Smartphonehersteller Samsung bewirbt seine drahtlosen Kopfhörer im Spot "The Chant“ mit der jungen Rumat Rumar Hassan und der Euphorie, die im Südsudan ihretwegen erwartet wird. Auf YouTube wurde das Video mehr als 22 Millionen Mal aufgerufen.

Und auch dem Olympischen Komitee kommt die Erzählung von der einigenden Kraft des Sports zupass. Denn die Spiele haben - fast schon traditionell - mit Korruptions- und Dopingproblemen zu kämpfen. Etliche brasilianische Sportstätten sind noch nicht fertig. Dazu kam das Drama mit den Russen: Nach einer Recherche der ARD untersuchte die Anti-Doping-Agentur Wada deren System und wies nach, dass sogar der Geheimdienst FSB mitgeholfen hatte, Tausende Tests zu manipulieren. Während der Weltleichtathletikverband Russland von Bewerben ausschloss, empfing das Olympische Komitee das Land, als wäre nichts gewesen. Den Südsudanesen kann das alles egal sein: Sportlich gelten sie eher als chancenlos, dafür dürfen sie erstmals vor den Augen der Welt ihre Flagge schwenken.