Mittelmeer-Katastrophen: Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Der damalige Bundespräsident Heinz Fischer bei einer stillen Kundgebung 2015.

Der damalige Bundespräsident Heinz Fischer bei einer stillen Kundgebung 2015.

Armut, Krieg und Unterdrückung - fast 219.000 Flüchtlinge haben laut UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) im vorigen Jahr die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Europa gewagt. Mehr als 170.000 von ihnen gelangten nach Italien.

Aus diesen Ländern flüchten die meisten:

SYRIEN: Von dort stammt der Großteil der Flüchtlinge, 2014 waren es nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex rund 66.700. Mindestens 220.000 Menschen hat der Bürgerkrieg bis heute das Leben gekostet, Millionen sind auf der Flucht. Jahrzehntelang war die politische Lage weitgehend stabil, bis der Aufstand ("Arabischer Frühling") im März 2011 auch Syrien erreichte. Doch statt mehr Demokratie herrscht heute Gewalt. Große Teile des Landes stehen unter Kontrolle extremistischer Gruppen wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

ERITREA: Präsident Isaias Afwerki regiert das bettelarme Land seit der Unabhängigkeit von Äthiopien 1993 mit eiserner Faust. Freie Wahlen gibt es ebenso wenig wie Gewaltenteilung, unabhängige Medien, Versammlungs- oder Religionsfreiheit. Tausende Regimekritiker sitzen im Gefängnis. Westliche Staaten werfen der Regierung Folter, Entführungen und die Ermordung von Oppositionellen vor. Neben der politischen Unterdrückung spielt die wirtschaftliche Lage eine Rolle: Eritrea gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Frontex-Angaben nahmen 2014 rund 34.300 Menschen das Risiko einer Überfahrt auf sich. Vor allem junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst.

AFGHANISTAN: Nach vielen Jahren Bürgerkrieg liegen Infrastruktur und Wirtschaft am Boden. Der Vielvölkerstaat mit seinen zerstrittenen Volksgruppen und rivalisierenden Glaubensrichtungen zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Vier Fünftel der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel: Der mit Abstand größte Anteil der weltweiten Opiumproduktion stammt aus Afghanistan. Politische Instabilität und Sicherheitsprobleme werden die wirtschaftliche Entwicklung aus Sicht von Fachleuten noch jahrelang beeinträchtigen.

MALI: Die rund 16 Millionen Menschen kämpfen um das tägliche Überleben, denn der Wüstenstaat gehört zu den ärmsten Ländern. Auch Korruption und hohes Bevölkerungswachstum stehen der Entwicklung in dem zu mehr als 60 Prozent von Wüste bedeckten Land im Weg. Mali ist zwar einer der wichtigsten Baumwollproduzenten Afrikas, Dürreperioden haben der Landwirtschaft jedoch schwer geschadet. Auch die politische Lage bleibt angespannt: Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden des Landes erobert und die Unabhängigkeit ausgerufen. Von internationalen Streitkräften unterstützt, konnte Malis Militär den Norden zurückerobern. Dennoch bleibt die Sicherheitslage prekär.

NIGERIA: Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im Nordosten des Landes einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten islamischen Gottesstaats. Die Islamisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Tausende kamen ums Leben, rund 1,5 Millionen sind innerhalb Nigerias oder in die Nachbarländer geflohen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist zwar auch wichtigster Ölproduzent und zugleich die größte Volkswirtschaft des Kontinents. Doch vom Ölreichtum profitieren nur wenige: Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt in extremer Armut. Zu den drängendsten Problemen zählen außerdem hohe Arbeitslosigkeit, Aids und Korruption.