Theoriegeschichte August Diehl als Karl Marx (Mitte), neben ihm Stefan Konarske als Engels

Theoriegeschichte August Diehl als Karl Marx (Mitte), neben ihm Stefan Konarske als Engels

Kultur

"Der junge Karl Marx": Witz und Wut

Raoul Pecks kluger neuer Film "Der junge Karl Marx“.

Chronik einer Revolution des Denkens: Die mythischen Figuren Karl Marx und Friedrich Engels treten in diesem Film, verkörpert von August Diehl und Stefan Konarske, erstaunlich heiligenscheinfrei als twentysomethings auf. Im Pariser Exil stoßen sie aufeinander, beschließen zusammenzuarbeiten für Klassenkampf und proletarischen Umsturz. Im Votivkino feiert "Der junge Karl Marx“ am Montag dieser Woche Wien-Premiere, in Anwesenheit von Marx-Darsteller Diehl.

Vor zehn Jahren schon machte sich der aus Haiti stammende Regisseur Raoul Peck ("Lumumba“, "I Am Not Your Negro“) an die Arbeit zu "Der junge Karl Marx“, damals noch als Doku-Fiction geplant. Aber 2007 habe Marx noch ein Imageproblem gehabt, "erst im Zuge der Finanzkrise 2008, als alle wesentlichen US-Magazine plötzlich Marx am Cover hatten, wurde ein solcher Film denkbar“.

Komplizierte Freundschaft

Tatsächlich ist "Der junge Karl Marx“ ein sonderbares Unternehmen: ein Werk, das die Theorien, die Schriften, das Denken seiner Figuren merklich wichtiger nimmt als deren Gefühlsleben, ästhetisch aber konventionell, statisch bleibt. Drehbuchautor Pascal Bonitzer, als langjähriger Komplize der Regisseure Jacques Rivette, André Téchiné und Raul Ruiz einschlägig vorbelastet, fokussiert auf die komplizierte Freundschaft zwischen Engels und Marx, der späteren Verfasser des Kommunistischen Manifests (1848) - und Jenny Marx, gespielt von Vicky Krieps, taucht als kluge Mittlerin auf.

Film: "Der junge Karl Marx"

Die Modernität der Beziehungen dieses Trios sei ein Zentrum der Arbeit gewesen, sagt Peck; sie transzendiere die Strenge der Ära, die sich noch in den Kostümen widerspiegle. "Wir gingen nicht von Marx-Interpretationen aus, sondern von Primärtexten, von der Korrespondenz dieser jungen Leute.“ Nur so habe man ihnen wirklich nahe kommen können - ihrem Witz und ihrer Wut. "Sie brachen damals Tabus, indem sie Religion und Wirtschaft, sogar die großen Denker Hegel und Feuerbach kritisierten.“ Der Realist Marx habe sein intellektuelles Leben geprägt und strukturiert, gesteht Peck, insofern sei dies ein Herzensprojekt. Übrigens habe er keinen Film über die Vergangenheit gemacht, sondern einen über die Gegenwart, meint er: "Marx hat uns die Instrumente gegeben, um den Kapitalismus zu durchschauen. Nutzen wir sie.“

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