Christian Rainer: Eine Erlösung
Österreich

Christian Rainer: Eine Erlösung

Der Rücktritt des Vizekanzlers ist keine Tragödie, sondern eine Erlösung, kein Drama, kein Schritt ins Leere oder gar ins Chaos.

Erlöst wird einerseits Reinhold Mitterlehner. Wie dringend diese Entscheidung für ihn persönlich war, wurde erst im Gestus und mit dem Inhalt seiner Abdankung deutlich. Mir ist keine Rede dieser Art in Erinnerung: mit diesem Maß an Verbitterung gegenüber dem Kosmos Politik, an Schuldzuweisung in Richtung des von ihm stets harmonisch bespielten Schallraums Journalismus, an Abrechnung mit Freund und Feind. Mitterlehner ist ein weiterer Parteiobmann, der im Zustand der Frustration geht. In den vergangenen fünf Jahrzehnten gab es – mit den Ausnahmen Vranitzky und Riegler – im bürgerlichen und im sozialdemokratischen Lager keinen, bei dem es besser geendet hätte.

Andererseits ist der Rücktritt über dieses Einzelschicksal hinaus eine Erlösung für die Republik. Ein Dead Man Walking in Koalition mit einem virilen Jungbundeskanzler ist keine Basis einer stabilen und produktiven Regierung.


Mit Kurz stünde einer der besten Politiker Europas an der Parteispitze.

Diese Analyse gilt freilich nur für den Fall, dass die Volkspartei nun das einzig rational Fassbare tut: Sie muss Sebastian Kurz zum Parteiobmann machen, wenn nötig händeringend, wenn nötig auf den Knien flehend. Und die ÖVP muss das zu dessen Bedingungen tun: weil er sonst nicht zur Verfügung steht und weil weder Kurz noch die Partei ohne diese Bedingungen eine Lebenschance hat.

Mit Kurz hingegen stünde einer der besten Politiker Europas an der Parteispitze. Und mit Kurz & Kern wären es gleich zwei von dieser Sorte. Jedenfalls bis zur nächsten Wahl, die dann nicht lange auf sich warten ließe.

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  • Brigitte Zincke (Brizin) Do., 11. Mai. 2017 12:21

    Dieses Loblied auf Kurz klingt verdächtig. Wenn dieser einer der besten Politiker Europas ist, frag ich mich, wofür wir eigentlich alle Steuern bezahlen. Aber: er wird genauso zerrissen werden zwischen den Seilen der verschiedenen Bünde und Gruppen wie alle anderen auch. Das ist ja die Ursache des Problems, dass jeder Emporkömmling es dann seinem Förderer recht machen muß.

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  • Martin Gschwandtner (Sensor) Do., 11. Mai. 2017 12:00

    Stimme mit Rainer überhaupt nicht überein. Diese Jubeltöne auf Kurz sind völlig unangebracht. Diesem fehlt noch viel an Wissen und Erfahrung, um das zu sein, was Kurz glaubt schon zu sein. Siehe ein banales Beispiel: seine Gratulation an E. Macron. Mitterlehner wusste es, dass in Österreich ein Parteiobmann der ÖVP nur ein Hampelmann sein kann, an dessen vielen Fäden gleichzeitig

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    • Martin Gschwandtner (Sensor) Do., 11. Mai. 2017 12:22

      Bünde, Gewerkschaften, Kammern, "Parteifreunde", etc., sowie Intriganten und Quertreiber ziehen.
      Ein notwendiger Befreiungsschnitt aus diesem Netz konnte dem aufrechten, aber nachgiebigen Mann unter diesen Umständen nicht gelungen. Warum hatte er sich Z.B. von Pröll den Innenminister oktroyieren lassen, statt sich selber eine besser geeignete Person auszusuchen?

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  • Leopold Schirgenhofer Do., 11. Mai. 2017 10:59

    Mit Sebastian Kurz würde also einer der besten Politiker Europas die VP übernehmen. Eine gewagte Aussage, deren Relvanz gewichtiger würde, wenn man wüsste nach welchen Kriterien diese Bewertung erstellt ist. Gleichzeitig sehe ich eine deratige Darstellung als Hypothek, bei der man sich die Frage stellen muss, ob die Demontage des potenziellen neuen VP-Obmanns schon vor seiner Wahl begonnen wird.

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  • Rudolf Schlögel (4591) Do., 11. Mai. 2017 09:30

    Rainers Kroko-Tränen vertrocknen, ehe er sie herausdrückt.
    Dass er Österreichs Parade-Studenten jetzt so hochjubelt, liegt wohl daran, dass nur die ÖVP-Bünde mit ihren Obmann-Killern den Nimbus des Ausnahmetalentes schädigen können, und auch daran, dass dadurch Strache massenhaft Stimmen verliert.

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  • Michael Reinartz (GMR1)
    Michael Reinartz (GMR1) Do., 11. Mai. 2017 09:28

    Gehe absolut konform. Unter einer Bedingung:
    Kurz erreicht vorher (!)dass alle Bünde-Obmänner aus dem VP- Vorstand in die 3.Reihe verschoben werden, die VP- Landeshauptleute bekommen bis zu einer Verwaltungsreform eine Gnadenfrist UND es wird sofort das Mehrheitswahlrecht eingeführt!
    Geschieht dies nicht, droht ein Kanzler Strache!

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  • Fritz Gurgiser (Loewe1008) Do., 11. Mai. 2017 09:19

    Es ist ein kleiner, feiner Unterschied, ob die Position eines Außenministers ausgeübt wird (da kann sehr leicht geglänzt werden) oder die Position eines VP-Obmannes ("eingebettet" in WIKA, IV, AAB, Gewerkschaften, Landeshauptleute etc., ein wie wir alle wissen, "erlauchter Freundeskreis", wenn es darauf ankommt) zu übernehmen ist.
    LG
    Fritz Gurgiser

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  • Elisabeth Wimmer (Wuzerl) Do., 11. Mai. 2017 09:06

    .....er alles hinschmeißt. Obwohl ich keine ÖVP Wählerin bin habe ich seine Arbeit immer geschätzt, vor allem seine Sachliche Art. Aber ich wünsche ihm für die Zukunft nur das Allerbeste.

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  • Elisabeth Wimmer (Wuzerl) Do., 11. Mai. 2017 09:04

    als ich gelesen habe, dass mit Kurz einer der besten Politiker Europas an der Parteispitze stehen würde, war mein erster Gedanke - sehr traurig für Europa!!
    Vielleicht tue ich ihm Unrecht kann sein, aber ich glaube wenn er den Job übernimmt wird man in FERTIG machen - ich glaube für so ein Amt ist er doch noch zu jung.
    Zu Herrn Mitterlehner wollte ich noch bemerken, dass es mir SEHR leid tut, dass

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  • Peter Langhammer (planghammer) Do., 11. Mai. 2017 01:22

    Ich verspreche dem Rainerle zu seinem Profil-Abgang einen ähnlich netten Nachruf! Ein dummer und eitler Tropf - der Rainerle!

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