Mittelmeerroute: Die zynische PR-Aktion der Identitären

Die C-Star, das Boot der rechtsextremen Aktivisten

Die C-Star, das Boot der rechtsextremen Aktivisten

Es war ein zynisches Spiel mit kalkulierter Schockwirkung: Bootsflüchtlinge nach Afrika zurückzubringen und NGOs bei Hilfseinsätzen auf offener See zu verfolgen. Mit dieser Mission dampften Aktivisten der rechtsextremen "Identitären Bewegung“ diesen Sommer auf die libysche Küste zu. Die Rekonstruktion einer Fahrt auf Konfrontationskurs.

Wer Martin Sellner nach seinem Sommer fragt, dem erzählt er vom türkischen Bier, bei dem sie sich in Famagusta mit den zyprischen Hafenarbeitern verbrüderten. Von den Maskeraden, die sie sich ausdachten, damit niemand sie in den engen Straßen des sizilianischen Catania erkennen würde. Den Nächten, in denen der Koch aus Sri Lanka auf seinem Plastikeimer durchtrommelte, unter ihnen das schwankende Meer, über ihnen nur der Sternenhimmel, vor ihnen das Abenteuer.

Es ist einer der letzten Augusttage, und Sellner sitzt in kurzen Hosen vor einer Melange mit Schlag im Wiener Café Aida. Er wird zwei Stunden lang darüber reden, was im Sommer 2017 passiert ist.

Das ist die Geschichte, wie er sie sieht: Ein 28-Jähriger, der nie länger als drei Wochen am Stück im Ausland war, bricht mit ein paar Freunden auf, um Europa zu retten. Seit Jahren versuchen sie, auf YouTube, Twitter oder Facebook die Marke einer neuen rechten Bewegung fern von Glatzen und Springerstiefeln zu etablieren. Sie nennen sich "identitär“, den Verfassungsschützern gelten sie als rechtsextrem, ihre einschlägigen Akten füllen Bände. Nun wollten sie schaffen, woran die europäische Politik permanent scheitert und was ihnen als die dringlichste Aufgabe der Gegenwart erscheint: dafür zu sorgen, dass vor der libyschen Küste in Seenot geratene Menschen nicht mehr auf Rettungsschiffen nach Europa gebracht werden. Sie haben ein Poster online gestellt. Es zeigt schwarze Schiffchen, die sich einem riesigen entgegenstellen, auf dessen Rumpf "Pro-Migrant“ steht. "Du kommst nicht vorbei“, steht darüber.

Rechtsextreme PR

Hier beginnt eine andere Geschichte: Sie erzählt von einer kleinen Gruppe italienischer, deutscher, französischer und österreichischer Aktivisten aus der rechtsextremen Szene, die eine der dramatischsten Notsituationen der Gegenwart ausnützen, um für sich selbst PR zu machen. Im Mittelmeer sind allein in diesem Jahr mehrereTausend Menschen ertrunken, etliche mehr wurden von eigens nach ihnen suchenden Schiffen aus der Seenot gerettet und mangels eines kooperierenden und sicheren Hafens in Nordafrika nach Europa gebracht. Es ist ein höchst komplexes Problem, das die Identitären perfide auf einen simplen Nenner bringen: An allem, was im Mittelmeer passiert, tragen linke NGOs die Schuld. Stoppt man sie, wird alles gut.

Sellner lässt sich seinen Aktivimus von anonymen Spendern finanzieren. Man könnte seine kalkulierten Eklats ignorieren - wäre da nicht das ohrenbetäubend laute Echo, das er mit seiner Reise erzeugt hat. Da ist zum einen das Spektakel, das sich rund um seine Schiffsfahrt entwickelte: Festnahmen, Demonstrationen, Hafenblockaden. Da ist aber auch das flaue Gefühl, dass in diesem Sommer buchstäblich etwas aus dem Ruder gelaufen ist: Eine handvoll Rechtsextremer drängte sich für ein paar breitenwirksame Bilder in ein Krisengebiet - und spielte sich nachher auch noch als Sieger auf.

 Identitären-Sprecher Martin Sellner während einer Kundgebung "gegen Terror" der Identitären Bewegung Österreich im Juli 2017

Identitären-Sprecher Martin Sellner während einer Kundgebung "gegen Terror" der Identitären Bewegung Österreich im Juli 2017

Wer verstehen will, wie es so weit kommen konnte, muss Monate zurückgehen. Es ist Mitte Mai, als ein paar junge Männer in die sizilianische Hafenstadt Catania fliegen. Dort ankern umgebaute Schiffe, mit denen NGOs seit zwei Jahren die italienische Küstenwache und EU-Missionen dabei unterstützen, Tausende vor Krieg, Hunger und Armut fliehende Menschen aus dem Meer zu ziehen. Obwohl die staatlich finanzierten Schiffe weit mehr als die Hälfte der Aufgriffe tätigen, stehen die privaten Seenotretter zu diesem Zeitpunkt massiv in der Kritik.

Sie arbeiteten mit nordafrikanischen Schleppern zusammen, lautet der Vorwurf, der damals ohne jeden Beweis vorgetragen wird. "Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden“, sagt ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz im März - ein Satz, den ein italienischer Aktivist der Identitären später nahezu wortgleich in einem Werbevideo der Gruppe wiederholen wird.

An dieser Rhethorik entfacht sich jene Stimmung, die Sellner und seine Mitstreiter zur ersten Aktion ermutigt: Sie versperren mit einem Schlauchboot in Catania dem NGO-Schiff Aquarius den Weg. Die Fotos des Manövers stellen sie online. Daraufhin ersinnen sie den Namen "Defend Europe“, basteln eine Website, auf der sie die NGO-Seeretter als Kriminelle bezeichnen, die mit Schleppern arbeiten, und bitten um Spenden, um sie zu stoppen.

"Schützenhilfe für rechtsgesinnte Politiker"

"Dann wurden wir von einem massiven Interesse überrollt“, sagt Sellner: "Nach nur drei, vier Wochen lagen wir bei über 60.000 Euro.“ Es hätten sich mehr als 100 Menschen gemeldet, die mit aufs Meer fahren wollten. Darunter seien auch Profis von Frontex oder der italienischen Küstenwache gewesen. Man habe eine richtige Kriegsstimmung gespürt, genährt aus einer ausufernden politischen Debatte über Migration. "Wir sind die Schützenhilfe für rechtsgesinnte Politiker, die diese Route schließen wollen: Kurz, Strache, Doskozil oder Sobotka“, sagt Sellner. "Wir haben uns wirklich wie die Vollstrecker einer öffentlichen Meinung gefühlt, die sagt: Es reicht, es muss irgendwann aufhören.“

In London sieht der britische Historiker Joe Mulhall derweil besorgt, wie sich rund um das unerhörte Projekt die rechte Szene zusammenrottet: Zwei YouTube-Starlets aus Übersee fliegen nach Catania, um mit Sellner in Videos aufzutreten. Ku-Klux-Klan-Führer David Duke ruft zu Spenden auf, ebenso die Neo-Nazi-Website "Daily Stormer“. Das US-Präsident Donald Trump nahestehende Internetportal "Breitbart News“ berichtet überaus wohlwollend, in Österreich schlägt sich das FPÖ-nahe "unzensuriert.at“ auf die Seite der Identitären, und in Deutschland verbreitet Frauke Petry, einstige Frontfrau der Anti-Migrations-Partei Alternative für Deutschland (AfD), Texte über die Rechtsaktivisten auf Twitter.

Als in Großbritannien die ersten Zeitungsartikel über die jungen Männer erscheinen, beschließt Mulhall einzuschreiten. "Den Texten fehlte es an Klarheit, was für einen Hintergrund diese Gruppe hatte“, sagt der Forscher, der für die linke NGO "Hope not Hate“ rechte Bewegungen beobachtet. Er verfasst Hintergrundberichte über die "Identitäre Bewegung“ für Botschaften, Journalisten, Politiker und Behörden in mehreren Ländern. Noch bevor das Schiff gechartert wird, versucht er mit den Aktivisten von "Sleeping Giants“, die Finanzierung zu verhindern: Die anonym auftretende Gruppe formierte sich nach dem Wahlsieg von Trump, um dessen Hausmedium "Breitbart“ Werbekunden zu entziehen, indem sie die Unternehmen hinter den dort geschalteten Anzeigen anschrieb. Mit einer ähnlichen Taktik bringt sie Sellners Projekt nahe an den Abgrund, bevor es überhaupt richtig gestartet war.

In Lyon ziehen die Identitären eine Bilanz: In ihrem Umfeld war die Mission ein Erfolg.

In Lyon ziehen die Identitären eine Bilanz: In ihrem Umfeld war die Mission ein Erfolg.

Eine Bank nach der anderen kündigt den Rechtsextremen das Konto, acht sollen es insgesamt gewesen sein. Auch PayPal zieht sich zurück, selbst der konservative Crowd-Funder Patreon will sich nicht mehr die Finger verbrennen. So werden die Identitären tiefer in rechte Netzwerke in Übersee gedrängt. Sie landen bei "WeSearchr“, einer Website aus der Alt-Right-Bewegung, die zum Beispiel Geld sammelt, um Neonazis und rechten Schlägern zu helfen. Betrieben wird sie von Charles Johnson, einem ehemaligen "Breitbart“-Journalisten, der im Sommer vor dem US-Senat in der Affäre rund um die Russland-Connections des Trump-Wahlkampfteams aussagte. "Auf WeSearchr ist das nochmal explodiert“, sagt Sellner. Am Ende steht der Zähler bei 234.456 US-Dollar (rund 196.000 Euro). Wer ihnen das Geld gegeben habe, wisse er selbst nicht, behauptet Sellner. Dass der Großteil von Mitgliedern der rechten und rechtsextremen Szene kam, liegt aber nahe.

Mit üppigen Mitteln ausgestattet, mieten die Identitären die C-Star: mongolische Flagge, verankert in Dschibuti, 60.000 Euro für 14 Tage, dazu eine Tonne Sprit. Laut einem Bericht des britischen Parlaments wurde das Schiff im Jahr 2014 noch als "schwimmendes Waffenlager“ eingesetzt, um Söldner auszurüsten, die am Horn von Afrika gegen die Piraterie kämpften. Nicht gerade ein Kahn, der dazu angetan ist, Vertrauen zu wecken. Es sei das billigste Angebot gewesen, sagt Sellner.

Verschwörungstherorien

In der ersten Juliwoche sticht die C-Star in See. Damit beginnt eine Odyssee, die sich nicht immer lückenlos rekonstruieren lässt. Vor dem Suez-Kanal wird das Schiff erstmals von den ägyptischen Behörden durchsucht; das Gerücht kursiert, dass es ukrainische Söldner und Waffen geladen habe. Als die C-Star einige Tage später weiterfahren darf und schließlich im Hafen Famagusta in Nordzypern landet, folgt der nächste Eklat: Acht Seeleute aus Sri Lanka, ein Deutscher und der aus London angereiste schwedische Schiffseigner werden verhaftet und erst nach zwei Tagen wieder freigelassen. Mehr als 30 Männer aus Sri Lanka befanden sich an Bord des Schiffes. Fünf sollen in Nordzypern um Asyl angesucht haben, 25 wurden wieder außer Landes geflogen. "Das war eine Falschmeldung, die wie Öl runterging“, sagt Sellner: "Die selbst ernannten Verteidiger Europas schleppen selber Menschen.“ Er spricht von der Verschwörung einer übermächtigen Pro-Migrations-Lobby: Die fünf Männer seien von einer linken NGO überredet worden, um Asyl anzusuchen. (Weder die ägyptischen und nordzyprischen Behörden noch die von Sellner beschuldigte NGO reagierten auf mehrere profil-Anfragen in dieser Causa.)

Immer wieder steht die Mission kurz vor dem Scheitern. Der C-Star entstehen horrende Kosten für Sprit und Wasser - beides muss über teure Versorgungsschiffe angeliefert werden, da das Schiff in keinem Hafen in Europa oder Nordafrika anlegen kann. Die Kampagnen gegen das Boot der Rechten beginnen zu wirken: Das sogennante "Schiff des Hasses“ wird boykottiert, es gibt Demonstrationen. Die Identitären fürchten sogar, dass griechische Linke ihr Schiff kapern könnten.

Um doch noch auf die C-Star zu kommen, fliegt Sellner mit seinen Mitstreitern von Sizilien nach Zypern. Nachdem sie sich, wie schon zuvor in Catania, von der Polizei verfolgt fühlen, um ihr Propagandamaterial fürchten ("Ohne Banner geht gar nichts!“) und ihre Crew sogar für zwei Tage verhaftet wird, beschließen sie, in internationalen Gewässern an Bord zu gehen. Mitten in der Nacht bringt ein Zyprer sie zur C-Star, wo sie an Deck klettern.

Der öffentliche Gegenwind erweist sich für die Identitären als durchaus nützlich. Er lenkt von ihren Pleiten ab und gibt ihnen die Chance, sich zu Opfern eines mächtigen Gegners zu stilisieren. Wenn da unten im Mittelmeer alles mit rechten Dingen zugehe, warum wolle man sie mit allen Mitteln daran hindern, dorthin zu gelangen? Dass die NGOs regelmäßig kritische Journalisten und Beobachter der Polizei auf ihre Schiffe einluden, unterschlagen die Identitären geflissentlich.

Die Propaganda-Videos, die an Bord der C-Star entstehen, zeigen junge Männer, die beherzt für ihre Sache kämpfen. Dabei ist der Alltag auf dem Schiff wenig komfortabel. "Die ersten Tage waren die Hölle“, erzählt Sellner: "Alle haben sich die Seele aus dem Leib gekotzt.“ Aufgrund der hektischen Abreise aus Famagusta ist das Schiff falsch betankt und schwankt stark, noch dazu gerät man in ein Seebeben. "Ich bin ein Alpenbewohner, der davor gerade einmal mit einem Segelboot auf dem Neusiedler See herumgefahren ist“, sagt Sellner. Er erzählt, wie die rechtsextremen Aktivisten mit acht angeheuerten Seemännern aus Sri Lanka "interkulturelle Abende“ abhielten, der Koch ihnen auf Plastikeimern vortrommelte und Lieder sang. Man habe asiatisch gegessen ("Mit richtig Pfeffer, richtig fein Fisch!”) und über den Islam geredet, dem die Sri Lanker ablehnend gegenübergestanden seien. Der Koch habe ihm einen buddhistischen Anhänger geschenkt, er ihm dafür ein "Defend Europe“-T-Shirt. Es ließe sich gut lachen über diese absurde Schifffahrt.

Frage von Leben oder Tod

Doch in Libyen warten gleichzeitig Hunderttausende Menschen darauf, aus dem Bürgerkriegsland mit seinen Milizen, Menschenhändlern und Lagern zu fliehen - für sie geht es um Leben und Tod. Als die identitären Abenteurer in ihrem Boot ankamen, hatte sich noch dazu die Lage verändert. Die meisten NGO-Schiffe sind weg, denn die libysche Küstenwache sprach eine Drohung gegen sie aus, und die italienische Regierung will ihnen neue Regeln aufzwingen. Davon unabhängig legen im August kaum Schlepperboote ab, denn es ist zu Kämpfen der Milizen in Libyen gekommen. Seit Monaten verhandeln zudem EU-Vertreter mit libyschen Führern und zahlen Millionen, um eine neue Küstenwache aufzubauen. Vor allem die italienische Regierung hat ihren politischen Kurs deutlich verschärft: Sie will verhindern, dass Menschen die libysche Hölle verlassen, koste es, was es wolle.

Sellner gibt zu, dass sie auf der gesamten Reise nicht einem einzigen Flüchtling gegenübergestanden sind. Auch der Plan, irgendwelche Machenschaften von NGOs aufzudecken, scheiterte. Tagelang fahren sie hinter Schiffen her, die weder Menschen retten noch mit Schleppern sprechen. Dabei wäre das Wetter ideal, die Teleobjektive sind geschärft. Es bleibt den Identitären nur, den Funk mitzuhören und sich selbst zu filmen. Einmal lassen sie ihr Beiboot ins Wasser, um einen Sticker an das Beiboot eines Schiffes zu kleben. Ein anderes Mal missbrauchen sie den Notrufkanal, um Propagandanachrichten zu verlesen. Dann treffen sie auf die libysche Küstenwache, die sie anweist, sofort gen Norden zu verschwinden. Zwischendurch kämpfen sie mit einem stotternden Motor (Sellner vermutet Sabotage).

Am Ende bleibt die Frage, was das alles gebracht haben soll. "Es ist eine Fallstudie einer jungen, modernen und selbstbewussten Rechten“, sagt der britische Historiker und NGO-Mitarbeiter Joe Mulhall: "In diesem Ausmaß ist das einzigartig. Es hat gezeigt, dass die Europäer ein wichtiger Spieler in der US-amerikanischen Szene sind.“ Die befürchteten Blockadedramen blieben aus, die Schiffsbesatzung habe sich fast immer gesetzeskonform verhalten und niemanden verletzt. "Das Ironische dabei: Es ist nichts passiert, weil sie einfach gar nichts gemacht haben“, sagt Mulhall.

Ein mögliches Scheitern gehörte wohl von Anfang an mit zur Planung. "Wir machen Aktionen, weil wir dadurch Druck erzeugen“, sagt Sellner. "In diesem Fall können die Politiker dann sagen:, Das rechte Schiff muss weg, aber die linken müssen auch weg.‘“ In einer Presseaussendung forderte ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka dann auch tatsächlich die Schließung der Migrationsroute, weil mittlerweile sogar Rechtsextreme dort auftauchten. Sellner nennt Sobotka "meinen größten Fürsprecher“.

Für den Identitären ist es also bestens gelaufen. In seiner Facebook-und YouTube-Blase sind er und seine Männer Helden, deren Fans sie dafür verehren, die Politiker, die Libyer und die NGOs im Alleingang zur Kapitulation gezwungen zu haben. Dass die Identitären nahezu die Einzigen sind, die das behaupten, stört Sellner nicht. "Es ist das Schicksal jeder Avantgarde, dass sie die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten kann“, sagt er. Nun werde man erst einmal abrechnen; ob von den rund 200.000 Euro Spenden etwas übrig ist, könne er noch nicht sagen. Er spüre aber den Rückenwind, aus ganz Europa würden ihn Mails erreichen. Er werde in den kommenden Wochen in verschiedene Städte fahren, um vor Gesinnungsgenossen von seinen Abenteuern zu erzählen.

Eine Nachbesprechung? "Eine Gründungstour“, sagt Sellner.

Die jungen Männer und das Meer

Entlang dieser Linie fuhr die C-Star diesen Sommer.

Malta

Nachdem sie kurz auf ein Boot der libyschen Küstenwache getroffen sind, beenden die Identitären ihre Mission und verankern die C-Star außerhalb von Malta auf einer Art Schiffsparkplatz. Sie behaupten, dass ihnen die maltesischen Behörden die Versorgung verweigern würden. Nach einigen Tagen gehen die Europäer mit Booten von Bord.

Libysche Küste

Um Wochen zu spät gelangen die Identitären an ihrem Ziel an. Auch hier lässt der Druck nicht nach: Die tunesischen Häfen wollen sie nicht einlaufen lassen, sie müssen um viel Geld über Versorgungsschiffe Sprit und Wasser zukaufen. Noch dazu versagt ihnen der Motor. Danach beginnen sie ihre geplante Mission: Sie verfolgen und beobachten NGO-Schiffe. Relevante Entdeckungen machen sie dabei nicht. Flüchtlinge treffen sie keine.

Limassol

Um noch einer Polizeidurchsuchung zu entgehen, beschließen die Identitären, von hier aus in ein kleineres Boot zu steigen, das sie in internationale Gewässer bringt. Von dort klettern sie an Bord der C-Star, die auf sie wartet. Das Schiff wird von einem ehemaligen Marinesoldaten aus Sri Lanka und seiner Crew gesteuert. Sie fahren an Kreta vorbei, um auf See ihre Vorräte aufzufüllen, und setzen dann den Kurs in Richtung libyscher Küste.

Famagusta

Laut Plan hätten die aus Catania eingeflogenen Identitären im nordzypriotischen Hafen an Bord gehen sollen. Doch das Schiff wird festgesetzt, eine achtköpfige Crew aus Sri Lanka, ein Schwede und der Deutsche werden verhaftet und erst zwei Tage später wieder freigelassen. Von den anderen Sri Lankern suchen fünf um Asyl an, warum genau, ist umstritten. Auch die nordzypriotischen Behörden geben keine Auskunft.

Suez-Kanal

Die C-Star wird von den ägyptischen Behörden kontrolliert. Was sie dabei genau suchen, ist unklar, mehrere Anfragen bleiben unbeantwortet. Die Identitären sagen, dass dem Schiff danach verboten wurde, an einem ägyptischen Hafen anzulegen. Um durch den Kanal zu kommen, mussten sie teuer Sprit von einem Versorgungsschiff tanken.

Dschibuti

Von hier sticht die C-Star in der ersten Juli-Woche in See. Mit an Bord: Mehr als 30 Sri Lanker und ein Deutscher, der in das afrikanische Land geflogen ist, um das Schiff für die Identitären zu inspizieren. Es hat einen vergleichsweise schwachen Motor, diente früher als sogenanntes "schwimmendes Waffenlager“ und segelt unter mongolischer Flagge.