Ungarn und Slowakei blicken nach EM-Aus Richtung WM

Ungarn können stolz auf ihr Team sein

Ungarn können stolz auf ihr Team sein

Für Österreichs Nachbarländer Slowakei und Ungarn ist die Fußball-EM am Sonntagabend mit hohen Niederlagen zu Ende gegangen. Die slowakischen EURO-Debütanten verabschiedeten sich mit einem 0:3 gegen Weltmeister Deutschland aus Frankreich, die Ungarn mussten nach einem 0:4 gegen Geheimfavorit Belgien die Heimreise antreten. Beide Teams blickten aber hoffnungsvoll in die Zukunft.

So dachte Ungarns Trainer Bernd Storck nach dem verlorenen Achtelfinale in Toulouse bereits an die WM 2018 in Russland. "Das Team hat die Vergangenheit abgelegt", hielt der 53-jährige Deutsche in Anspielung auf die große Zeit des ungarischen Fußballs in den 1950er- und 1960er-Jahren neuerlich fest. "Wir können jetzt gut in die Zukunft schauen." Die WM-Qualifikation sei "das nächstes Ziel. Mit dieser Mannschaft kann man noch viel erreichen." In einer Gruppe mit Portugal und der Schweiz als Top-Gegner sowie den Fußball-Zwergen Färöer, Lettland und Andorra scheint das nicht unmöglich.

Die aktuellen Grenzen waren seinen Schützlingen zuvor von den Belgiern aufgezeigt worden. Die Budapester Zeitung "Pecsi Ujsag" titelte am Montag dennoch: "Es war schön, Burschen!" Und das regierungsnahe Blatt "Magyar Idök" schrieb: "Trotz der Niederlage können wir erhobenen Hauptes von der EM nach Hause kommen." Ein ungarischer Journalist war noch im Stadion in Toulouse voll des Lobes für Storck: "Er ist unser Nationalheld. Ohne ihn wären wir ein niemand."

Der deutsche Coach, der in der neuen Ära der Konzepttrainer ein wenig als Auslaufmodell wirkt, hat in der Tat Unerwartetes erreicht. Er hat mit einfachen Fußballmitteln und -weisheiten eine Ansammlung von international unbekannten Spielern zunächst zur EM und dann in Frankreich ungeschlagen in der Österreich-Gruppe F ins Achtelfinale geführt. "Es hat nicht sollen sein", beschrieb Storck das Ende des ungarischen Sommermärchens. "Mit dem 2:0 für Belgien war die Messe gelesen."

Gemeinsam mit seinen deutschen Assistenten Andreas Möller und Holger Gehrke hat Storck die auch daheim bisher eher belächelten Profis zu einer Mannschaft geformt. Individuell reicht es bei keinem für ein Engagement bei einem europäischen Topclub, nur im Kollektiv geht mehr. Dem Vergleich mit Belgiens "goldener Generation" war aber auch dieses nicht gewachsen. Dennoch dürften sich die jüngeren Spieler im Kader für neue Clubs interessant gemacht haben.

Die Slowakei verfügt dagegen über bekannte Spieler wie Marek Hamsik vom SSC Napoli oder Martin Skrtel von Liverpool, die jedoch in Lille gegen die Deutschen überhaupt kein Mittel fanden. "Jede Niederlage tut weh, aber wir sollten trotzdem das gute Gefühl mitnehmen, dass wir es hier unter die letzten 16 geschafft und gegen den Weltmeister gespielt haben", betonte der slowakische Teamchef Jan Kozak, dessen Team Deutschland in der EM-Vorbereitung in Augsburg noch 3:1 geschlagen hatte. Damals hatte der Favorit aber auf mehr als die Hälfte seiner Stammspieler verzichten müssen.

"Wir haben ihnen viel zu viel Platz gegeben. Ich denke auch, dass wir mit ein bisschen Angst gespielt haben. Sie haben so viel Qualität gezeigt, da war es schwer, irgendein Mittel dagegen zu finden", analysierte Kozak das Achtelfinal-Out. Gleichzeitig übte der 62-Jährige auch Kritik an einigen seiner Kicker, ohne Namen zu nennen. "Wenn zwei, drei Spieler nicht voll konzentriert sind und nicht die Anweisungen befolgen, dann macht es das sehr schwer."

Napoli-Star Hamsik gab seinem Trainer recht. "Wir hätten mehr für die Offensive tun müssen. Aber wir haben ein starkes Team und andere Dinge, auf die man aufbauen kann. Wir können deshalb voller Zuversicht in die Zukunft schauen." In dieser geht es in der WM-Qualifikation ab September gegen England, Schottland, Slowenien, Litauen und Malta. Am Ende soll die zweite WM-Teilnahme der Slowakei nach 2010 in Südafrika stehen, wo man im Achtelfinale dem späteren Finalisten Niederlande 1:2 unterlegen war. Ungarn war dagegen seit Mexiko 1986 (Aus nach der Gruppenphase) bei keiner WM mehr vertreten.