Neue Alben: The Hateful Eight, Sex Jams, Radiohead

"The Hateful Eight". Gut abgehangen.

"The Hateful Eight". Gut abgehangen.

Die Wiener Band Sex Jams feiert den Gitarrenrock, Quentin Tarantino spielt mit Ennio Morricone und Radiohead spielen den besseren Bond-Song ein. profil unerhört bespricht die wichtigsten Alben (und Songs) der Woche.

Sex Jams: Catch! (This Charming Man)

Noch verkatert, zu viele Weihnachtskekse auf den Rippen und eigentlich viel zu faul, sich wieder ins Büro zu schleppen? Wäre alles nicht so schlimm, wenn man bei all dem Advent-Überdruss auch nicht noch vergessen hätte, sich die neue Sex Jams-Platte zu besorgen. Dabei eignet sich „Catch!“, das neue, dritte Album der Wiener Noiserock-Helden außerordentlich gut, um in das neue Jahr zu starten. Krachend, besinnungslos berauschend und im wunderbar rohem Sound live eingespielt. Sex Jams wildern dabei wunderbar zwischen Pop und Punk, zwischen krachenden Gitarren und der wohlig schrillen Stimme von Katarina Trenk. Wer die müden Knochen wachschütteln will, kann das übrigens in der Arena Wien machen: am 8. Jänner wird „Catch!“ noch einmal laut vorgestellt. (8.3/10)

Sex Jams - Sweet Advice

Radiohead: Spectre (Track)

007 hätte sich gefreut. Wie jetzt bekannt wurde, wurde die britische Band Radiohead bereits 2014 beauftragt, einen Song für das aktuelle James-Bond-Abenteuer „Spectre“ zu schreiben. Dass sich die Produzenten hingegen für das weinerliche Sam-Smith-Stück „Writings On The Wall“ entschieden haben, spricht weniger für das Geheimagenenten-Franchise, dafür umso mehr für die britischen Popquerköpfe. Die Band um Thom Yorke, die ihren Beitrag zu Weihnachten gratis auf ihrer Website veröffentlicht hat, changiert auf „Spectre“ zwischen düsterer Opulenz und wütender Trauer. Ein wunderbares Stück Pop-Stoizismus. Zu groß für einen kleinen Actionfilm.

Ennio Morricone: The Hateful Eight OST (Universal)

Für Quentin Tarantino ist der Soundtrack ein Puzzlestück im großen Bild; eben genauso wichtig wie seine Figuren, wie die Dialoge und sein unermüdliche Bestreben, aus all den Kino-Zitaten etwas Neues zu schaffen. Die Musik seiner Filme hat der heute 52-jährige Kinoberserker daher stets selbst orchestriert, hat dafür Songs ausgegraben (Dick Dales „Misirlou“!) und aus Filmsoundtracks regelrechte Kassenschlager gemacht. Für den italienischen Maestro Ennio Morricone hat der Oscarpreisträger nun eine Ausnahme gemacht. Er hätte gespürt, sagte er unlängst in einem Interview, dass sein auf 70-Millimeter-Film gedrehter Winterwestern „The Hateful Eight“ (Kinostart 28. Jänner) einen richtigen Soundtrack brauche. Die Musik, die der 87-jähre Komponist nun abgeliefert hat, dürfte Tarantino durchaus gefallen. Morricones klassische, unaufgeregte Kompositionen passen perfekt zur Vintage-Verliebtheit Tarantinos. Da stört es auch nicht, dass die Stücke teilweise schon vor über 30 Jahren komponiert wurden. Klingt das verstaubt? Ein wenig. Oder einfach nur gut abgehangen. (6.8/10)

The Hateful Eight - L'Ultima Diligenza di Red Rock