Affäre Kurt Waldheim: Als Österreich erwachsen wurde

Kurt Waldheim

Kurt Waldheim

Die Affäre Waldheim hat eine ganze Generation geprägt. Die Alten mussten sich die Frage gefallen lassen: „Was habt ihr gewusst?“, die Verbrechen der Wehrmacht kamen aufs Tapet, und der Aufstieg des Rechtspopulisten Jörg Haider begann.

Es war der geradezu unfassbare Grad an Verlogenheit, der vor 30 Jahren vor allem junge Menschen gegen Kurt Waldheim aufbrachte: Trieb hier doch jemand auf die Spitze, was Millionen Kriegsteilnehmer, was Väter und Großväter, Mütter und Großmütter als Lebenslüge in sich trugen. Und so wenig Kurt Waldheim damals verstand, wie ihm geschah, so haben bis heute viele nicht begriffen, warum Österreich immer wieder, angereichert durch den nationalsozialistischen Unterschleif eines Jörg Haider oder die Ausländerhetze eines Heinz-Christian Strache, als Nazi-Land hingestellt wird.

Das ist auch dem österreichischen Nationalcharakter geschuldet. Der sich herausgeschält hat aus dem Verlust imperialer Größe, verkommen zum kleinen (deutschen) Rest, verführt vom großen Bruder, mitgemacht wider Willen und wieder auferstanden, der unschuldig und unbefleckt geblieben sein will. „Österreich – erstes Opfer Hitlers“ war Staatsdoktrin der Zweiten Republik.