Rainer Nikowitz: Nachhilfestunde
Meinung

Rainer Nikowitz: Nachhilfestunde

Der erste ausländische Regierungschef, der Sebastian Kurz in Wien besuchte, war Viktor Orbán. So ein Zufall.

Kurz: Viktor, alter Grenzschützer! Wie war denn die Anreise?
Orbán: Wunderbar. Mit dem Zug von Budapest nach Wien. Erste Klasse und nonstop.

Kurz: Also praktisch wie ein Flüchtling im 15er-Jahr, höhö!
Orbán: Ja. Aber leider hat bei mir am Bahnhof keiner geklatscht. Muss ich davon ausgehen, dass ich in Österreich nicht so beliebt bin wie irgendwelche Afghanen?

Kurz: Aber nein. Schau, 56 Prozent haben meine Koalition gewählt. Und solange du mit recht viel Stacheldraht arbeitest, ist ihnen der Rest ziemlich wurscht.
Orbán: Welcher Rest denn?

Kurz: Na ja, das mit der Meinungs- und Pressefreiheit und dem Soros und den ganzen Sachen.
Orbán: Ach so. Die Nebensächlichkeiten. Stört dich das eigentlich?

Kurz: Du weißt, bei den Flüchtlingen sind wir auf einer Linie. Aber in der Tiefe meines Herzens bin ich ja liberal.
Orbán: Tatsächlich? Ich muss gestehen, ich war das ja auch einmal.

Kurz: Und was ist dann passiert?
Orbán: Dann bin ich draufgekommen, dass die anderen das eiskalt ausnützen.

Kurz: Inwiefern?
Orbán: Die haben nicht gemacht, was ich wollte.

Kurz: Das gehört halt dazu zu einer Demokratie.
Orbán: Wenn du die Schwäche dieser Staatsform eh schon erkannt hast, warum verteidigst du sie dann?

Kurz: Die abzuschaffen würde in Österreich gar nicht gehen.
Orbán: Das haben die Linken in Ungarn auch geglaubt. Und außerdem: Österreich? Hallo? Bei der Geschichte? Du musst nur wollen.

Kurz: Jetzt hörst aber auf! Man kann uns nicht vergleichen, Viktor.
Orbán: Noch nicht.

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