Fleckerlteppich
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Fleckerlteppich

Patchwork ist das Prinzip der Stunde. Zusammengestückelte Lederjacken oder Miniröcke zählen zu den coolsten Teilen der aktuellen Mode (am besten von Dsquared2 oder Derek Lam).

Die feschesten Jeans bestehen aus einem Sammelsurium an Denim-Resten. Die wiederbelebte französische Marke Courrèges zelebriert ihr Comeback mit patchworkartigen Kleidern. Sogar Großmeister der Eleganz wie Oscar de la Renta oder Tom Ford greifen auf die Aufmotztechnik nähbegabter Sparmeister zurück und zeigen Cocktailkleider im Fleckerlteppich-Look. Schon 1974, zur Gründerzeit und ersten Hochblüte dieses Stils, erkannte Austro-Pop-Künstler Peter Cornelius: "Fleckerlteppich zu sein, is’ gar ka Schand, jeder von uns hat Fleckerln unterm G’wand.“ Drei Zeilen weiter singt er: "Der Fleckerlmensch hat an ganz an eig’nen Stil, wichtig ist, dass er nicht weiß, was er will.“

Damit wären wir mitten im Brexit-Thema: Ja! - Doch nicht! - Weiß nicht! So far so good, würde der geschulte Brite vielleicht jetzt sagen und sich damit trösten, dass der Begriff "Patchwork“ in den späten 1960er- und 1970er-Jahren wie ein großartiges futuristisches Versprechen klang. Ehrlicherweise muss man festhalten, dass es schlussendlich weniger die Mode als gescheiterte Eheleute waren, die patchworkmäßig über Jahrzehnte hindurch wertvolle Vorarbeit geleistet haben. Wo immer uns dieser Sommer also noch hinführen mag, privat, modisch, politisch - im Notfall ist Patchwork besser als Zerfall.

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