„Management bedeutet, du bist die Mama“
Kultur

Alexa Ritter: „Management bedeutet, du bist die Mama“

Sekretärin, Homepage-Betreuerin, Chefin: Seit neun Jahren organisiert Alexa Ritter Veranstaltungen, vermittelt und managt Künstler. Einblicke in das Leben einer All-in-one-Künstleragentin.

Alexa Ritter (47) bezeichnet sich als emotionale Frau. Sie weiß „vom Gefühl her,“ was ihre Veranstalter brauchen. Ob das Publikum 30, 50 oder 70 Jahre alt ist, spielt für die Grazerin keine Rolle.: „Ich habe in all den Jahren noch nie einen falschen Künstler zu einer Veranstaltung gebracht. Das ist mein Talent.“

Im Dezember 2007 hat Ritter die Künstleragentur MusicArtsVienna in Wien-Hietzing gegründet. Einen Monat später hat sie das Festival „Hochkultur auf der Schmittenhöhe“ in Zell am See organisiert. „Hätten mich die Veranstalter gefragt, wie oft ich schon ein Event gemacht habe, hätte ich null sagen müssen.“ Ritter, die Theologie und Italienisch studiert hat, war zuvor Lehrerin an einer Schule in Schladming. Parallel zur Eröffnung ihrer Agentur hat sie den Master in Art & Economy auf der Angewandten in Wien gemacht. „Weil wir ja in Österreich sind und es immer gut ist, wenn man auch ein Studium vorweisen kann.“

Die Einzelunternehmerin vermittelt projektbezogen zirka 320 Künstler. Vorwiegend aus dem Musikbereich kommen. Old School Basterds, Elvis-Imitator Jürgen Höchtl, Michael Jackson Showtanzgruppe. Im Management betreut sie die Musikergruppen Lady Sunshine and Mr. Moon und Safer Six. „Management bedeutet, du bist die Mama,“ sagt Ritter. Fotos, Choreographie, Technik – Ritter regelt das. Konkurrenzklauseln in den Verträgen gibt es laut Ritter keine: „Wenn ein Künstler glaubt, woanders besser aufgehoben zu sein, muss er dorthin gehen.“

Alexa Ritter über ihre Arbeit als Künstlermanagerin

Seit 2012 geht es auch finanziell bergauf. Der Grund: Ritter übernimmt erstmals das Management für Musikergruppen, davor hatte sie ihre Künstler nur projektbezogen vermittelt. Sie trennt sich von ihrem Mann und führt die Agentur alleine. 2016 hat Ritter mit ihrer Künstleragentur 192.498 Euro eingenommen. Zufriedenstellend, aber die 200.000-Euro-Marke bis Jahresende reizt sie trotzdem. Wichtiger, als höhere Umsätze ist ihr die Aufstockung des Unternehmens: „Es gibt viele Künstler, die mit mir arbeiten wollen und ich sagen muss, leider bin ich noch nicht geklont.“ Zwei neue Mitarbeiter sollen die 47-Jährige ab nächstem Jahr in der Künstleragentur unterstützen.


Es ist die einzige Branche, die mit 100-prozentiger Sicherheit nie langweilig wird und kein Tag, wie der andere ist.

Die Einzelunternehmerin ist auf jeder Veranstaltung, bei der ihre Künstler auftreten, anwesend und in Griffweite. Möchte das Publikum tanzen, reicht ein Blick von Ritter zu ihren Künstlern und die Musik wechselt. „So können sich die Künstler auf sich selbst und ihren Auftritt konzentrieren. Wenn Künstler versuchen sich selbst zu organisieren, scheitert es meist daran, dass sie ihre Kreativität verlieren,“ sagt Ritter. Nur an Abenden, an denen mehrere Veranstaltungen stattfinden, lässt sie sich von Freelancern vertreten.

Ritter bezeichnet sich selbst als Bank. Ihre Künstler werden innerhalb einer Woche ausbezahlt, auch wenn sie das Geld vom Veranstalter noch nicht erhalten hat. Auftritte der zwei Musikergruppen Lady Sunshine and Mr. Moon und Safer Six kosten zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Wie viel die Künstleragentur dabei verdient, will Ritter nicht verraten. Nur so viel: Ihre Provision orientiere sich am „normalen Prozentsatz“ der österreichischen Künstleragenturen zwischen 20 und 25 Prozent.

Bis zu einem gewissen Grad nimmt Ritter auch solche Künstler in ihre Kartei auf, für deren Musik sie selbst keine hohe Affinität hat. Die Anforderungen bleiben gleich: Die Musiker müssen künstlerisch und charismatisch überzeugen, eine gute Performance ablegen und „dem Publikum eine Mittelung mitgeben“. „Wenn sie das nicht schaffen, sind sie vielleicht gute Künstler, aber dann sollen sie zu Hause für sich spielen.“

Verträge schließen, Fotos bearbeiten, die Social Media Kanäle betreuen und die Homepage pflegen – so gestaltet sich der Arbeitsalltag von Ritter. „Für gewisse Dinge bin ich auf Abruf.“ Das stört die Einzelunternehmerin nicht. Sie erfreut sich an ihrem Beruf. „Es ist die einzige Branche, die mit 100-prozentiger Sicherheit nie langweilig wird und kein Tag, wie der andere ist.“

Nächstes Jahr feiert die Künstleragentur ihr 10-jähriges Jubiläum. Eines von vielen, wenn man Ritters Worten folgt: „Die Agentur ist mein Leben und das wird sie auch weiterhin bleiben.“

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  • Mo, 02. Jan. 2017 18:38

    ich würde der all-round-mama gerne einen nicht-ganz-so-geheimen geheimtipp empfehlen: DIE HINICHEN !! und die dann als vortruppe zum GRÜNEN-bobo-wahlkampf engagieren :))

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