A-WA: Liron, Tair und Tagel (v.l.n.r.) auf der Bühne des Treibhaus in Innsbruck.

A-WA: Liron, Tair und Tagel (v.l.n.r.) auf der Bühne des Treibhaus in Innsbruck.

Kultur

Popband A-WA: „Jeder Auftritt ist wie ein erstes Date“

Sie sind die neuen Stars der israelischen Popmusik-Szene. Anfang August veröffentlichten A-WA ihr Debütalbum „Habib Galbi“. profil hat mit den drei Schwestern über Kindheitsträume, Dates und jemenitische Tradition gesprochen.

Tair, Liron und Tagel Haim sind A-WA. Vergangenen Samstag spielten sie im Innsbrucker Treibhaus.

profil: Was bedeutet „A-WA“?
Tair Haim: „A-WA“, ausgesprochen „ay-wah“, ist arabischer Slang und bedeutet so viel wie „los geht’s“. Es wird bei jemenitischen Feierlichkeiten gerufen.

profil: Wie lange macht ihr schon Musik?
Tair: Wir sind in Shaharut, einem sehr kleinen Dorf im Süden Israels aufgewachsen. Unsere Großeltern immigrierten aus dem Jemen nach Israel. Es gab nicht viele andere Kinder in unserem Ort. Daher spielten wir zusammen und machten Musik.

profil: Wie kam es zur Gründung von A-WA?
Tair: Musik zu machen ist unser Kindheitstraum. Wir erzählten unseren Freunden davon. Sie sagten nur „Träumt weiter“. Heute leben wir drei in Tel-Aviv. Dort lernten wir auch unseren Produzenten und unsere Band kennen. Die Jungs sind leidenschaftliche Musiker. Sie sind die perfekte Ergänzung für unsere Musik.

A-WA mit ihrem Hit "Habib Galbi".

profil: Ihr interpretiert traditionelle jemenitische Lieder neu. Worum geht es in diesen Liedern?
Liron Haim: Wir singen die Lieder der jüdisch-jemenitischen Frauen. Sie konnten weder lesen noch schreiben und durften mit ihren Männern nicht über ihre Probleme sprechen. Deswegen sangen sie Lieder. Es geht um Liebe, frühe Heirat und versprochene Ehen.

profil: Wie wurden diese Lieder überliefert?
Tair: Die Lieder wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Dadurch veränderten sie sich im Laufe der Zeit. Wir setzen die Tradition fort, damit diese Lieder auch im Jahr 2016 noch relevant sind. Das Material, mit dem wir arbeiten, ist sehr flexibel.


Musik ist eine universelle Sprache.

profil: Ihr geltet als neue Stars des Weltmusikpop. Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?
Tagel Haim: Jemenitischer Elektro-Hip-Hop. Aber wir werden nicht gerne in Schubladen gesteckt.

profil: Was ist euer Ziel?
Liron: Wir sind sehr weltoffen aufgewachsen. Genau das wollen wir vermitteln. Unsere Musik soll für jeden zugänglich sein.
Tair: Unsere Lieder sind grenzübergreifend und vorurteilslos. Wir wollen Brücken zwischen Kulturen und Geschlechtern bauen.
Tagel: Musik ist eine universelle Sprache. Bei unseren Konzerten wollen wir einen Raum schaffen, in dem sich jeder in seiner eigenen Haut wohl fühlt.

Das israelische Trio A-WA bei ihrem Auftritt im Treibhaus in Innsbruck.

profil: Wie würdet ihr euer Publikum beschreiben?
Tair: Unser Publikum ist sehr verschieden, weil auch wir unterschiedliche Identitäten haben.
Liron: Wir sind Israelis, Frauen, Juden, Musiker, Schwestern, Jemeniten. Vielseitig eben. Genau so ist unser Publikum.

profil: Wie bereitet ihr euch auf einen Auftritt vor?
Liron: Jeder Auftritt ist wie ein erstes Date. Wir kennen das Publikum nicht und umgekehrt. Darauf kann man sich nicht vorbereiten.
Tair: Unsere Musik ist sehr ehrlich. Wir verstellen uns nicht und wollen einfach Spaß haben. Heute Abend hatten wir eine tolle Zeit auf der Bühne. Wir wollen ein zweites Date!

profil: Was sind eure Pläne für die Zukunft?
Tair: Wir haben zwar gerade erst unser Debütalbum veröffentlicht, arbeiten aber schon an unserem zweiten. Außerdem stehen Kooperationen mit anderen Musikern, aber auch Designern und Fotografen an.
Tagel: Wir machen einfach weiterhin unser Ding und haben Spaß dabei.

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