Abdankung von Juan Carlos: Spanien begehrt gegen die Monarchie auf

Abdankung von Juan Carlos: Spanien begehrt gegen die Monarchie auf

Nach fast 40 Jahren auf dem Thron hat Juan Carlos I. als König abgedankt. Sein Sohn soll als Felipe VI. das in den vergangenen drei Jahren nach zahlreichen Skandalen stark angekratzte Ansehen der spanischen Monarchie wieder aufpolieren. Doch wollen die Spanier ihr Königshaus überhaupt noch?

Von Manuel Meyer, Madrid

Wenige Stunden nach Juan Carlos’ Abdankung versammelten sich in mehreren spanischen Städten zigtausende Menschen, um gegen die automatisch vorgesehene Krönung des Thronfolgers zu protestieren und ein Referendum über die Monarchie zu fordern. Solche Kundgebungen waren noch vor wenigen Jahren ein Tabu. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy spielte die Proteste herunter und betonte, die große Mehrheit der Bevölkerung sei für die Monarchie. Laut Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Metroscopia gaben 1998 noch 72 Prozent der Spanier der konstitutionellen Monarchie den Vorzug vor einer parlamentarischen Demokratie, 2012 waren es nur noch 53 Prozent. Vergangenen Jänner sackte die Zustimmung zu Monarchie laut einer Umfrage der spanischen Tageszeitung "El Mundo“ erstmals unter die 50-Prozent-Marke ab. Studien des staatlichen Sozialforschungsinstituts untermauern den kontinuierlichen "Fall der Krone" . Bis 2006 gehörte die Monarchie noch zu den angesehensten Institutionen des Landes. Auf einer Skala von 0 bis 10 war die Bewertung stets durchwegs positiv. 1995 lag sie bei 7,48, 2008 immerhin noch bei 5,54.

Doch dann setzte die Wirtschaftskrise ein und damit die Frage nach den Kosten des Königshauses. Nachdem 2011 wegen Korruption und Steuerhinterziehung Ermittlungen gegen Juan Carlos’ Schwiegersohn Iñaki Urdangarin eingeleitet worden waren, die inzwischen auch Königstochter Cristina betreffen, bewerteten die Spanier die Monarchie nur mehr mit 4,89.

Es war jedoch der König selber, der das Fass zum Überlaufen brachte. 2012 wurde bekannt, dass der betagte Monarch sich mit einer angeblichen Geliebten auf Luxus-Safari in Botswana befand, obwohl er noch kurz zuvor Durchhalteparolen an seine krisengeplagten Landsleute ausgegeben hatte. 2013 zählte die Krone mit 3,68 Punkten zu einer der am schlechtesten beleumundeten Institutionen des Landes. Am 18. Juni werden die pro-monarchistischen Großparteien Spaniens, die regierenden Konservativen und die sozialistische Opposition, mit ihrer überwältigenden Mehrheit im Parlament grünes Licht für die Krönung von Felipe VI. geben - des möglicherweise letzten Königs von Spanien.

Würde das Parlament in Madrid heute gemäß des Ergebnisses der vergangenen Europawahlen besetzt sein, wären die pro-monarchistischen Parteien fast in der Minderheit. Konservative und Sozialisten verloren dabei im Vergleich zu den Wahlen 2009 an die 30 Prozentpunkte. Die bereits von vielen als politisch für tot erklärte Protestbewegung der "Empörten“, die ebenfalls als antimonarchistisch gilt, konnte hingegen mit ihrer erst im März gegründeten Partei "Podemos“ ("Wir können“) direkt fünf EU-Parlamentssitze erreichen.