Großbrand zerstört Treichl-Schloss

Großbrand zerstört Treichl-Schloss

Ein Großbrand zerstört den Landsitz des österreichischen Bankers Michael Treichl in Südwestengland. Die Polizei ermittelt wegen vermuteter Brandstiftung – und nimmt Treichl vorübergehend fest. Was ist da passiert?

Adelssitz, Country Club, US-Militärstützpunkt, Pflegeheim, Handwerksschule, Filmkulisse: Parnham House nahe dem Städtchen Beaminster in der südwest-englischen Grafschaft Dorset musste im Laufe seiner langen, wechselvollen Geschichte für so einiges herhalten. Erbaut Mitte des 16. Jahrhunderts, galt das denkmalgeschützte Schloss mit seinem weitläufigen Park als eines der historisch wertvollsten Bauwerke Großbritanniens. Eine Art begehbare Ansichtskarte. Bis zum Karsamstag 2017. In den frühen Morgenstunden des 15. April brach ein Brand aus, der Parnham House bis auf die steinernen Außenmauern devastierte. Ungeachtet eines massiven Feuerwehraufgebots brauchte es letztlich vier Tage, ehe die letzten Glutnester erloschen. Nur Stunden brauchte es hingegen, ehe britische Medien die Nachricht von einem „suspicious fire“ verbreiteten. Verdacht auf Brandlegung also.

Am 19. April meldete die zuständige Polizeidirektion Dorset die „Verhaftung eines der Brandstiftung verdächtigen 68-jährigen Mannes aus Beaminster, der die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützt“. Wenig später wurde der Betroffene zwar wieder auf freien Fuß gesetzt, er bleibt allerdings „under investigation“, wie die Behörde am 20. April online mitteilte. Gegenüber profil präzisiert Polizeisprecher Oliver Hughes: „Der Brand wird nach wie vor als verdächtig eingestuft. Die Ermittlungen laufen. Mehr ist zu diesem Zeitpunkt nicht zu sagen.“ Die Journalistin Rene Gerryts, die den Fall für die Lokalzeitung „Dorset Echo“ bearbeitet, spricht von „einer Menge herumschwirrender Gerüchte“: „Wir wissen nicht, auf welche Indizien die Polizei sich stützt."

Nach britischen Medienberichten handelte es sich bei dem vorübergehend Arretierten um den Eigentümer des Anwesens selbst; einen Österreicher, dessen Familienname hierzulande durchaus Klang hat: Michael „Michou“ Treichl, Sohn des 2014 verstorbenen früheren CA-Generaldirektors Heinrich Treichl, Bruder von Erste-Group-Chef Andreas Treichl.
Michael Treichl hatte Parnham House 2001 vom britischen Möbeldesigner John Makepeace erworben und aufwendig renovieren lassen, ab 2009 diente es seiner Familie als Hauptwohnsitz (zum Zeitpunkt des Brandes waren Treichl, seine Frau und die vier Kinder offenbar nicht im Haus, ebenso wenig das Personal).


Die Restaurierung von Parnham House war mein Lebenswerk, und es wäre verrückt, zu glauben, ich hätte es zerstören können

Treichl hielt sich bisher zurück. In der „Mail on Sunday“ wurde er wie folgt zitiert: „Ich bin tief bestürzt über den Verlust unseres Zuhauses. Die Restaurierung von Parnham House war mein Lebenswerk, und es wäre verrückt, zu glauben, ich hätte es zerstören können. Ich beabsichtige, es wieder aufzubauen.“ Gegenüber profil wollte Treichl sich nicht äußern.

Wer ist Michael Treichl? Geschäftlich ist Andreas Treichls älterer Bruder seit langem globalisiert. Nach seiner Promotion an der juridischen Fakultät der Universität Wien verabschiedete er sich ins Ausland, absolvierte die Kaderschmiede Harvard Business School, werkte mehrere Jahre für international tätige Investmentbanken wie Lazard Frères, Merrill Lynch und Warburg, ehe er sich als Vermögensverwalter etablierte. 1998 war er an der Gründung der in Düsseldorf und London tätigen (und mittlerweile nicht mehr operativen) Investmentgesellschaft Bessemer, Vogel & Treichl beteiligt, die sehr wohlhabenden Menschen zu noch mehr Wohlstand verhelfen sollte. „Unsere Strategie ist die Vermehrung von wirklich großen Familienvermögen. Es handelt sich um Leute, die nicht nur ihr Geld vermehren wollen, sondern auch unternehmerisches Interesse haben“, verriet Treichl dem Magazin „Format“ im Jahr 2002. Seit 2005 ist er geschäftsführender Gesellschafter des Londoner Finanzhauses Audley Capital Advisors – eine Beratungsgesellschaft, die mehreren Hedgefonds zuarbeitet.

Das Geschäft mit dem Geld anderer Leute hat auch Treichl zu einem sehr vermögenden Mann gemacht. Im Gegensatz zu seinem Bruder lebte er diesen Wohlstand in der Vergangenheit durchaus offensiv aus. Unvergessen etwa ein Interview des Autors mit Michael Treichl 1997 in einem Wiener Innenstadthotel. Er war wie selbstverständlich in einem krachroten Ferrari 355 (mit britischen Nummernschildern) vorgefahren. Zwei Jahre zuvor hatte er den Vorstand der einstigen Austria Tabak beim umstrittenen und vom Rechnungshof später scharf kritisierten Verkauf der Sportartikelgruppe HTM an den schwedisch-britischen Investor Johan Eliasch beraten. Dass Treichl kurz nach dem Deal gleichsam die Seiten wechselte und bei Eliasch andockte, trug ihm nicht wenig Kritik ein. 2008 sorgte er hierzulande wieder für Schlagzeilen, als er erfolglos versuchte, eine nennenswerte Beteiligung am damals börsennotierten Energieunternehmen Meinl International Power zu erwerben (in dessen Umfeld damals auch Karl-Heinz Grasser unterwegs war). Julius Meinl war und ist ein Freund Treichls, die beiden sind nach wie vor geschäftlich verbandelt. Treichl gehört unter anderem dem Verwaltungsrat von Meinls Immobiliengesellschaft Fulcrum Properties mit Sitz in Malta an.

2001 hatte Treichl Parnham House um kolportierte vier Millionen britische Pfund erworben, die Sanierung soll noch einmal zehn Millionen Pfund gekostet haben. Was man dafür bekommt? Ein „stattliches Eigenheim“, wie „Dorset Life“ nach einer Führung 2009 entzückt berichtete, wobei es dem Magazin vor allem der „Austrian kaggeloffen“ (gemeint war ein Kachelofen) angetan hatte.

In britischen Medien erschienen in den vergangenen Jahren immer wieder Homestorys über Treichls Habitat. Staunend erzählten Besucher von ausgesuchtem Mobiliar, Intarsien, Wandteppichen, Kronleuchtern, Gemälden – und natürlich Jagdtrophäen, so etwa ein Eisbär und eine Löwin, die Treichl niedergestreckt hatte. Der Hausherr selbst wurde zitiert mit Sätzen wie: „Wir jagen seit Generationen.“ In England habe er „alles gejagt, was fliegt, in Schottland Rotwild“. In Flammen ging unter anderem auch eine in dieser Form wohl einzigartige Sammlung antiker Waffen und Rüstungen auf, darunter eine, welche die Erste Türkenbelagerung Wiens 1529 überdauert hatte – ein Erbstück.

Dass Treichls neben einem persönlichen Butler eine Reihe von Hausangestellten beschäftigen und nach Berichten von Anrainern bisweilen auch im Helikopter ein- und ausflogen, fügt sich zwanglos in diesen way of life.

Seine Frau Emma, eine passionierte Pferdepolospielerin, berichtete britischen Journalisten, ihr Mann sei beim Anblick der Brandruine „sehr emotional“ geworden und habe „geschluchzt“. Eine Involvierung Michael Treichls ist durch nichts belegt, das polizeiliche Interesse an seiner Person sollte vorerst auch nicht überbewertet werden. Es gilt jedenfalls die Unschuldsvermutung.

Dieser Artikel stammt aus dem profil Nr. 18 vom 28.4.2017. Das aktuelle profil können Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.