Separatismus: Holt mich hier raus!

Separatismus: Holt mich hier raus!

Nationen und Völkchen in Europa, die gern einen eigenen Staat hätten.

Von Ines Holzmüller

Baskenland
Die Separatistenbewegung ETA begann im Jänner mit ihrer kompletten Entwaffnung, nachdem sie bereits vor zwei Jahren einen Gewaltverzicht verkündet hatte. Der politische Kampf um die Unabhängigkeit der Region von Spanien geht indes weiter; 2012 erreichten sezessionistische Parteien die Mehrheit bei den Regionalwahlen.

Katalonien
Während das Regionalparlament am 9. November ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens abhalten will, wird dies von der spanischen Regierung als illegal abgelehnt. Madrid befürchtet ähnliche Forderungen aus dem Baskenland und anderen Regionen mit nationalistischen Bewegungen, sollte man den Katalanen eine größere Autonomie gewähren.

Korsika
Die Insel blickt auf eine lange Geschichte von Gewalttaten radikaler Nationalisten, vor allem der Nationalen Befreiungsfront Korsikas (FLNC), zurück. Sie sehen Frankreich als „Besatzungsmacht“. Um den Konflikt zu entschärfen, bekam Korsika 2001 Autonomierechte zugesprochen, die jedoch vom französischen Verfassungsrat zum Großteil wieder gekippt wurden.

Sardinien
Nach dem Vorbild Venetiens will nun auch Sardinien ein Referendum über die Unabhängigkeit von Italien abhalten. Die Aktivisten Andrea Caruso und Enrico Napoleone fordern gar den Anschluss an die Schweiz als 27. Kanton, „Canton Marittimo“.

Grönland
Die Regierung Grönlands strebt mittelfristig die Loslösung vom Mutterland Dänemark an. Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Abhängigkeit ist eine Abspaltung in den kommenden Jahrzehnten jedoch nicht realistisch, trotz der reichen Mineralien- und Ölvorkommen im Land. Zuletzt stimmten die Grönländer 2008 in einem Referendum für größere Autonomie.

Sizilien
Bis zum Jahr 2012 wurde Sizilien von Raffaele Lombardo, Gründer der regionalistischen Partei Movimento per le Autonomie regiert. Lombardo musste sein Amt aber schließlich niederlegen, gegen ihn wurde wegen des Verdachts auf Verbindungen zur Mafia ermittelt. Momentan haben sezessionistische Parteien keine große Bedeutung auf der Insel, eine Abspaltung ist unwahrscheinlich.

Nordirland
Nordirland gilt als Paradebeispiel für die friedliche Beilegung eines blutigen Konflikts um die Zugehörigkeit zum Mutterland. Das „Karfreitagsabkommen“ beendete 1998 nach 30 Jahren die als „The Troubles“ bekannten Kämpfe zwischen Unionisten und Nationalisten. Heute sitzen beide Gruppen im regionalen Parlament, die Spannungen in der Bevölkerung sind aber nicht gänzlich verschwunden.

Schottland
Am 18. September stimmt Schottland offiziell über seine Unabhängigkeit von Großbritannien ab – mit Genehmigung des Parlaments in Westminster. Minis-terpräsident Alex Salmond will ein „sozial gerechteres Land aufbauen“, dabei soll ihm die Kontrolle über die großen Ölvorkommen Schottlands helfen ( siehe auch hier ).

Flandern
Bei den Parlamentswahlen in Belgien 2010 wurde die Neu-Flämische Allianz (N-VA) stärkste Kraft; sie wünscht sich langfristig eine Abspaltung der wohlhabenden Region Flandern, wo großteils holländisch gesprochen wird, vom ärmeren, französischsprachigen Wallonien. Die Regierung wurde schließlich aber ohne die N-VA ­gebildet. Am 25. Mai finden erneut Wahlen statt.

Südtirol
In der autonomen Region hat der Kampf um Unabhängigkeit Geschichte. Nun entsteht dort ein neuer, wirtschaftlich motivierter Sezessionismus. Im reichen Südtirol fürchtet man sich vor den Auswirkungen der italienischen Schuldenkrise und vor finanziellen Forderungen aus Rom. Bei der Landtagswahl 2013 wurde die Südtiroler Volkspartei, die eine „Vollautonomie“ anstrebt, erneut stärkste Kraft, die Südtiroler Freiheitlichen, die einen „Freistaat“ gründen wollen, landeten mit 17,9 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz.

Venetien
In einer inoffiziellen Online-Abstimmung im März sprach sich die Mehrheit der Teilnehmer Venetiens für eine Abspaltung von Italien aus. Der Präsident der Region Luca Zaia von der separatistischen Lega Nord beruft sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker als Rechtsgrundlage für das Referendum. Vor allem seit Beginn der Finanzkrise regt sich in der wirtschaftsstarken Region Unmut über die Politik Roms.