Hut ab!
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Hut ab!

Wann hat das eigentlich begonnen, dass man Berater in der Finanzbranche nicht mehr als diejenigen ansah, die nur das Beste für ihre Klientel wollten, sondern bloß noch als profitgeile Drückerkolonne?

Eigentlich war es ein doch recht abrupter Wahrnehmungswandel, damals vor acht, neun Jahren. Oder verklärt da die Erinnerung? Jedenfalls, Lehman Brothers sei Dank! Immer mehr Hütchenspielertricks kamen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank ans Tageslicht. Und viele Finanzprodukte wurden endlich als das entlarvt, was sie immer waren: reine Luftnummern. Gut so. Es hat schließlich seine Gründe, dass Bankberater, Finanzdienstleister und Versicherungsvertreter in jedem Berufsgruppenranking reputationsmäßig auf den hintersten Plätzen zu finden sind.

Jedoch keine Krise ohne Chance. Wenn nun strengere Richtlinien wieder für mehr Seriosität in der Branche sorgen, soll uns das nur recht sein. Vorbei die Zeiten, als die wichtigste Qualifikation für den Job ein möglichst großes Mundwerk war. Oder?

Wenn allerdings - wie unlängst aus verlässlicher Quelle gehört - ein Vertriebsmitarbeiter einer biederen heimischen Versicherung ein höheres Jahreseinkommen als deren Vorstandsvorsitzender bezieht, kann man schon ins Grübeln kommen. Sicher, der Mann ist vielleicht einfach besonders tüchtig. Oder aber er dreht so ziemlich jedem eine Polizze an, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Dann ist es wohl doch nicht so weit her mit der schönen neuen Welt.

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  • Othmar Bürger (kibitz) Fr, 09. Sep. 2016 12:34

    Im Prinzip sollte man davon ausgehen können, dass die Menschen wissen was sie tun. Jeder Österreicher war zumindest 8 Jahre in der Schule und sollte daher lesen und schreiben können.
    Außerdem gibt es ein Kosumentenschutzgesetz mit recht großzügigen Rücktrittsrechten. Dass jemand seine Produkte verkaufen will, ist nicht unehrenhaft. Dass Menschen nicht wissen, was sie tun, ist hingegen traurig.

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