Santorum ärgert Romney

Kandidat Mitt Romney mit Familie

Super Tuesday

Die große Vorwahlrunde am Super Tuesday hat die Republikaner offenkundig in die Bredouille gebracht. Erneut konnte keiner der vier noch im Rennen befindlichen Kandidaten sich klar durchsetzen; vielmehr fühlte sich jeder durch die Ergebnisse bestärkt. Der "Grand Old Party" steht damit ein langwieriger interner Kampf um die Präsidentschaftsnominierung ins Haus.

So gingen die Siege in den meisten Staaten an den eher moderaten Mitt Romney und den erzkonservativen Rick Santorum, die damit weiterhin in einem knappen Rennen gefangen sind. Beide zeigten sich am "Super Tuesday" zuversichtlich, am Ende die Partei hinter sich zu versammeln.

Ihre Erfolge demonstrierten die regionale Spaltung in der US-Wählerschaft: So verbuchte Romney mit großem Vorsprung die Bewerbe im liberaleren Neu-England für sich; in Vermont und in Massachusetts, wo er zuvor Gouverneur war. Santorum schnitt im konservativen Süden in Tennessee und in Oklahoma sehr stark ab. Der wichtige Vorwahlstaat Ohio im Mittleren Westen wurde hingegen denkbar knapp entschieden, so knapp wie noch nie zuvor, wie die "New York Times" anmerkte.

Aber auch der ehemalige Repräsentantenhaus-Sprecher Newt Gingrich und der libertäre Kandidat Ron Paul wollen nicht aufgeben. "Wir haben die Versuche der nationalen Elite überlebt, uns umzubringen", appellierte Gingrich, eine langjährige Führungsfigur seiner Partei, an seine Unterstützer. Der Sieg in seinem Heimatbundesstaat Georgia gab ihm genug Anlass, um sich zumindest Hoffnung auf die nächsten Vorwahlen zu machen.

Paul kann im Gegenzug darauf verweisen, in vielen Staaten respektabel abgeschnitten zu haben, und viele Wechselwähler und Junge anzuziehen. Der Libertarier, der unter anderem für die Abschaffung der Notenbank eintritt, hat sich damit eindeutig ins Feld der ernstzunehmenden Kandidaten gespielt. Er sieht seinen Verbleib im Rennen auch als Chance, um für seine Ideologie der Staatsfreiheit zu werben.

Die Republikaner zeigten in den bisherigen Vorwahlen ihre große Spaltung. Als politisch eher moderater Kandidat hat Romney nach Ansicht der politischen Analysten in den USA die meisten Aussichten, gegen Amtsinhaber Barack Obama die Wahlen im November zu gewinnen. Aber wichtige Wählergruppen der Republikaner, evangelikale Christen und Südstaatler, neigen eher zu Santorum und Gingrich. Und die kleine, aber gut organisierte Gruppe der Libertären, die vor allem den Staat beschneiden wollen, könnte den Republikanern überhaupt abhandenkommen, scheidet ihr Kandidat Paul nach den Vorwahlen aus dem Rennen.

Schwierigkeiten hat der ehemalige Investmentbanker Romney als Favorit mit seinem Image als Super-Reicher: Unter Wählern mit niedrigen und mittleren Einkommen schneidet er eher unterdurchschnittlich ab, wie auch die Nachwahlbefragungen in Ohio, Tennessee und anderen Vorwahl-Staaten zeigten. Auch Aktivisten an der Basis der Republikaner sind von dem Ex-Gouverneur des liberalen Massachusetts wenig begeistert. Tritt er an, könnte der fehlende Enthusiasmus der Stammwähler die Kampagne im Herbst entscheidend lähmen.

Kommentatoren spekulierten nun bereits, dass keiner der Kandidaten bei den Vorwahlen eine klare Mehrheit von 1.144 Delegierten auf sich vereinen kann. Eine Entscheidung fällt dann erst auf dem Parteitag der Republikaner Ende August. Dort sind alle möglichen Allianzen zwischen den Kandidaten und Delegiertengruppen vorstellbar. Sowohl Paul als auch Gingrich könnten, auch ohne Aussichten auf eigene Nominierung, die bisher verbuchten Vorwahlstimmen und Delegierten als politisches Kapital nützlich werden, um die Entscheidung zu beeinflussen.

Am Ende wird womöglich auch ein bisher ungenannter Bewerber zum Nominierten der Republikaner gekürt. Bis zu einer Entscheidung bleibt für den Amtsinhaber Obama in jedem Fall viel Zeit, um für sich Stimmung zu machen, die Differenzen der Republikaner gegen sie zu verwenden, und seine Wahlkampf-Spendenkiste weiter zu füllen.

(APA/Red)