David "Dave" Jolicoeur von De La Soul

David "Dave" Jolicoeur von De La Soul

Kultur

"Was wäre, wenn Trump Präsident würde?"

David "Dave" Jolicoeur vom Hip-Hop-Trio De La Soul im Interview.

INTERVIEW: FLORIAN WÖRGÖTTER

profil: Ihr neues Album wurde von Fans mit 600.000 US-Dollar über die Online-Plattform Kickstarter finanziert. Kriegen De La Soul keinen anständigen Plattendeal mehr?
Dave: Wir hätten uns Labels aussuchen können, aber wollten die Kontrolle behalten. Außerdem trauen wir unseren Fans mehr als jeder Plattenfirma.

profil: Das Album schweigt über die grassierende Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Warum?
Dave: Wir diskutieren darüber im privaten Kreis, wie wir in unserem Alltag damit fertigwerden. Jemand zu sein, der jeden Tag zur Zielscheibe werden kann, ist unheimlich und frustrierend. Und wir reden in Interviews darüber.

profil: Was ist das wahre Problem?
Dave: Es geht nicht nur um weiße Cops und schwarze Kids auf der Straße. Wir müssen Lösungen finden, indem wir einen ehrlichen Blick auf Menschen werfen, die Fehler machen. Es muss unser Anliegen werden, dass lokale Politiker ebenso verantwortungsvoll handeln wie die Bürger in der Nachbarschaft und die Polizei.

profil: Reagieren Musiker öffentlich vehement genug auf diese Themen?
Dave: Die Diskussion findet statt. Unsere Generation sollte versuchen, die Politik direkt zu beeinflussen, statt Lieder darüber zu schreiben. Musik ist kein Heilmittel, aber wir können damit eine Menge Menschen erreichen. Das Ziel muss sein, auf größeren Plattformen Position zu beziehen.


Trump wäre der endgültige Beweis, dass Amerikaner Idioten sind.

profil: Der Erfolg des Rappers Kendrick Lamarr beweist, dass politischer Rap in den USA auf offene Ohren stößt.
Dave: Lamarr ist eine große, kritische Stimme für die jungen Amerikaner, aber er steht relativ allein da, deshalb sollten wir uns nicht allzu viel von ihm erwarten.

profil: Was kann der noch amtierende Präsident Barack Obama tun?
Dave: Man könnte meinen, ein schwarzer Präsident sollte fähig sein, die Probleme der schwarzen Bevölkerung der USA zu lindern. Selbst wenn er es wollte, kann er es nicht, weil ihm die machtvollen Allianzen dafür fehlen.

profil: Was wäre, wenn Donald Trump Präsident würde?
Dave: Das wäre der endgültige Beweis, dass Amerikaner Idioten sind. Natürlich müssten wir abwarten, wie er als Präsident handeln würde. Er scheint aber ohnehin kaum Chancen zu haben. Ich vertraue auf die smarte Bevölkerung Amerikas.

profil: Wie würden Sie sich an einen Trump-Wähler wenden?
Dave: Wer Trump aus Überzeugung wählt, ist zu dumm, um sich anzuhören, warum er ihn nicht wählen sollte. Viel wichtiger ist es, die Nicht-Wähler zu mobilisieren. Vielen Amerikanern ist Politik egal - oder sie wissen nicht, wie einfach es ist, sich für die Wahl zu registrieren. Diesen Leuten würde ich sagen: Geht wählen, damit wir Trump verhindern.

De La Soul
Das New Yorker Trio De La Soul erweiterte in den späten 1980er-Jahren das Farbenund Klangspektrum von Hip-Hop. Die Rap-Freigeister David "Dave" Jolicoeur, 47, Kelvin "Plug Won" Mercer, 47, und der DJ Vincent "Maseo" Mason, 46, arbeiten mit gewitzter Lyrik und musikalischer Offenheit. Ihr achtes Studioalbum "and the Anonymous Nobody" untermauert ihren eklektischen Spieltrieb, vereint Rap mit gesampeltem Rock, Klassik, Jazz, Funk, Soul, erzählt Geschichten aus dem Großstadtalltag des Big Apple.

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  • Rudi Ostertag
    Rudi Ostertag Mo, 05. Sep. 2016 19:29

    Wenn Trump der Beweis wäre, dass die Amerikaner Idioten sind, was wäre dann, wenn sie Clinton wählten? Denn Hillary ist sowohl vom Wirtschafts-, aöls auch vom Finanzkapital gesteuert, auf deutsch eine Marionette. Und über Obama, er war ein Blender, ein perfekter Illusionist und Schauspieler, das war es aber auch

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