Von Oblak bis Reus - Team der EURO-Abwesenden hat Flair

Drei Fixstarter des aktuellen Champions-League-Siegers Real Madrid, der beste Keeper der spanischen Liga, einer der stärksten Innenverteidiger des Planeten, zwei Erfolgsgaranten von Borussia Dortmund, Weltklasse-Kicker aus den Niederlanden, ein Mittelfeld-Genie. Das bunt gemischte Team der großen Abwesenden bei der Fußball-EM hat definitiv Flair - und hätte wohl auch eine Chance auf den Titel.

TOR

Jan Oblak (SLO/nicht qualifiziert): Der Slowene spielte beim Champions-League-Finalisten Atletico Madrid in seinem zweiten Jahr eine bärenstarke Saison. Mit nur 18 Gegentreffern unterbot er den bisherigen Rekord in der spanischen Primera Divison und wurde mit der Zamora-Trophäe für den besten Torhüter geehrt. Der slowenischen Nationalmannschaft vermochte der 23-Jährige aber nicht zur zweiten EM-Qualifikation nach 2000 zu verhelfen. In der Barrage setzte sich die Ukraine in zwei Spielen durch.

ABWEHR

Dani Carvajal (ESP/verletzt): Der Rechtsverteidiger wäre im Team von EM-Titelverteidiger Spanien wohl gesetzt gewesen. Im Champions-League-Finale verletzte sich der Real-Madrid-Profi aber bereits nach wenigen Minuten. Der 24-Jährige muss wegen einer Blessur der Hüftmuskulatur zumindest noch zwei Wochen pausieren - für Teamchef Vicente del Bosque ein zu langer Zeitraum, um eine Nominierung zu riskieren. Erster Ersatzkandidat ist nun Juanfran vom Stadtrivalen Atletico.

Vincent Kompany (BEL/verletzt): Der Kapitän von Manchester City ist auch bei den "Roten Teufel" der unumschränkte Leader. Sein Ausfall wegen einer Oberschenkelverletzung traf die Belgier besonders hart, da mit Björn Engels, Nicolas Lombaerts und Dedryck Boyata noch drei weitere Innenverteidiger nicht zur Verfügung stehen. Auf die faule Haut wird sich Kompany während der EURO aber nicht legen, er verstärkt nämlich das Expertenteam der britischen BBC in Paris.

Raphael Varane (FRA/verletzt): Varane vergrößerte wenige Wochen vor dem Turnierstart die Sorgen von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps. Der junge Innenverteidiger von Real Madrid galt in seinem Konzept als Chef der Hintermannschaft, die den Alleskönnern in der Offensive den Rücken freihalten soll. Der 23-Jährige zog sich wenige Tage vor dem Champions-League-Finale ebenfalls eine schwere Muskelverletzung im Oberschenkel zu.

Daley Blind (NED/nicht qualifiziert): Blind war der erklärte Wunschspieler von Louis van Gaal, als dieser vor zwei Jahren als Trainer bei Manchester United anheuerte. Er holte den Defensiv-Allrounder in die Premier League, nachdem er zuvor bei der Weltmeisterschaft in Brasilien einer der Leistungsträger der Niederländer auf dem Weg zu Bronze war. Knapp eineinhalb Jahre später blieb Blind mit "Oranje", die mittlerweile sein Vater als Trainer übernommen hat, in der EM-Qualifikation bereits in der Gruppenphase hängen.

MITTELFELD

Andrea Pirlo (ITA/nicht nominiert): Dem genialen Hirn der Italiener wurde sein Wechsel über den Atlantik zum Verhängnis. Seit dem Transfer zu New York City FC wurde er von Teamchef Antonio Conte lediglich einmal eingesetzt, im September 2015 im EM-Quali-Match gegen Malta. Der Trainer machte nie ein Hehl daraus, dass er vom Niveau in der MLS wenig begeistert ist, was Pirlos Chancen von vornherein schmälerte. In Italien hat die Nicht-Berücksichtigung des 37-Jährigen dennoch breite Kritik hervorgerufen.

Marco Verratti (ITA/verletzt): Verratti ist für viele der designierter Nachfolger von Pirlo im Mittelfeld der "Azzurri". Der 23-Jährige vom französischen Serienmeister Paris St. Germain plagte sich bereits die gesamte Saison mit einer schmerzenden Leiste herum und musste schließlich w.o. geben. Eine Operation in Doha ließ sich nicht länger aufschieben. So wird dem italienischen Spiel in Frankreich ein zweiter wichtiger Impulsgeber fehlen.

Ilkay Gündogan (GER/verletzt): Die Karriere Gündogans im deutschen A-Nationalteam steht wahrlich unter keinem guten Stern. Aufgrund eines komplizierten Nervenleidens fand bereits die Weltmeisterschaft 2014 ohne den langjährigen Dortmunder statt, nun musste er wegen einer Luxation der Kniescheibe absagen. Erst 16 Spiele hat Gündogan für die Mannschaft von Trainer Joachim Löw seit absolviert. Mit 1. Juli wechselt er zu Manchester City in die Premier League.

ANGRIFF

Arjen Robben (NED/nicht qualifiziert): Auch der gefürchtete Flügelflitzer, der bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zu den besten Spielern zählte, scheiterte mit den Niederlanden in der Qualifikation. Und falls es anders gekommen wäre, wäre hinter der Einsatzfähigkeit des 32-Jährigen in Frankreich ohnedies ein großes Fragezeichen zu setzen gewesen. Beim FC Bayern bestritt Robben wegen diverser Wehwehchen heuer nur 22 Pflichtspiele.

Karim Benzema (FRA/nicht nominiert): Der wertvollste und bekannteste EURO-Abwesende ist Benzema, dessen Fehlen wegen seiner Verwicklung in eine bizarre Erpressungsaffäre bereits seit langem absehbar war. Für seinen Status sorgte der Real-Madrid-Star auch selbst - etwa mit einem "Marca"-Interview, in dem er den Rassismus in Frankreich für seinen Ausschluss aus dem Team verantwortlich machte. Alle Vorzeichen verheißen, dass er der "Equipe Tricolore" nicht abgehen wird.

Marco Reus (GER/verletzt): Siehe Gündogan. Verpasste der Blondschopf die WM 2014 wegen einer Fußverletzung, rutschte er ausgerechnet an seinem 27. Geburtstag wegen einer Schambeinentzündung aus dem endgültigen EM-Aufgebot. Der giftige und torgefährliche Linksaußen, der Borussia Dortmund bald ebenfalls in Richtung England verlassen könnte, kann die freie Zeit nun für die Arbeit an seinem Führerschein gewinnbringend nutzen.

ERSATZBANK

Tor: Kasper Schmeichel (DEN/nicht qualifiziert), Abwehr: Jeremy Mathieu (FRA/verletzt), Javi Martinez (ESP/nicht nominiert), Antonio Rüdiger (GER/verletzt), Luke Shaw (ENG/nicht nominiert). Mittelfeld: Juan Mata, Isco, Saul Niguez (alle ESP/nicht nominiert), Claudio Marchisio, Riccardo Montolivo (beide ITA/verletzt), Wesley Sneijder (NED/nicht qualifiziert), Henrich Mchitarjan (ARM/nicht qualifiziert). Angriff: Diego Costa, Fernando Torres (beide ESP/nicht nominiert), Danny Welbeck (ENG/verletzt), Theo Walcott (ENG/nicht nominiert)

(Anm.: Nicht berücksichtigt wurden noch aktive Spieler wie Philipp Lahm oder Franck Ribery, die ihre Karriere in der Nationalmannschaft bereits beendet haben.)