Neue Heimat für Jungärztin Schober: Finnland.

Neue Heimat für Jungärztin Schober: Finnland.

Österreich

Ausgewandert

Eine Wiener Jungärztin erklärt, warum sie mit Mann und Kleinkindern nach Finnland ging.

Vorläufig ist es nur ein Jahr, aber vielleicht werden mehrere daraus. Die angehende Medizinerin Sarah Schober, 29, übersiedelte im Sommer mit ihrem Mann, ebenfalls Arzt in Ausbildung, und ihren beiden Kindern nach Finnland, weil sie sich dort familienfreundlichere Lebens- und Arbeitsbedingungen erwartet. Die Familie lebt in einem Holzhaus zwei Autostunden nördlich von Helsinki und ist vorerst froh, die Realität des österreichischen Gesundheitswesens hinter sich gelassen zu haben. Ab Oktober werden Schober und ihr Mann im nächstgelegenen Spital ihr klinisch-soziales Jahr absolvieren. Sie will in die psychiatrische Abteilung, er in die Gerichtsmedizin. "Wir wollen beide beruflich unser Ding durchziehen und gleichzeitig ein Familienleben“, erklärt Schober ihr Motiv, warum sie sich mit Mann und zwei Kleinkindern ins große Abenteuer stürzt.

Das österreichische Gesundheitswesen und die Arbeitsbedingungen im Spital bezeichnet sie als "abschreckend“. Neben den Rahmenbedingungen kritisiert sie auch die Ärztekammer: Als junge Frau und Mutter fühlt sie sich nicht adäquat vertreten, familienfreundliche Arbeitsmodelle würden kaum forciert. Schober hofft, dass das in Finnland anders ist. "Es soll hier sehr gut sein. Wir schauen uns das jetzt ein Jahr an und entscheiden dann, ob es uns hier besser gefällt als in Wien.

Ihre ersten Erlebnisse stimmen sie positiv: Ihr Mentor erzählte ihr, dass es nur zwei bis drei Nachtdienste pro Monat gibt. Und als die siebenjährige Tochter von der Schulkrankenschwester durchgecheckt wurde, war Schober "fasziniert“. Die Kleine wurde gefragt, ob sie ihre Zähne putzt, wann sie schlafen geht und ob die Eltern ihre Hobbys fördern. Alle Daten werden elektronisch erfasst und sind in jeder medizinischen Einrichtung des Landes abrufbar. Schobers Fazit: "Die schauen sich genau an, wie jedes Kind lebt. Und das Gespräch mit der Schulärztin kommt erst.“

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