Regisseur Kusej: "Wir fahren geradewegs auf die Katastrophe zu“

Regisseur Martin Kusej

Regisseur Martin Kusej

Martin Kusej rechnet mit FPÖ und SPÖ ab und hat Angst vor rechtspopulistischer Machtübernahme.

In einem Interview in der aktuellen profil-Ausgabe erklärt Martin Kusej, Regisseur und Intendant des Münchner Residenztheaters, er sei „fast paralysiert davon, wie atemberaubend schnell nationalistische, populistische und xenophobe Politik wieder zum Alltag geworden ist. Als Künstler wäre ich in Polen, Ungarn oder der Türkei schon im Gefängnis. Wir fahren geradewegs auf die Katastrophe zu.“ Sollte Norbert Hofer die kommenden Wahlen gewinnen, wäre das „der erste Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte“.

"Eine einzige echte, tiefe Angst"

Kusej, der am Burgtheater derzeit seine Adaption des Dramas „Hexenjagd“ vorbereitet, hat „eine einzige echte, tiefe Angst: wegen meiner Herkunft, meiner Religion oder meiner politischen Haltung plötzlich ins Fadenkreuz einer Politik zu geraten, die alle demokratischen Grundsätze abgeschafft hat“.

Die FPÖ sei keine Partei der Toleranz und der Liberalität. „Sie wird totalitär sein und sich an allen rächen, die vorher die Klappe aufgemacht haben.“ In dem Hofer-Wahlkampf-Slogan „So wahr mir Gott helfe“ sieht Kusej „Terror im Namen Gottes“ und „Propaganda der übelsten Sorte“. Auch die SPÖ kritisiert der Burgtheaterregisseur im profil-Interview: „Ich halte dieses defensive Taktieren und Abwarten nicht aus – gipfelnd in der Frage, ob man aus machtpolitischen Gründen eine Koalition mit der FPÖ eingehen könnte. Es müsste längst klar sein, dass diese Strategie nur zu Frustration, Depression und schließlich zum Verlust der Wähler führt.“