Entgleist: Bizarre Affäre um Plasser & Theurer

Entgleist: Bizarre Affäre um Plasser & Theurer

Der traditionsreiche Linzer Weltkonzern Plasser & Theurer steht im Zentrum einer bizarren Affäre. Eine Gruppe privater "Ermittler“ soll einen missliebigen Konkurrenten ausspioniert haben - im Auftrag eines deutschen Plasser-Managers. Seit 2016 läuft in Österreich ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, das auch zwei Mitglieder der Unternehmerfamilie Theurer involviert.

Die Geschichte hinter der Aktenzahl 5St213/16t nimmt ihren Ausgang vor mittlerweile viereinhalb Jahren - und sie beginnt mit einem Abgang. Am 31. Dezember 2012 setzen zwei Männer einen folgenreichen Schritt. Sie kehren ihrem langjährigen Arbeitgeber, dem Linzer Industriekonzern Plasser & Theurer, den Rücken. Beide sind erfahrene Ingenieure. Bernhard Lichtberger, damals 62 Jahre alt, blickt auf insgesamt 33 Jahre im Unternehmen zurück. Zu seinem Abgang steht er bei Plasser & Theurer im Rang des Technischen Direktors. Hansjörg Hofer, damals 43, kommt auf 22 Dienstjahre, er verantwortet Ende 2012 die Leitung des Servicebereichs. Zwei wichtige Funktionen in einem international agierenden Unternehmen, das zu den besten seiner Branche zählt: Wo immer auf der Welt Eisenbahntrassen errichtet oder gestopft werden - nicht selten sind die gelben Maschinenzüge made by Plasser & Theurer unterwegs. Hinter der Plasser & Theurer Export von Bahnbaumaschinen GmbH (PT) steht damals wie heute die Unternehmerfamilie Theurer um Clanchef Josef Theurer - über Jahrzehnte kongenialer Partner des 1972 verstorbenen Franz Plasser, der mit einem Einzelunternehmen 1949 den Grundstein für ein Monument österreichischer Ingenieurskunst gelegt hatte.

An diesem 31. Dezember 2012 verliert das Unternehmen nicht einfach nur zwei verdiente Techniker. Es bekommt einen neuen Mitbewerber. Lichtberger und Hofer, gebürtiger Linzer der eine, Welser der andere, lassen sich noch Anfang 2013 in Linz mit der System 7 Railsupport GmbH nieder. Geschäftszweck: "Entwicklung und Produktion von Bahnbaumaschinen, Bahnbaugeräten und Ersatzteilen hierfür sowie die Durchführung von Servicearbeiten.“ Was die Jungunternehmer zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen: Die Betriebsgründung setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren vorläufigem Ende besagte Aktenzahl steht.

5St213/16t bezeichnet ein seit dem Vorjahr laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Krems, in das neben dem Landeskriminalamt (LKA) Niederösterreich auch das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) eingebunden ist. Es geht um vermuteten Betrug - und Wirtschaftsspionage. In den vergangenen Monaten führten Beamte des LKA und des BVT zahlreiche Einvernahmen durch und werteten komplexes Datenmaterial aus, dieser Tage wird der Staatsanwaltschaft Krems ein Abschlussbericht übermittelt.

Anklagebehörde führt derzeit 13 Beschuldigte

Nach profil-Recherchen führt die Anklagebehörde derzeit 13 Personen als Beschuldigte, von denen jedenfalls drei ganz gewiss noch nie in einer solchen Situation waren: der Industrielle Josef Theurer; sein Enkel Johannes Philipp Josef Max-Theurer, der seit einigen Jahren die PT-Geschäfte führt (er ist der Sohn von Josef Theurers Tochter Elisabeth "Sissy“ Max-Theurer, die 1980 als Dressurreiterin in Moskau Olympiasiegerin wurde); Peter Josef Flatscher, seit 1999 Geschäftsführer der Deutsche Plasser Bahnbaumaschinen GmbH mit Sitz in München. Die Deutsche Plasser ist eine Schwester des österreichischen Stammhauses - die Gesellschaften sind konzernrechtlich nicht miteinander verbunden, werden aber von der Familie Theurer kontrolliert.

Nach profil vorliegenden Ermittlungsakten steht Peter Josef Flatscher im Verdacht, die Bespitzelung von System 7 angeordnet zu haben, um an Betriebsgeheimnisse zu gelangen - mit Wissen und Billigung von Theurer senior und Johannes Max-Theurer. Die Beschuldigten bestreiten allerdings jedwede Verfehlung mit aller Vehemenz - es gilt die Unschuldsvermutung.

System 7 (S7) soll zwischen 2014 und 2015 das Ziel "verdeckter Operationen“ gewesen sein - ausgeführt von einer Gruppe privater Ermittler im Auftrag und auf Rechnung der Deutsche Plasser Bahnbaumaschinen GmbH, respektive der übergeordneten Plasser & Theurer Beteiligungs- und Finanzierungs-AG mit Sitz in Liechtenstein. Männer mit größtenteils krimineller Vergangenheit, die Bernhard Lichtberger und Hansjörg Hofer nicht bloß observierten. Sie schufen eine irre Legende, um mit S7 in Kontakt zu kommen.

Schriftsätze und Aussagen zeigen, dass die Schnüffler ab dem Jahreswechsel 2014/2015 eine ihnen nahestehende und bereits existierende A. GmbH mit Sitz in Wien als eine Art Tarnunternehmen einsetzten. Da dieses Unternehmen hauptsächlich in der Immobilienvermittlung tätig ist, wurde zunächst die Website angepasst und erweitert. Auf erste Kontakte zu S7 folgten mehrere vertrauensbildende Meetings, die geheim aufgezeichnet wurden. Im Mai 2015 hatte die A. GmbH, deren Geschäftsführer zuvor noch nie ein Gleisstopfaggregat aus der Nähe gesehen hatte, zwei Verträge zum Exklusivvertrieb von System-7-Maschinen in Südamerika und Russland in der Tasche. Und jede Menge vertraulicher Informationen dazu. Das sagt zumindest Gerold Wietrzyk, einer der Rechtsanwälte der System 7, die sich dem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren als Geschädigte angeschlossen hat.


Ich habe niemals einen Auftrag für illegale Aktivitäten beziehungsweise für die Durchführung illegaler Ermittlungs-Aktivitäten erteilt.

Wietrzyk arbeitet für die Wiener Kanzlei KWR, für welche einst auch ein gewisser Wolfgang Brandstetter tätig war, derzeit Justizminister und Vizekanzler. "Mitarbeiter der A. GmbH haben unter dem Vorwand, dass sie Interessenten aus Russland beziehungsweise Südamerika an der Hand hätten, wirtschaftliche und technische Details über von S7 vertriebene Produkte erfragt. Diese erfragten Details umfassten auch zahlreiche Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse“, schreibt Wietrzyk in einer Stellungnahme an profil. Er verweist unter anderem auf Vertraulichkeitsvereinbarungen, auf deren Grundlage diese Informationen überhaupt erst weitergegeben worden seien. "Nach nunmehrigen Erkenntnissen der S7 verfügte die A. GmbH über kein geeignetes Personal, welches technisch sehr komplexe Stopfaggregate hätte verkaufen können. Daraus ergibt sich, dass A. niemals die ernsthafte Absicht gehabt haben kann, S7-Maschinen zu verkaufen.“

Tatsächlich kam auch nie ein Geschäft zustande.

Angeheuert wurde der Geschäftsführer der A. GmbH von einem befreundeten Plasser-Ermittler - mit ihm auch ein pensionierter Werkzeugmacher und Kunststofftechniker. Er soll gegenüber S7 als "technischer Berater“ der A. GmbH aufgetreten sein - nachdem er bei der Deutschen Plasser einen Crashkurs im Gleisstopfen erhalten hatte. Beide sind nun Beschuldigte im Ermittlungsverfahren. Der Geschäftsführer erklärte in einer Einvernahme, er habe sehr wohl mit S7 ins Geschäft kommen wollen. Der Kunststofftechniker wiederum sagte aus, er habe zunächst nicht geahnt, dass "die Sache illegal“ sei. "Mir wurde das erst im Laufe der Zeit immer bewusster.“

Ermittlungen gegen Exmitarbeiter

Der Geschäftsführer der Deutsche Plasser GmbH Peter Josef Flatscher bestreitet nicht, private "Ermittlungen“ gegen S7 in Auftrag gegeben zu haben. Er bestreitet aber nachdrücklich, je strafbare Handlungen angeordnet, gebilligt oder auch nur geduldet zu haben. profil liegt unter anderem eine mit 14. Juli datierte Stellungnahme von Flatschers Wiener Anwalt Philipp Metlich an die Adresse der Staatsanwaltschaft Krems vor: "Ich habe niemals einen Auftrag für illegale Aktivitäten beziehungsweise für die Durchführung illegaler Ermittlungs-Aktivitäten erteilt, es wurde mir auch nie davon berichtet, dass für bestimmte Ermittlungsergebnisse illegale Aktivitäten hätten vorgenommen werden müssen oder vorgenommen worden wären.“


Sie haben ganz offensichtlich ihr gesamtes Unternehmenskonzept auf gestohlenen und entwendeten Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen aufgebaut.

Dass überhaupt gegen S7 "ermittelt“ wurde, erklärt der Plasser-Manager damit, dass Bernhard Lichtberger und Hansjörg Hofer sich rund um ihren Abgang bei PT "alles andere als redlich verhalten“ hätten: "Sie haben nicht einfach nur das Konkurrenzunternehmen S7 gegründet, um mit der Deutsche Plasser in Konkurrenz zu treten, sondern ganz offensichtlich ihr gesamtes Unternehmenskonzept auf gestohlenen und entwendeten Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen der österreichischen Plasser & Theurer, der Deutsche Plasser sowie der Plasser United Kingdom aufgebaut.“ Ihm, Flatscher, sei es nie darum gegangen, "Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse von S7 zu erhalten, sondern im Rahmen von legalen Ermittlungen nachweisen zu können, dass S7 Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von der Deutsche Plasser entwendet hat.“

Ein schwerer Vorwurf, der auch Gegenstand eines von Plasser & Theurer in Linz angestrengten Privatanklageverfahrens gegen die früheren Mitarbeiter ist. Im Oktober 2016 kam es gar zu Hausdurchsuchungen bei Lichtberger und Hofer, bei denen unter anderem 55.000 Dateien sichergestellt wurden. Belastendes Material, wie Flatscher vorbringt. "Haltlose Unterstellungen“, wie System-7-Anwalt Wietrzyk entgegnet. Lichtberger habe während seiner Tätigkeit für PT "mit Wissen und Zustimmung der Geschäftsführung sämtliche IT-Dateien, die er für seine Arbeit benötigte, auch auf externen portablen Datenträgern abgespeichert. Bei Ende seines Dienstverhältnisses wurde er weder aufgefordert, diese Daten zu löschen, noch sie an PT zurückzugeben.“ Jetzt unterstelle PT plötzlich, Lichtberger habe diese Daten "missbräuchlich erlangt und verwendet“. Auch die Behauptung, Hansjörg Hofer und S7 würden geheime Informationen von PT entwendet haben, sei "falsch und haltlos“, wie es Wietrzyk formuliert.

"Sicherheitsberater" diente sich als Kronzeuge an

Dass der Fall überhaupt ins Rollen kam, liegt an einem Mann, der PT nach eigener Darstellung über Jahre als "Sicherheitsberater“ diente: Sascha Wandl, 45. Dieser hatte für den Konzern zwischen 2006 und 2015 immer wieder Aufträge übernommen: "Da war alles Mögliche dabei. Patentrechtliche Fragen, Plagiate, Aufklärung von Materialschwund, Werkssicherheit, Observationen, Informationsbeschaffung.“ Dazu habe er je nach Bedarf und stets in Absprache mit Flatscher "Teams“ von zehn bis 15 Personen zusammengestellt.

Sein letzter Auftrag war System 7 - und das macht ihn nun zu einem der 13 Beschuldigten.

Anfang 2016 war Wandl, ein gebürtiger Kremser, aus eigenem Antrieb zur Polizei gegangen und hatte Anzeige erstattet. Gegen sich selbst und eine Reihe weiterer Personen. Zuvor hatte die langjährige Geschäftsbeziehung zur Deutschen Plasser ein unschönes Ende genommen. Wandl sagt heute, er habe die Zusammenarbeit wegen schleppender Zahlungseingänge um den Jahreswechsel 2015/2016 beendet. Flatscher schreibt in seiner Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft, Wandl habe gesundheitliche und psychische Probleme gehabt, bedrohliche Mengen Alkohol konsumiert und darob zunehmend unbrauchbare Arbeit abgeliefert, obendrein habe er auch noch Geld abgezweigt.

Anfang 2016 wurde Wandl von seinem ehemaligen Auftraggeber bei der Staatsanwaltschaft Krems angezeigt. Wegen Untreue in Zusammenhang mit der Abrechnung einer behaupteten Dienstreise nach Brasilien. Wandl? Informierte S7-Geschäftsführer Hofer über seine verdeckten Aktivitäten gegen das Unternehmen und zeigte sich (und andere) kurz darauf an.

Gegenüber der Polizei behauptete er, für PT eine Reihe von Aktionen orchestriert zu haben. Gegen S7, aber nicht nur. "Mein Mandant hat nach seinen Angaben im Auftrag der Firma Plasser über Jahre gegen zahlreiche Unternehmen ermittelt. Nach seinen Aussagen waren das auch die ÖBB und die Deutsche Bahn sowie Unternehmen aus den USA und aus zahlreichen europäischen Ländern wie beispielsweise die Firma Jumbotec“, sagt Wandls Anwalt Sebastian Lesigang. Wandl beantragte 2016 Kronzeugenstatus; es ist aber fraglich, ob er diesen in einem allfälligen Strafprozess auch tatsächlich bekäme.

So oder so war die Arbeit von Wandl und seiner Truppe den Auftraggebern viel Geld wert. Die Honorare bewegten sich über Jahre in einer Größenordnung zwischen 10.000 und 30.000 Euro monatlich, zuzüglich allfälliger Sonderzahlungen. Allein der S7-Einsatz soll nach den im Ermittlungsverfahren vorgelegten Rechnungen mehr als eine halbe Million Euro gekostet haben. In einem Schreiben an profil hält Flatschers Anwalt Metlich fest: "Die, Gruppe Wandl‘ hat in den Anfangsjahren Ermittlungsergebnisse geliefert. Sie hat in der Vergangenheit wiederholt markenverletzende Produktnachahmungen erfolgreich klären können. Sie hatte andere Auftraggeber wie MAN, Porr sowie namhafte Unternehmen in Deutschland. Die Honorare von Wandl waren - wäre ordnungsgemäße Arbeit geleistet worden - für ein Industrieunternehmen in dieser Größe vertretbar. Diese Gebarung erschien ordnungsgemäß. Allerdings erkannte mein Mandant zuletzt Wandls Verfall und seinen Alkoholismus, weswegen die Geschäftsbeziehung auch beendet wurde.“


Ich hatte damals den Beschuldigten Wandl dezidiert gefragt, ob so eine Protokollierung legal ist. Dies hatte er ohne Zögern umgehend bejaht.

Was Wandl und Komplizen rund um S7 geleistet haben, geht aus Flatschers Mitteilung an die Staatsanwaltschaft nicht hervor. Von der Involvierung der Wiener A. GmbH habe er jedenfalls keinerlei Kenntnis gehabt. "Ich habe den Namen A. vor den nunmehrigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Krems nicht gekannt beziehungsweise bewusst wahrgenommen. Davon, dass Vertriebsverträge zwischen S7 und A. hätten geschlossen werden sollen beziehungsweise in der Folge auch geschlossen wurden, hatte ich keine Kenntnis, geschweige denn habe ich so etwas jemals beauftragt.“

Dass Wandl ihm die Protokolle aufgezeichneter, vertraulicher Gespräche zwischen Repräsentanten der A. GmbH und Vertretern von S7 übermittelte, erklärt der deutsche Manager so: "Ich hatte damals den Beschuldigten Wandl dezidiert gefragt, ob so eine Protokollierung legal ist. Dies hatte er ohne Zögern umgehend bejaht. Noch einmal füge ich an, dass illegale Ermittlungen von mir nie beauftragt oder gutgeheißen wurden - ich wollte, dass alles, was ermittelt wird, vor Gericht standhält.“ Wandl habe ihm an Eides statt versichert, dass "alle von ihm getätigten operativen Ermittlungen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und somit gemäß geltendem Recht erfolgen. Dass dies die eidesstattliche Versicherung eines Kriminellen war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, da mir damals jegliche Anhaltspunkte dafür fehlten.“

Wandl ist ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. 2012 fasste er eine bedingte sechsmonatige Haftstrafe aus, weil er (andere) Klienten in Österreich betrogen hatte. Auch der weitaus größte Teil seines früheren "Teams“ hat Vorstrafen - Betrügereien, Einbrüche, Drogenhandel. Mehrere Mitglieder der "Gruppe Wandl“ werden auch in dem laufenden Ermittlungsverfahren als Beschuldigte geführt. "Natürlich sind das alles Kriminelle“, sagt Wandl umstandslos. "Hätte ich für meine Einsätze die Wiener Sängerknaben engagieren sollen?“ Seiner Darstellung nach kannte Flatscher die Vorgeschichte der Ermittler, bevor er sie in Bewegung setzte. Flatschers Rechtsanwalt Metlich weist das gegenüber profil auf das Schärfste zurück.

Vergangene Woche ersuchte profil Plasser & Theurer respektive die Familie Theurer über ihre Anwälte (Peter Zöchbauer und CMS Reich-Rohrwig Hainz) um Stellungnahmen. Diese betonen, dass Josef Theurer und Johannes Max-Theurer zu keinem Zeitpunkt über Art und Umfang von Wandls Leistungen für die Deutsche Plasser informiert waren. Tatsächlich geht aus den Ermittlungsakten auch nicht hervor, dass die Theurers eine aktive Rolle gespielt hätten. Es gilt, wie gesagt, die Unschuldsvermutung.

Fall hat eine bemerkenswerte familiäre Ebene

Der Fall hat - ungeachtet einer allfälligen strafrechtlichen Dimension - eine bemerkenswerte familiäre Ebene. Denn just in der System 7 Railsupport GmbH steckt auch Geld der Familie Theurer. 2015 kaufte sich der Unternehmer Hans-Jörg Holleis, ein gelernter Mediziner, zu 30 Prozent in den missliebigen Konkurrenten ein. Holleis steht zu den Theurers in einem sehr weitläufigen Verwandtschaftsverhältnis. Er ist der Urenkel von Theresia Plasser, Gattin von Michael Plasser, dem Bruder von Unternehmensgründer Franz Plasser.

Nicht nur das: Zwischen 2007 und 2013 war Holleis auch in Besitz von 20 Prozent an der Linzer Plasser & Theurer GmbH. Er hatte den Anteil vor nunmehr zehn Jahren von Emilie Janu, einer Schwester von Franz Plasser, geerbt. Holleis hatte einst ein Vertrauensverhältnis zur kinderlosen Frau Janu, der Letzten ihrer Linie. Bereits 2003 hatte sie den Arzt testamentarisch mit ihren PT-Anteilen bedacht. 2005, zwei Jahre vor ihrem Tod, adoptierte sie Holleis, 2007 gingen ihre PT-Anteile auf ihn über.

Wirklich willkommen war der neue Gesellschafter den Theurers nicht, wie das profil-Schwestermagazin "trend“ Anfang 2013 berichtete. Immer wieder kam es ab 2007 zu Differenzen rund um Gesellschafterrechte, die teils auch auf dem Rechtsweg ausgetragen wurden. Im Jahresverlauf 2013 wurde die Verbindung gelöst. Holleis verkaufte den Theurers seine 20 Prozent und bekam dafür laut "trend“ rund 100 Millionen Euro Apanage. Seither steht der Konzern, der auch heute noch den Namenszusatz Plasser trägt, im alleinigen Einflussbereich der Familie Theurer.

Im Oktober 2015 investierte Holleis schließlich ausgerechnet in die System 7 Railsupport GmbH. "Gründe für den Einstieg waren die vielversprechende Entwicklung des Unternehmens sowie die Kompetenz und Expertise von Bernhard Lichtberger und Hansjörg Hofer auf ihrem Gebiet“, wie es in einer Presseaussendung am 5. Oktober 2013 hieß.

Bei Plasser & Theurer sieht man das allem Anschein nach ein wenig anders.