Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan

Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan

Wirtschaft

Italiens Bankenkrise

Geht es nach Pier Carlo Padoan, dann waren’s die Briten.

Die Krise der italienischen Banken sei mitnichten hausgemacht, verriet Italiens Finanzminister vergangene Woche einer deutschen Boulevardzeitung. Vielmehr seien die Verwerfungen "das Ergebnis des britischen Referendums“, so Padoan, der das allem Anschein nach ernst meinte. Italiens Finanzsektor steht wieder einmal auf der Kippe - oder noch immer, je nachdem. Die Banken des Landes sollen auf uneinbringlichen Kreditforderungen in einer Größenordnung von 360 Milliarden Euro sitzen - das ist mehr als Österreichs gesamte Wirtschaftsleistung eines Jahres. Anders ausgedrückt: zwei von zehn Bankkrediten in Italien werden nicht mehr bedient, weil die Schuldner nicht mehr können (oder wollen). Und dies hat ganz gewiss nicht mit dem "Brexit“-Votum zu tun. Vor bald zwei Jahren, im Oktober 2014, hatten die Europäische Zentralbank und die Europäische Bankenaufsicht die Ergebnisse des ersten EU-weiten "Stresstests“ veröffentlicht. Unter 130 geprüften Geldhäusern waren damals 25 durchgefallen, davon gleich neun der 15 untersuchten italienischen Banken. So etwa Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS), Banca Carige, Veneto Banca und Banca Popolare (die Mailänder Bank, Austria-Mutter UniCredit bestand den Test zwar - mittlerweile ringt aber auch diese fieberhaft um zusätzliches Kapital, um den Kreditausfällen beizukommen). Ende Juli werden die Ergebnisse eines weiteren Tests erwartet. Und sie werden nur noch alarmierender sein. Schlicht deshalb, weil die gebotenen Maßnahmen bis heute unterblieben (Abschreibungen, Fusionen, Schuldenschnitte, Liquidationen).

Faule Kredite

Die Banken hätten die faulen Kredite längst ausbuchen müssen - doch das kostet Geld, das sie nicht haben. Bliebe in einigen Fällen nur die Abwicklung. Nach den geltenden europäischen Richtlinien müssten zunächst Aktionäre und Inhaber von Schuldtiteln in die Pflicht genommen werden, um die Sozialisierung von Verlusten zu begrenzen. Doch das schafft erst recht neue Probleme. Anders als etwa in Österreich haben in Italien Hunderttausende Privatkunden Bankanleihen erworben. Allein bei MPS (die älteste noch existierende Bank der Welt mit Sitz in Siena sitzt auf 47 Milliarden Euro an faulen Krediten) sollen 60.000 Sparer rund fünf Milliarden Euro in Anleihen halten. Schon den überfälligen Schuldenschnitt bei MPS würde Italiens Regierung unter Premier Matteo Renzi politisch kaum überleben, von den übrigen Banken nicht zu reden. Renzis Alternative ist eigentlich keine: Er will die strauchelnden Banken mit Steuergeldern retten - und zwar ohne vorangehende Beteiligung der Gläubiger. Also genau das, was eigentlich verhindert werden sollte. Der Internationale Währungsfonds warnt nicht ohne Grund und seit Längerem davor, dass die italienische Bankenkrise (die Finanzminister Padoan konsequent kleinredet) das Finanzsystem weltweit anstecken könnte. Was wurde eigentlich aus der italienischen Finanzaufsicht?

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