FPÖ: Ikone der Rechten

Barbara Rosenkranz versteht es, FPÖ-Karriere und Toleranz für Rechtsextreme harmonisch miteinander zu verbinden. Jetzt soll sie sich im niederösterreichischen Wahlkampf bewähren.

In der Reihe der Ehrengäste erhob sich eine Gestalt, die verstohlen dem Ausgang zustrebte. Das geschah am vergangenen Dienstag im Wiener Palais Pálffy, kurz bevor der Saal verdunkelt wurde und David Irving überlebensgroß auf einer Leinwand erschien. Im Publikum wurde der Abgang von Barbara Rosenkranz verständnisvoll kommentiert. Ein Foto der stellvertretenden FPÖ-Chefin vor dem prominenten britischen Holocaust-Leugner, der in Österreich soeben eine Haftstrafe verbüßt hatte, wäre für kommende Wahlkämpfe ja wirklich nicht ratsam gewesen.

Die 49-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren den Ruf einer sachlichen Politikerin erworben. Wenn es um den Kampf gegen den Islam oder gegen Ausländer ging, unterschied sie sich freilich nur im Stil von ihren Parteifreunden. Von Rosenkranz sind keine krakeelenden Biertisch-Auftritte überliefert. Sie persönlich vermeidet auch jeden nationalsozialistischen Unterschleif. So hat sie es immer gehalten: dabei sein, ohne dafür zu haften.

Rosenkranz gilt als das höfliche Gesicht der FPÖ. Im kommenden Frühjahr soll sie als Frontfrau der Freiheitlichen in Niederösterreich die Partei vom historischen Tiefststand bei 4,5 Prozent in lichtere Höhen bringen. Ihre Spitzenkandidatur ist noch nicht offiziell beschlossen. Doch niemand zweifelt daran. Im biederen Retro-Design lächelt Rosenkranz im ganzen Land von den Plakatwänden.

Wieder daheim. Seit der Spaltung der freiheitlichen Gemeinschaft im Frühsommer 2005 treten nationale Kreise, die sich – von Kärnten einmal abgesehen – in der FPÖ wieder ganz zu Hause fühlen, sehr selbstbewusst auf. An den Rändern, wo die Grenze zu neonazistischen Gruppierungen nicht immer klar gezogen werden kann, hoffte man eine Zeit lang auf Parteichef Heinz-Christian Strache. Neuerdings zieht Barbara Rosenkranz alle Sympathien auf sich. Vom Holocaust-Leugner Gerd Honsik, der seinen Wahlaufruf für die FPÖ auf die neue Ikone der Rechten gründete, bis hin zu nationalen Akademikern wird Rosenkranz als eine Frau gefeiert, mit der Wahlen gewonnen und die Gesinnung hochgehalten werden könne. Das ergab eine Analyse rechtsextremer Publikationen, die Heribert Schiedel für sein Buch „Der rechte Rand“, erschienen in der Edition Steinbauer, anstellte.

Ein Zeichen für die neue Stärke von Rosenkranz ist die Wiedereingliederung des Ehegatten Horst Jakob in das politische Leben der FPÖ. Dessen rechtsradikale Vergangenheit und seine nie abgebrochenen Kontakte zu rechtsextremistischen Gruppierungen waren jahrzehntelang selbst unter Freiheitlichen verpönt gewesen. Nun referiert Herr Rosenkranz wieder in Parteilokalen. Die FPÖ Amstetten feiert ihn auf ihrer Homepage als „unermüdlichen Kämpfer gegen (…) die Diktaturen fremder Mächte in unserem Staat“. Barbara Rosenkranz, von profil dazu befragt, was darunter zu verstehen sei, sagt: „Das wird wohl unter dem Zeichen der Globalisierung gemeint sein. Die Diktatur der Konzerne ist ja auch wirklich ein Faktum.“

In der rechtsextremen Postille „fakten“, die der Gatte periodisch herausgibt, liest sich das, antisemitisch aufgerüstet, so: „Der alte Traum der Kosmopoliten, mithilfe des Geldes den Bibelauftrag, die ganze Welt zu beherrschen, zu verwirklichen, scheint mit dem Instrument der Globalisierung in greifbare Nähe gerückt zu sein.“

Rosenkranz reagiert unwirsch, wenn sie auf die Aktivitäten ihres Mannes angesprochen wird. „Aus Gründen der Selbstständigkeit und der Persönlichkeit einer Frau in der Politik lege ich Wert darauf, nach meinen eigenen politischen Aussagen und Handlungen beurteilt zu werden“, sagt Rosenkranz. Gerade Frauen sollten eine Frau nicht nach ihrem Mann beurteilen, eifert einer ihrer Vertrauten.

Familienheil. Rosenkranz hat sich von der geistigen Welt ihres Gatten nie distanziert. Seit Jahrzehnten sieht man die Eheleute bei Jul- und Sonnwendfeiern im rechtsextremen Milieu, friedlich vereint. Sogar ihre Kinder spielen dort mit der Geige auf.

Als Frau Rosenkranz im Herbst 1989 der FPÖ beitrat, war Herr Rosenkranz schon einschlägig bekannt. In den achtziger Jahren hatte er sich mit Norbert Burger in der NDP engagiert, die bald darauf verboten wurde. Auch die Partei „Nein zur Ausländerflut“, die er 1990 mit dem Holocaust-Leugner Gerd Honsik gründet, darf wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung nicht kandidieren. Rosenkranz verlor seinen Job als Cutter in einer dem ORF nahestehenden Filmfirma und wur-de Hausmann. Er beschränkte sich von da an auf die Herausgabe der „fakten“ und die Pflege eines einschlägigen Netzwerkes, aus dem übrigens auch der derzeitige Pressesprecher von Frau Rosenkranz stammt.

Sie könne im politischen Engagement ihres Mannes „nichts Ehrenrühriges sehen“, sagte Rosenkranz im Jahr 1993, als sie in den niederösterreichischen Landtag kam. Die Frage, ob sie seine politische Haltung teile, wollte sie „nicht pauschal beantworten“. Aber natürlich kenne sie die Schriften ihres Mannes, sie bessere seine Punkt- und Beistrichfehler aus.

Im Sommer 2000 eröffnete Frau Rosenkranz auf der Burg Kranichberg ein Treffen rechtsextremer europäischer Parteiführer mit den Worten, sie sei froh, dass es Politiker gebe, die sich „nicht dem Mainstream anschließen“. Im Juni 2002, sie war nun Nationalratsabgeordnete geworden, machte sie mit einer Sonnwendfeier im niederösterreichischen Seebarn Schlagzeilen. Der damalige Volksanwalt Ewald Stadler hatte in seiner so genannten „Feuerrede“ von der „angeblichen“ Befreiung 1945 gesprochen und Familie Rosenkranz für deren Beitrag zum „Volkserhalt“ gelobt. Gemeint waren die zehn Kinder, die unter standesgemäß germanischen Namen – Hedda, Ute, Alwine, Sonnhild, Volker, Hildrun, Mechthild, Arne, Horst und Wolf – durchs Leben gehen.

Im April 2004 verteidigte Rosenkranz den RFJ-Bundesobmann Johann Gudenus, als dieser von „systematischer Umvolkung“ sprach. Bei einer Sonnwendfeier im selben Jahr forderte sie, „die Gesetze, die in der Natur zu finden sind (…), der Gestaltung unseres Gemeinschaftslebens“ zugrunde zu legen. Demnächst wird sie in Innsbruck über die „Gefahr der Gender-Ideologie“ sprechen. Das NS-Verbotsgesetz hält sie in der derzeitigen Form für „verfassungswidrig“. Zweifel an Gaskammern gehörten zur „freien Meinungsäußerung“, hat sie einmal gesagt. Einer weiteren Karriere steht wohl nichts im Weg.

Von Christa Zöchling
Mitarbeit: Ulla Schmid