Grat in Grau
Kultur

Grat in Grau

Jenseits der Utopie: Die Kunsthalle Wien beleuchtet den Werkstoff Beton in einer sehenswerten Ausstellung.

Beton gehört zu jenen Werkstoffen, die man lieben wie verabscheuen kann, findet man ihn doch entweder in utopistischer Architektur oder aber in tristen Problemvierteln. Der Grat dazwischen ist oft schmal. Die Kunsthalle Wien beleuchtet nun beide Seiten des grauen Baumaterials in der Ausstellung mit dem schlichten Titel "Beton" (Kuratoren: Vanessa Joan Müller, Nicolaus Schafhausen; bis 16. Oktober).

So erscheinen die Fotos von Annette Kelm, die den Verfall des Ennis Hauses von Frank Lloyd Wright dokumentieren, geradezu verführerisch; ebenso Werner Feiersingers großformatige Fotografien, in denen die skulpturalen Qualitäten italienischer Nachkriegsbauten betont werden. In den Arbeiten schwingt der futoristische Charakter mit, der dem Beton innezuwohnen scheint - und der in den öden schwedischen Wohnsiedlungen in Susanne Kriemanns Fotoserie bereits verblasst ist, ebenso im neapolitanischen Wohnkomplex, der die Hauptrolle in Tobias Zielonys Fotoanimation spielt. Die Schau zählt zum Besten, das man hier seit Langem gesehen hat.

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