Erste Hilfe: Was nützt wirklich bei Erkältungen?
Wissenschaft

Erste Hilfe: Was nützt wirklich bei Erkältungen?

Derzeit könnte man den Eindruck gewinnen, dass die halbe Welt von Schnupfen und Husten gequält wird. Was nützt dagegen? Das Fachmagazin "Spektrum der Wissenschaft" bewertete gängige Tipps gegen Erkältungen.

Vitamin C

Die Datenlage ist schon lange sehr eindeutig, dennoch hält sich der Mythos hartnäckig: Zusätzliche Dosen von Vitamin C, ob durch Nahrung oder Pillen, sollen vor Erkältungen schützen. Doch regelmäßig zeigen große Studien, dass die Vitaminkuren keinerlei Effekt haben, weder auf die Zahl der Infektionen noch auf die Symptome.

Wirkung: nein

Kalt duschen

Abhärtung hilft, heißt es, und so peinigen sich die Menschen mit Wechsel- oder kalten Duschen in der Früh, um ihre Abwehr zu stärken. Leider vergeblich: Vergleichsstudien über Monate hinweg wiesen keinen signifikanten Vorteil aus. Wer Wechselbäder absolviert, wird also auch nicht seltener krank - fühlt sich aber meist subjektiv besser.

Wirkung: nein

Hygiene

Regelmäßiges, sorgfältiges Händewaschen schützt vor Viren, heißt es - und das ist tatsächlich die beste Maßnahme. Ob Türschnallen, Haltegriffe in der U-Bahn, Computertastaturen oder sonstige kontaminierte Stellen: Die Übertragung findet sehr oft über die Hände statt, wohl öfter als im Wege des Hustens oder Ausatmens: Die Virenkonzentration im Speichel ist geringer als jene im Nasensekret.

Wirkung: ja

Bewegung

Der Effekt ist weniger eindeutig als gemeinhin angenommen. Sport und viel Bewegung gelten traditionell als sinnvolle Maßnahmen, um die Abwehr auf Touren zu bringen und gegen Erreger scharfzumachen. Es gibt aber auch große Studien, die keine eindeutigen Effekte fanden.

Wirkung: vielleicht

Echinacin-Präparate

Tropfen oder Drops aus der Heilpflanze Echinacea sollen vor Infektionen schützen oder Beschwerden lindern. Die Studienlage ist dünn und widersprüchlich. Wenn überhaupt, gibt es allenfalls einen leicht positiven Effekt, und zwar dann, wenn die Präparate präventiv eingenommen werden.

Wirkung: vielleicht

Stressreduktion

Die Zusammenhänge zwischen Stressbelastung und Infektionsanfälligkeit sind schwer zu messen, doch die wenigen Arbeiten zum Thema sind eindeutig: Wer chronisch unter Stress steht, wird eher krank. Viren nisten sich leichter in den Schleimhäuten ein (wo sie noch nicht zwingend Symptome auslösen) und führen auch eher zu Husten oder Schnupfen. Dauerhafter Stress lähmt quasi die Aktivität von Abwehrzellen und lässt die Entzündungswerte im Blut steigen.

Wirkung: ja

Laktobazillen

Nahrungsmittel wie Joghurt, Sauerkraut, Zwiebeln und Artischocken, welche die Ansiedlung von Laktobazillen begünstigen, dürften schützenden Einfluss haben. Denn sie zählen zu jenen Vertretern unserer Bakteriengemeinschaft, die für eine intakte Schleimhautbarriere sorgen und Viren das Eindringen erschweren.

Wirkung: ja

Sauna

Eine große Studie über mehr als zwei Jahrzehnte zeigte, dass regelmäßige Besuche der Sauna zumindest die Gefahr schwerer Atemwegserkrankungen merklich reduzieren können. Schwitzen gegen Erkältungen scheint also zu wirken.

Wirkung: ja


Zufriedenheit hält einem sogar eine Erkältung vom Leib.

Friedrich Nietzsche (1844-1900), Philosoph

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