Glücksspiel: Mehr Süchtige für Wien
Österreich

Glücksspiel: Mehr Süchtige für Wien

Die Regierung genehmigt gegen den Willen der Stadtregierung 50 neue Spielautomaten im Prater.

ÖVP und FPÖ wollen nach dem Bund auch die rote Bastion Wien einnehmen. So weit, so legitim. Höchst fragwürdig ist aber die Wahl der Geschütze. Die Regierung genehmigt gegen den Willen der Stadtregierung 50 neue Spielautomaten im Prater; dank einer Bundeslizenz können die teilstaatlichen Casinos Austria das Automatenverbot in Wien umgehen. Der niederösterreichische Glücksspielriese Novomatic träumt schon davon, mit 500 einarmigen Banditen nach Wien zurückzukehren und kann auf volle Unterstützung der Regierung zählen. Die Folgen wären absehbar: mehr Süchtige, mehr negative Schlagzeilen über soziale Folgekosten und Beschaffungskriminalität, mehr Grund, auf Wien zu zeigen. Die Glücksspielindustrie trommelt seit Jahren: Ohne legale Automaten mit Zutritts-Check wird bloß illegal im Hinterzimmer oder Internet gezockt. Die PR-Kampagne ging voll auf. Die Wiener Suchtwelle, die ganze Familien zerstörte, aber wogte besonders hoch, als das Zocken legal war und in Migrantenbezirken an jeder Ecke ein Automat stand. Denn im Glücksspiel rollt der Rubel dank der Süchtigen. Kontrollen hin oder her, letztlich ist jede Klientel willkommen - bis hin zu Arbeitslosen, die ihre Mindestsicherung im Automaten versenken.

Wien verbot die Automaten, verschärfte die Kontrollen und geht nun - weil die Zocker dorthin ausweichen - auch gegen Wettcafés rigoros vor. Die Lage hat sich merklich entspannt. Vor allem für Jugendliche ist die Suchtgefahr gesunken. Diesen Trend absichtlich umzukehren, wäre taktisch ein Gewinn für Schwarz-Blau, moralisch aber ein Totalverlust.

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