Warum China Europa aufkauft
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Warum China Europa aufkauft

Im ersten Halbjahr haben Unternehmen aus China nicht weniger als 72,4 Milliarden US-Dollar in europäische Firmen investiert.

Das ist drei Mal so viel wie in den Jahren 2013,2014 und 2015 zusammen. Dies belegen die Zahlen einer neuen Studie des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young.

Warum der Boom? Chinesische Investoren lockt vor allem eines: Hochtechnologie. "80 Prozent der Klimaanlagen, 70 Prozent der Mobiltelefone und 60 Prozent der Schuhe werden in China hergestellt", sagt Miao Wei, der derzeitige Minister für Industrie und Informationstechnologie , gegenüber der Zeitschrift "China heute"."Doch wenn es um Schlüsseltechnologien (diese wurden von der chinesischen Regierung definiert, Anm. ) in der Fertigungsindustrie geht, hinkt unser Land noch immer deutlich hinterher." Es sei auch nicht möglich, diese einfach auf dem Markt zu erwerben, so der Minister.

Es braucht Know-how als treibende Kraft für innovative Entwicklungen, deshalb das massive Interesse an europäischen Marktführern in den Bereichen Technologie, Industrie oder Software. China strebt an, den Weltmarkt mit eigenen Hochtechnologie-Unternehmen zu erobern. Auch Kooperationen in Forschung und Entwicklung sollen den Prozess vorantreiben. Schon jetzt steht "Made in China" längst nicht mehr nur für die Massenerzeugung simpler Gebrauchswaren wie Schlapfen, sondern auch für intelligente Qualitätsprodukte wie etwa Smartphones.

Neben dem Know-how-Gewinn gilt auch das verlangsamte Wachstum auf dem Heimatmarkt als Motiv, sich in Europa einzukaufen - und die Tatsache, dass die europäischen Staaten weniger Sicherheitsbedenken gegen Übernahmen durch ausländische Unternehmen hegen als etwa die USA.

Zuletzt sorgte das Aufkaufen des deutschen Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Haushaltsgerätekonzern Midea für Aufsehen. Die Chinesen beteuern zwar, die Unabhängigkeit des Augsburger Unternehmens zu gewährleisten, dennoch schürt die Vielzahl an strategischen Übernahmen in Europa die Angst, die Kontrolle über heikle Branchen, wie etwa die Lebensmittelerzeugung, zu verlieren.

TOP 5 TRANSAKTIONEN IN EUROPA im ersten Halbjahr 2016 in Mrd. US-$

44.182

Syngeta AG (Materials)

Land: Schweiz

Investor: China National Chemical Corp

8600

Supercell Oy (Hightech)

Land: Finnland

Investor: Tencent Holding Ltd.

4663

Kuka AG (Industrials )

Land: Deutschland

Investor: Midea Group Co Ltd

1594

EEW Energy from Waste GmbH (Energy & Power)

Land: Deutschland

Investor: Beijing Entrp Grp Co Ltd

1479

Categroup Holding AG (Retail)

Land: Schweiz

Investor: China National Chemical Corp

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