Zensur auf Facebook?
Wissenschaft

Zensur auf Facebook?

Keiner weiß, wie FB Nachrichten auswählt.

Das Foto zeigt ein nacktes Mädchen, das schreiend vor Brandbomben davonläuft; es zählt heute zu den berühmtesten Bilddokumenten des Vietnam-Krieges. Doch als die norwegische Zeitung "Aftenposten“ das Foto des "Napalm-Mädchens“ kürzlich auf ihrer Facebook-Site teilte, löschte das Netzwerk das Bild; bei Facebook hielt man das Foto offenbar für Kinderpornografie. Der Chefredakteur der Zeitung schrieb daraufhin einen offenen Brief an Mark Zuckerberg, in dem er Facebook Machtmissbrauch vorwarf. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine seit Längerem schwelende Diskussion. Kritiker werfen FB vor, bei der Auswahl von Nachrichten nach undurchsichtigen Kriterien vorzugehen. Das ist ein ernstes Problem, weil immer mehr Nutzer ihre Informationen in erster Linie durch Facebook beziehen. Das Ranking der Nachrichten nahm lange Zeit ein Algorithmus vor, der Beiträge unter anderem nach der Zahl der Likes und den Interessen des jeweiligen Nutzers gewichtete. Das führte jedoch dazu, dass in den "Trending Topics“ oft nicht die wichtigsten News auftauchten, sondern irgendwelche Meldungen ohne Relevanz.


Facebook wird immer mehr zum größten Nachrichtenfilter der Welt.

Facebook reagierte auf die Kritik und ersetzte den Algorithmus zunächst durch eine menschliche Redaktion. Prompt folgte der Vorwurf, Facebook benachteilige bei seiner Meldungsauswahl im US-Wahlkampf systematisch die Republikaner; daraufhin feuerte Facebook die Redaktion und stellte wieder auf den Algorithmus um. Das eigentliche Problem ist damit nicht gelöst. Facebook wird immer mehr zum größten Nachrichtenfilter der Welt. Das Netzwerk kann damit Stimmungen beeinflussen und womöglich sogar Wahlen entscheiden. Deshalb ist dringend Transparenz notwendig, wie Nachrichten ausgewählt und gewichtet werden. Facebook darf nicht darüber entscheiden, was relevant ist und was nicht - und damit womöglich die Nachrichtenauswahl manipulieren, aus welchen Motiven auch immer. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir unter thomas.vasek@profil.at

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