Titelgeschichte: Finger weg von Vitaminen!

Titelgeschichte: Finger weg von Vitaminen!

Neue Studien beweisen beschleunigtes Krebswachstum durch hochdosierte Vitaminpräparate. Doch schon länger deuten Untersuchungen in dieselbe Richtung: Die teuren Nahrungszusätze sind bestenfalls sinnlos, mitunter fördern sie Krankheiten und steigern das Sterberisiko. Denn künstliche Vitalstoffe stören brachial ein empfindliches Gleichgewicht im Körper.

Auf den ersten Blick scheinen die Studienergebnisse jeder Logik zu entbehren, und deren Kernaussage klingt höchst irritierend: Vitamine beschleunigen das Krebswachstum. Doch dies ist das Resultat inzwischen mehrerer Experimente an der schwedischen Sahlgrenska Academy der Universität Göteborg. Ein Team um den Krebsforscher Martin Bergö beobachtete an Mäusen, was geschieht, wenn man an Tumoren leidenden Tieren einen Cocktail aus Antioxidantien verabreicht – aus jenen der Bevölkerung längst vertrauten Stoffen, zu denen auch viele Vitamine zählen und die schädliche Substanzen im Körper neutralisieren sowie Krankheiten wie Krebs, Herzleiden, Diabetes und Demenz entgegenwirken sollen.

Videoblog Vitamine

Bergö mischte Vitamin E sowie das Antioxidans N-Acetylcystein ins Trinkwasser der Labormäuse und verfolgte den weiteren Krankheitsverlauf. Würden die Tiere nun neue Kraft tanken und dank der Extraportion an vitaler Nahrungsergänzung den Krebs mit frischem Elan bekämpfen? Der Vitaminschub wirkte tatsächlich wie ein Turbo – allerdings für den Krebs. Für die erste dieser Versuchsreihen studierte Bergö Mäuse mit Lungenkrebs, für die jüngste, publiziert im vergangenen Herbst, solche mit Hautkrebs. Die Effekte waren beide Male ähnlich: Mäuse, die hochdosierte Antioxidantien geschluckt hatten, entwickelten zusätzliche und besonders aggressive Tumore in der Lunge. Im Fall von Hautkrebs blieb zwar der Primärtumor unberührt, dafür verschärfte sich das eigentlich zentrale Problem von Krebserkrankungen massiv: Die Bildung von Metastasen wurde angekurbelt, die Rate solcher Tochtergeschwulste verdoppelte sich.

Zur Gegenprobe untersuchten die Forscher auch menschliche Zellkulturen. Das Ergebnis war dasselbe …

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