AUSTRO-DUELL IN DEUTSCHLAND: Aleksandar Dragovic (Bayer Leverkusen) und Zlatko Junuzovic (Werder Bremen)

AUSTRO-DUELL IN DEUTSCHLAND: Aleksandar Dragovic (Bayer Leverkusen) und Zlatko Junuzovic (Werder Bremen)

Gesellschaft

Tu felix Austria!

Wolff-Christoph Fuss über Alpen-Rock'n'Roll in der deutschen Bundesliga.

Die Liga macht Pause in Europa. Die Nationalmannschaften haben das Wort, ehe es in die heiße Saisonphase der nationalen und internationalen Vereinswettbewerbe geht. In Deutschland sind die ersten Blumengrüße zur 26. Meisterschaft nach München unterwegs, der fünften in Folge. Die deutsche Bundesliga macht sich ernsthaft Gedanken darüber, wie man zum Erhalt des internationalen Interesses in Deutschland zumindest wieder eine Art Titelrennen installieren kann - ob man den deutschen Rekordmeister vielleicht mit Handicaps belegen sollte: dergestalt, dass für die Bayern jedes Spiel bei 0:2 startet und Tore nur von außerhalb des Strafraums erzielt werden dürfen (und auch dann nur von Manuel Neuer per Kopf). Aber das ist natürlich albern. Nein, alles freut sich auf das bevorstehende Großduell mit Real Madrid in der Champions League. Die wahren Herausforderungen des FC Bayern lauern international. Und die sind dann sowohl von lokalem als auch von globalem Interesse.

Die deutsche Bundesliga bekam am vergangenen Wochenende eine sehr österreichische Note. Da wäre zum Beispiel der SV Werder Bremen, der in besonderem Maße von Austria-Power profitierte. Mit 3:0 schlugen sie RB Leipzig. Man könnte argumentieren, dass es nur recht und billig sei, dass es wenigstens Österreicher waren, die die drei Punkte von den Sachsen entführten: Junuzovic, Grillitsch, Kainz. Stellen Sie sich sämtliche Wortspiele vor, die zwischen "Kaiserschmarrn“ und "Aldmdudler“ möglich sind - sie alle wurden von den deutschen Medien nach diesem Spiel verwendet. An denen mit Dose und Energy-Brause hat man sich ja bereits abgearbeitet. Drei Österreicher also sorgen für die Wiedergeburt von Werder. Ein Dreiklang wie ein Mozart’scher Dur-Akkord. Das hatte Festspielcharakter und sorgte in Fuschl für das erste Moll seit Vereinsgründung.

Im Grunde unnötig, da in Leipzig sensationelle Arbeit geleistet wird. Zweiter ist man, und vor dem Eintritt der Saison auf die Zielgerade erscheint es fast schwieriger, die ersten vier Plätze zu verpassen, als die Champions League tatsächlich zu erreichen. Eine Halbserie lang schienen die Leipziger echte Herausforderer für die Bayern zu sein, im Moment sind sie ein fast ‚normaler’ Aufsteiger. Zum Saisonende werden sie sich als das präsentieren, was sie sind: ein gut und seriös geführter Club mit einer sehr klaren Vorstellung von Personalpolitik und fußballerischer Philosophie. Ein Club, der die Stadt Leipzig wieder in die Bundesliga gebracht hat und künftig regelmäßiger Gast auf europäischem Parkett sein wird. Sabitzer und Ilsanker auf dem Platz und Hasenhüttl an der Seitenlinie.


Drei Österreicher sorgen für die Wiedergeburt von Werder. Ein Dreiklang wie ein Mozart’scher Dur-Akkord.

Drei Austria-Cowboys also für das neue Werder. Unklar, ob die Kneipen rund um das Weserstadion in der Folge ausschließlich Gabalier oder Fendrich gespielt haben. Unwahrscheinlich, dass "I am from Austria“ jetzt die Werderhymne ablöst. Aber, Werder kann sich glücklich schätzen, so viel felix Austria im Kader zu haben.

Im Moment sieht es ferner so aus, dass sich der 1. FC Köln zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren wird. Zwar ist mit Anthony Modeste ein Franzose der Torjäger, aber das Ganze wird unnachahmlich von einem österreichischen Zeremonienmeister orchestriert: Peter Stöger.

Zum Abschluss lohnt auch noch ein Blick in die zweite deutsche Spielklasse. Da ist Union Berlin als Tabellenführer auf dem besten Wege, zum ersten Mal in die Bundesliga einzuchecken. "Scheiße, wir steigen auf!“ war ein Plakat, das sehr prominent auf der Stehtribüne des Kultclubs entrollt wurde. Ursächlich für den Sprung an die Tabellenspitze war ein 1:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg. Torschütze war mit Philipp Hosiner natürlich ein Österreicher. An dieser Stelle hätte dieser Kolumne ein galanter Schwenk zu Guido Burgstaller gut getan. Aber der Austria-Schalker hat am Wochenende den direkten Torerfolg verweigert. Seit der Rückrunde ist er emsiger Torschütze in allen Wettbewerben. In Mainz war er zumindest Vorbereiter des Siegtreffers.

Alpen-Rock’n’Roll in einer der besten Ligen der Welt. In diesem Zusammenhang habe ich nur noch eine Frage: Warum tut sich Österreich so schwer, sich für die WM 2018 zu qualifizieren?

Wolff-Christoph Fuss kommentiert wöchentlich die Topspiele der deutschen Bundesliga und der UEFA Champions League live auf Sky.

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