Türkei: Politische Gefahren für Aktien
Wirtschaft

Türkei: Politische Gefahren für Aktien

Kommentar von Franz C. Bauer.

Ich habe vor einigen Monaten an dieser Stelle vor einem Investment an der Börse Istanbul gewarnt. Danach sind die Kurse kräftig gestiegen, worauf mir ein Leser mit verständlicher Häme eine Mail mit dem Chart des Istanbuler ISE-Index geschickt hat. In meiner Antwort habe ich die Argumentation wiederholt: Ein Staat, in dem ein Politiker demokratische Institutionen demontiert, Meinungsfreiheit brutal unterdrückt und die Religion in die Politik einschleust, birgt unwägbare politische Gefahren, die in den Aktienkursen zu berücksichtigen wären. Sind sie es nicht - wie damals im Fall Türkei -, kann das nur heißen: Hier besteht ein Risiko, das nicht durch entsprechende Chancen aufgewogen wird. Einige Stunden nach dem Putschversuch ließ Erdogan Tausende Richter und Staatsanwälte verhaften. Es ist nicht nur ein "Verdacht“, dass der Putschversuch ein willkommener Vorwand war, den längst gefassten Plan politischer Säuberungen, wie sie in jeder Diktatur üblich sind, vorzunehmen.


Kein vernünftiger Mensch investiert in solch einem Land.

Ein weiteres Faktum ist: An der Spitze des politischen Apparates in der Türkei steht ein Monomane, der so einen Putschversuch als "von Gott gesandt“ bezeichnet und der über die Todes"strafe“ nachdenkt, den gesicherten Boden der Vernunft also längst verlassen hat. Kein vernünftiger Mensch investiert in solch einem Land (oder verhandelt über einen EU-Beitritt). Die Folgen sind absehbar: Der externe Finanzierungsbedarf der Türkei beträgt jährlich rund 190 Milliarden Dollar. Diese Summe wird steigen, weil der Türkei-Tourismus zusammenbricht. Das wird die Währung weiter unter Druck setzen, was wiederum die türkischen Haushalte ins Desaster stürzt, weil diese Schulden in Höhe von rund einem Viertel des BIP als Fremdwährungskredite laufen haben. Fazit: Die Kurse an der Börse Istanbul sind zwar schon gefallen, aber die Warnung bleibt aufrecht.

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