Im Test: Das Huawei Mate 10 Pro
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Im Test: Das Huawei Mate 10 Pro

Mit dem neuen KI-Smartphone schickt Huawei einen vielversprechenden Kandidaten ins Rennen gegen Apple und Samsung. profil hat das Flagschiff zwei Wochen lang getestet.

Auf Apple und Samsung ist, zumindest was das gefühlte Prestige angeht, hierzulande schwer aufzuschließen. Huawei scheint aber ebendas in letzter Zeit sehr erfolgreich zu versuchen und spätestens seit dem P9 ist die Marke mit einem Premium-Smartphone in Österreich von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen worden.

Mit dem Mate 10 Pro schicken sie nun einen Kandidaten gegen das iPhone X und Samsungs Note 8 ins Rennen. Sehen lassen kann sich das Mate 10 Pro auch im Vergleich gegen diese beiden Top-Flagschiffe allemal. Huawei ist immerhin nicht umsonst einer der größten Smartphone-Hersteller der Welt.

Äußeres und Haptik

2017 ist das Jahr der schmalen Smartphones mit Glasrückseite. Fast alle aktuellen Flaggschiffe liegen durch ihre veränderten Abmessungen trotz relativ großer Displays in den meisten Fällen sehr gut in der Hand. Das ist auch beim Huawei Mate 10 Pro nicht anders. Selten hat sich ein Smartphone so angenehm angefühlt, das bestätigen auch mehrere Personen, die es testweise in die Hand genommen haben. Dazu trägt vor allem die leicht abgerundete Rückseite und die angenehme Größe bei. Der Metallrahmen ist auf Hochglanz poliert und so kaum von der Glasrückseite zu unterscheiden.

An den Seiten befinden sich neben den Lautstärketasten auch der Einschaltknopf, der durch eine texturreiche Oberfläche auch ohne einen Blick aufs Handy leicht zu finden ist. Der Übergang vom Gehäuse zum Display fühlt sich nicht ganz so nahtlos an, wie beispielsweise beim Galaxy Note 8, das stört aber kaum.

An der Vorderseite besteht das Mate 10 fast nur aus Display, dünne Ränder sind schließlich längst zum Standard bei Hochpreisigen Smartphones geworden. Etwas störend ist allerdings das Huawei-Logo am unteren Bildschirmrand. Schade, dass trotz der Glasrückseite kein kabelloses Laden möglich ist. Dafür ist es immerhin mit einer IP67-Wertung staub- und wassergeschützt.

Display

Wie auch die Konkurrenz folgt Huawei mit dem Mate 10 Pro dem Trend längere Displays zu verwenden. Das bedeutet, dass anstelle des früher üblichen Seitenverhältnisses von 16:9 ein Bildschirm im Format 18:9 bzw. 2:1 rückt. Als Display ist ein 6 Zoll großes OLED-Panel verbaut, das sogar mit den extrem beeindruckenden Panels von Samsung mithalten kann. Es fehlt zwar ein klein wenig an Helligkeit, sonst gibt es aber so gut wie nichts zu bemängeln. Die Farben werden sehr gut dargestellt und schauen aus verschiedenen Blickwinkeln sehr gut aus. Was anfangs eher ernüchternd erscheint ist jedoch die Auflösung des Displays. Diese ist mit Full-HD, in diesem Fall also 1080 x 2160 Pixel, relativ gering. In der Praxis fällt das aber kaum auf und bringt immerhin Vorteile im Akkuverbrauch mit sich. Je weniger Pixel nämlich berechnet werden müssen, desto weniger Energie verbraucht das Smartphone. Hierbei sei erwähnt, dass Samsungs Note 8 zwar eine höhere Auflösung darstellen kann, aber ebenfalls mit Full-HD als Standardeinstellung geliefert wird.

Performance

Groß beworbenes Feature des Mate 10 Pro ist der Kirin 970. Das soll nicht nur der bisher leistungsstärkste mobile Chip von Huawei sein, sondern überhaupt der erste verbaute Smartphone-Prozessor, der mit einer eigenen Recheneinheit für künstliche Intelligenz (KI) ausgestattet ist. Bezeichnet wird dieser Teil des Chipsets als NPU, was für Neural Processing Unit steht. In der Praxis soll das bessere Akkulaufzeit oder intelligente Kameraautomatik mit sich bringen. Huawei hat außerdem angekündigt, dass die Performance des Mate 10 Pro durch den KI-Chip auch mit zunehmender Betriebsdauer auf hohem Level bleiben soll. Das klingt nach einem guten Versprechen, da sich vor allem die Software von Android-Geräte mit der Zeit immer träger anfühlt. Getestet werden konnte dieses Feature hier aufgrund des begrenzten Testzeitraums von zwei Wochen allerdings nicht.

Games wie Asphalt 8 laufen auf dem Mate 10 Pro natürlich problemlos und vor allem Social Media Apps wie Snapchat und Instagram fühlen sich blitzschnell an. Das liegt vor allem daran, dass die Kamera sehr gut auf diese Anwendungen spezialisiert zu sein scheint.

Hierbei sei erwähnt, dass beim Testgerät die mobile Version des Google Chrome Browsers hin und wieder abstürzte, sonst gab es aber keinerlei Performanceprobleme. Zukünftig ist jedenfalls mit regelmäßigen Updates zu rechnen, die solche kleineren Fehler beheben werden.
Erhältlich ist das Mate 10 Pro übrigens mit 6 GB RAM und 128 GB Speicherplatz (bzw. 4/64 GB), wobei kein Platz für eine Micro-SD Karte vorhanden ist. Der Speicher kann also nicht erweitert werden.

Software

Als Betriebssystem ist die neue Android-Version 8.0 in Kombination mit dem generalüberholten EMUI 8 vorinstalliert. Was sich allerdings kaum verändert hat ist das Design von Huaweis Skin. Die Icons wirken alles andere als modern und auch sonst sieht die Oberfläche nicht so aus, als wäre sie aus dem Jahr 2017. Man kann nur hoffen, dass Huawei das demnächst durch Updates verbessern wird. Als Alternative bleiben aber immer noch Launcher aus dem Playstore, wie etwa der Google Now Launcher oder der Nova Launcher. Bis auf die optischen Mängel ist EMUI 8 durchaus eine gelungene Adaption von Android. Viele kleine Verbesserungen, wie etwa die Möglichkeit das was auf dem Bildschirm geschieht als Video aufzuzeichnen, erleichtern den Smartphone-Alltag. Außerdem ist es möglich das Mate 10 Pro an einen Display anzuschließen und in einem Desktop Modus zu nutzen, ähnlich wie bei Samsung, nur ohne die teure Dockingstation.

Akkulaufzeit

Die Kapazität der verbauten Akkus der Mate-Serie von Huawei war immer schon beeindruckend. Auch das Mate 10 Pro wird von einem 4000 mAh Akku angetrieben, sollte also deutlich länger mit einer Akkuladung auskommen als die Konkurrenten von Apple und Samsung. Tatsächlich kann man das Handy den ganzen Tag exzessiv benutzen, ohne es vorm Schlafengehen wieder an die Steckdose anschließen zu müssen. Je nach Nutzerverhalten sollten sogar zwei ganze Tage bis zum nächsten Aufladen möglich sein. Dank Huaweis Supercharge ist es aber ohnehin möglich den Akku in 20-30 Minuten halbvoll zu laden.

Lautsprecher und Sound

Die Qualität der Lautsprecher bei Smartphones leidet aktuell immer wieder unter den wasserfesten Gehäusen. Mit wenigen Ausnahmen ist deshalb das meiste was aus den versiegelten Mini-Lautsprechern kommt eher nicht so besonders. Huawei hat beim Mate 10 immerhin versucht eine Art Stereo-Sound einzubauen. So kommen die tiefen und bassigen Frequenzen aus einem größeren Speaker an der Unterseite des Gehäuses, während der Telefonlautsprecher bzw. die Hörmuschel hohe Frequenzen wiedergibt. Ohne Frage eine gute Lösung und das Mate 10 Pro klingt damit ein Stück besser als die Konkurrenz. Wer aber wirklich gute Lautsprecher bei einem Smartphone haben will, dem bleiben aber ohnehin eher wenige Optionen. Das vor kurzem vorgestellte Razer Phone wird aber von Kritikern sehr für die verbauten Stereolautsprecher gelobt.

Klinkenstecker ist übrigens keiner mehr verbaut. Dafür können kabellose Kopfhörer via Bluetooth 4.2 verbunden werden. Mitgeliefert werden außerdem USB-C Headphones, die dafür, dass sie mehr oder weniger gratis sind, relativ gut klingen.

Kamera

Auf dem Papier kann dem in Zusammenarbeit mit Leica entstandenen Dualkamerasystem des Mate 10 Pros kaum eines der anderen aktuellen Flaggschiff-Smartphones das Wasser reichen. Mit 20 beziehungsweise 12 Megapixeln, jeweils einer Blende von f/1.6 und optischer Bildstabilisierung sind die Erwartungen daran sehr hoch. Wie vorher erwähnt, kommt hier auch Huaweis “intelligente Kamera” zum Einsatz. So sollen also Motive erkannt werden und die Kameraeinstellung dementsprechend angepasst werden. Das funktioniert tatsächlich relativ gut. Pflanzen werden etwa als solche erkannt, bei Nahrungsmitteln funktioniert es beispielsweise genauso zuverlässig. Die Fotos selbst heben sich durch ihre Qualität aber nicht von anderen High-End Smartphones hervor. Ähnlich verhält es sich auch mit den Fotos bei wenig Licht. Grundsätzlich sind die Dualkameras nämlich darauf ausgelegt besonders im Lowlight-Bereich gute Ergebnisse zu liefern. Die zweite Kamera beherbergt einen 20 Megapixel Monochrom-Sensor, der in Verbindung mit der 12 Megapixel Hauptkamera besonders scharfe und Kontrastreiche Fotos bei weniger Licht machen soll. Die Ergebnisse sind auch hier durchaus beeindruckend und deutlich besser als frühere Huawei Smartphones. Flaggschiffe von Apple, Google und Samsung sind hier aber mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser.

Besonderes Features der Kamera ist außerdem der künstliche “Bokeh-Effekt”. Dabei wird im Grunde genommen ein Foto von einem Objekt gemacht und der Hintergrund mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning unscharf gemacht. Das funktioniert ebenfalls meistens sehr gut, hin und wieder treten aber an den Rändern der Objekte, die eigentlich scharf sein sollen kleine Fehler auf, was aber genauso bei Portraitmodi und “Bokeh-Effekten” anderer Hersteller auftritt.

Fazit

Alles in allem hat sich das Mate 10 Pro die Bezeichnung als Flaggschiff redlich verdient. Mit einem Verkaufspreis von 799 Euro kann es sich als etwas günstigere Alternative zum Note 8 und iPhone X durchaus behaupten. Würde man das Design von EMUI an aktuelle Standards anpassen und die Software der Kamera verbessern, was durch zukünftige Updates zumindest möglich ist, hat das Mate 10 Pro das Potenzial zu einem Geheimtipp werden. Für alle die Akkulaufzeit der etwas besseren Kamera vorziehen ist es das aber auch jetzt schon.

Das Gerät wurde für den Testzeitraum von Huawei zur Verfügung gestellt.

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  • Rudolf Schlögel (4591) Di, 21. Nov. 2017 11:56

    Flaggschiff schreibt man mit 2 "g" und beinhaltet bereits "Top"!

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