Eva Janko

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Gesellschaft

Eva Janko über Sohn Marc: "Sein Kopf ist hart"

Eva Janko, 71, gewann bei den Olympischen Spielen 1968 die Bronzemedaille im Speerwurf, war österreichische Meisterin im Fünfkampf und Torschützenkönigin beim Handballverein Hypo Südstadt. Ihr Sohn Marc gehört zu den Stars des Nationalteams. Ein Gespräch über den mütterlichen Einfluss auf eine Sportlerkarriere.

profil: Selbst für ganz normale Fans ist die Euro sehr aufregend. Wie fühlt es sich an, wenn der eigene Sohn spielt?
Eva Janko: Ich war lange ziemlich ruhig, aber seit Marc in Frankreich ist, habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Es geht um so viel. Marc wird hundert Prozent geben, das weiß ich, aber es liegt ja nicht nur an ihm. Wenn er gute Flanken kriegt, wird er Tore schießen. Wenn sie ihn vor dem Tor verhungern lassen, kann er nichts machen.

profil: Sie und Ihr Mann Herbert waren erfolgreiche Leichtathleten. Hätten Sie es nicht lieber gesehen, wenn der Sohn Weitspringer oder Zehnkämpfer geworden wäre?
Janko: Uns war alles recht, was er gemacht hat. Angefangen hat er mit Tennis, aber der Mannschaftssport gefiel ihm besser. Ein Tennisspieler verliert und gewinnt alleine, als Fußballer hat man immer ein Team um sich. Es gibt sportmedizinische Tests, mit denen man feststellen kann, wie gut die Motorik und die Körperbeherrschung sind. Da hatte er als Kind enorme Werte. Er hätte vieles machen können, hat sich aber bald für den Fußball entschieden.

profil: Trotzdem gilt Marc als Spätstarter.
Janko: Bis zum Alter von 15 war er unglaublich gut und bei fast allen Turnieren Torschützenkönig. Dann wuchs er innerhalb von vier Jahren von 1,50 Meter auf 1,96 Meter. Das ist für den Körper eine enorme Belastung, und natürlich haben seine Leistungen gelitten. Wir haben dann geschaut, dass er die beste medizinische Betreuung bekam. Ich war immer überzeugt, das wird wieder. Und so war es ja auch. Als er ausgewachsen war, sind seine Fähigkeiten zurückgekommen.

profil: Waren Sie eine klassische Fußballmutter, die den Sohn überallhin begleitete?
Janko: Ich war sehr viel mit ihm unterwegs, es ging gar nicht anders. Damals gab es noch nicht dieses Akademie-System, also mussten sich die Eltern kümmern. Fußball war für mich Neuland, aber man wächst da schnell hinein. Ich habe für die Jugendmannschaften der Admira das Koordinationstraining und die Laufschule übernommen. Wir sind zum Beispiel regelmäßig in den City Club gegangen, wo wir auch Aerobic machten, um das Rhythmusgefühl zu trainieren. Marc hat davon sehr profitiert.

profil: War Marc ein Mamakind?
Janko: Er war ein gut behütetes Kind. Marc ist im Sternzeichen Krebs, also sehr sensibel und introvertiert. Für ihn ist am wichtigsten, dass er jemanden hat, dem er total vertrauen kann.

profil: In seiner Karriere lief es nicht immer rund. Wie haben Sie die Zeit bei Trabzonspor in der Türkei erlebt, als er nicht einmal mit der Mannschaft trainieren durfte?
Janko: Das war ganz schrecklich, wir haben alle sehr gelitten. Erst holen sie Marc mit dem Privatflugzeug ab und versprechen ihm alles Mögliche. Und dann weiß der Trainer nicht einmal, wer er ist und was er spielt. Marc ist in einen Machtkampf zwischen dem Präsidenten und dem Trainer geraten. Aber mein Sohn ist keiner, der sich groß beschwert. Er frisst alles in sich hinein. Und wenn es ganz schlimm kommt, sagt er immer:'Es wird schon irgendeinen Sinn haben.' Da ist er ein bisschen auf der esoterischen Seite.


Marc betritt das Fußballfeld immer mit dem gleichen Fuß zuerst.

profil: Hat er das von Ihnen?
Janko: Wahrscheinlich. Ich habe die zweijährige Ausbildung für psychologische Astrologie in Wien absolviert und beschäftige mich viel mit Kartenlegen. Außerdem sind fast alle Spitzensportler abergläubisch. Ich habe früher beim Aufwärmen vor einem Wettkampf nach vierblättrigen Kleeblättern gesucht. Wenn ich eins gefunden habe, war ich gleich noch besser drauf. Marc betritt das Fußballfeld immer mit dem gleichen Fuß zuerst. Ich weiß jetzt nicht, welcher es ist, aber es muss immer derselbe sein. Wenn er ein wichtiges Match hat, lege ich vorher Karten, und ich versuche, ihm gedanklich so viel Energie zu schicken wie möglich.

profil: Trifft es Sie, wenn Journalisten negativ über Ihren Sohn berichten?
Janko: Das kränkt mich sehr, weil es oft so ungerecht ist. Ich kämpfe für meine Kinder, aber in so einem Fall kann kann man leider nichts machen. Sonst gibt es bloß die Schlagzeile 'Janko-Mutter regt sich auf'. Eingegriffen habe ich nur einmal, da ging es um die österreichischen Behörden. Beim Umzug aus der Türkei hätte er für die Einfuhr seiner Möbel 5000 Euro Zoll zahlen sollen. Wo gibt es denn das? Da ging es nicht ums Geld, sondern ums Prinzip. Bis zum Mitterlehner hinauf hab ich mich beschwert. Irgendwann haben sie eingesehen, dass so etwas ein Sonderfall ist. Marc hat die Möbel ja nicht in der Türkei gekauft, sondern schon dorthin mitgenommen.

profil: Ich dachte, Fußballer wohnen möbliert.
Janko: Marc nicht, er hat seine eigenen Sachen dabei.

profil: Wenn ein Kicker gefoult wird, ist es üblich, dass er sich vor Schmerzen krümmt - auch wenn ihm gar nichts fehlt. Erkennen Sie gleich, ob etwas passiert ist?
Janko: Nein, das ist ganz schlimm. In der Zeitlupe erkennt man meistens, ob es ein böses Foul war oder nicht. Aber ich sehe auch nicht mehr als jeder andere. Wenn er sich den Kopf hält, mache ich mir weniger Sorgen. Sein Schädel ist hart, das weiß ich. Angst habe ich um die Beine.

profil: Was wünschen Sie sich für die Euro?
Janko: Am wichtigsten ist, dass alle ohne Verletzungen wieder heimkommen. Und es wäre super, wenn Österreich ins Achtelfinale käme.

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