Zugehört: Hier reden ganz normale Menschen
Österreich

Zugehört – Jede Stimme zählt

Hier reden ganz normale Menschen, die sonst selten zu Wort kommen. Eine Serie zur Nationalratswahl. Diesmal mit Maturant Philipp Stolzlechner.

PHILIPP STOLZLECHNER, 21

Ich bin in eine katholische Privatschule im 8. Bezirk in Wien gegangen und war auch in einem katholischen Kindergarten. Gläubig bin ich aber nicht. Nach vier Jahren Gymnasium bin ich dann auf die Gartenbauschule gewechselt. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Dort sind die etwas konservativen Bauern auf die offeneren und verrückten Stadtmenschen getroffen - eine gute Mischung.

Früher habe ich mit meinen Eltern oft über Politik gesprochen. Es war eine sachliche und reflektierte Diskussion. Gesudert wurde nur über die Lohnnebenkosten. Meine Eltern betreiben ein vegetarisches Restaurant und arbeiten viel. Studiert haben beide nicht. Ich bin rot-schwarz sozialisiert worden. Meine Eltern sind Wechselwähler. Sie haben sich vor jeder Wahl die Argumente angehört und dann abgewogen. Manchmal würde ich gerne mehr Konsens zwischen uns schaffen. Manchmal sind mir ihre Ansichten aber auch zu extrem. Bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht hat mein Vater Geld in die Hand genommen, um dagegen zu mobilisieren. Er hat alle Bekannten angerufen und gemeint: "Lasst meinen Sohn mit dem Unsinn in Ruhe.“


Mit meinen Freunden spreche ich oft über Politik. Es stört mich, wenn sie keine Meinung haben und Diskussionen abbrechen, aus Angst, falschzuliegen.

Mit meinen Freunden spreche ich oft über Politik. Es stört mich, wenn sie keine Meinung haben und Diskussionen abbrechen, aus Angst, falschzuliegen.

Einer meiner Freunde fühlt sich immer noch als Pole, obwohl er seit seinem ersten Lebensjahr in Österreich ist. Warum können wir nicht einfach sagen, wir sind beide Europäer? Vielleicht liegt es an einer Idealisierung des Heimatlands. Ich wünsche ihm viel Spaß, wenn er als Schwuler nach Polen zurückgeht. Heimat ist für mich, wenn ich das Gefühl habe, hier nicht allein zu sein. Gebt mir eine gute Skype-Verbindung und billige Reisemöglichkeiten, und ich bin sicher auch woanders schnell heimisch.


Wer Asyl braucht, soll es kriegen. Wer kein Asyl bekommt, soll zumindest einen fairen Prozess erhalten. Wir sind es uns als Europäer schuldig, dass wir Menschen nicht wie Dreck behandeln.

Ich finde nicht, dass zu viele Migranten hier sind. Wir sollten aber auch keine Werbung machen, dass es bei uns so toll ist. Wer Asyl braucht, soll es kriegen. Wer kein Asyl bekommt, soll zumindest einen fairen Prozess erhalten. Wir sind es uns als Europäer schuldig, dass wir Menschen nicht wie Dreck behandeln. Ich hoffe insgeheim, dass weniger kommen, damit diese Diskussion nicht wieder aufflammt.

Ich wünsche mir ein Ende von Rot-Schwarz, weil nichts mehr weitergeht. Ich fühle mich von keiner Partei repräsentiert, am ehesten noch von der SPÖ. Aber auf SPÖ-Veranstaltungen habe ich immer das Gefühl, so muss der Ostblock gewesen sein. Alles ist alt und leicht heruntergekommen. Ich verstehe als Schwuler nicht, wie jemand eine Partei wählen kann, die gegen die Ehe für alle ist. Viele Homosexuelle tendieren nach rechts, weil sie Angst vor der "Überfremdung“ haben, Angst davor, selbst noch mehr diskriminiert zu werden. Ich wähle aus Hoffnung, dass es besser wird.

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  • Rudolf Schlögel (4591) Mi, 02. Aug. 2017 11:14

    Was druckt Profil ab?
    Dieser "Bericht" ist ganz typisch für dieses "Blattl"!

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    • Renate Rose (Rrenate) Mi, 02. Aug. 2017 12:08

      Wo ist ihr Problem? Sind Sie homophob oder unfähig eine sinnvollen Kommentar zu schreiben? Vermutlich beides! Trauriges Österreich! Ich findes es wichtig, dass in Zeiten, in denen sich so viele von einem reaktionären jungen Bürscherl blenden lassen, Menschen zu Wort kommen die von dieser Partei noch immer als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Bin übrigens 67 u. nicht lesbisch!

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    • Rudolf Schlögel (4591) Mi, 02. Aug. 2017 16:01

      Frau Rose, mit 67 sind Sie eine "alte Greisin"?
      Das, was unter Anführungszeichen steht, nennt man Pleonasmus - ebenso "junges Bürscherl".
      Wenn Sie darunter den österreichischen Außenminister meinen, ist Ihre Bezeichnung ziemlich burschikos herablassend!
      Möglicherweise wird dieses "reaktionäre junge Bürscherl" die nächste Bundesregierung leiten.
      DIE Kommentar von Ihnen ist "traurig"!
      Xanthippisch!

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